Erica – Die Mischung aus Film und Videospiel (Review)

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Das bereits 2017 angekündigte Erica stellt eine Mischung aus Film und Videospiel dar. Ein zwar nicht grundlegend neuer Ansatz, aber dafür bislang kaum in der Gaming-Welt vertreten. Wir haben uns das interessante Konzept angeschaut.

Mit Erica spendiert man uns auf der PS4 einen interaktiven Thriller. Was diese Mischung aus Film und Videospiel kann, verraten wir euch.

Unmittelbar nach der offiziellen Ankündigung von Erica wurde es verdächtig ruhig um das Projekt (zur Ankündigung). Das scheint daran zu liegen, dass die Verantwortlichen hinter den Kulissen nochmals deutlich am interaktiven Thriller gearbeitet haben. Hier und da einiges verworfen. Neue Ideen umgesetzt. Das Ergebnis präsentiert man uns nun im PlayStation Store für wenig Geld. Gerade einmal 9,99 Euro kostet das Spiel zum Release.

Inhaltlich dreht es sich um Erica, einer jungen Frau, die den Tod ihres Vaters genauer untersucht und dabei gleichzeitig ihre Vergangenheit erforscht. Dabei stößt sie auf eine zuvor unbekannte Wahrheit und wird obendrein mit einigen mystischen Elementen konfrontiert. An dieser Stelle wollen wir euch aber nicht zu viel verraten. Das liegt aber auch daran, dass die Geschichte mit knapp zwei Stunden im Vergleich zu anderen Videospielen sehr überschaubar bleibt. Allerdings ist es bei dieser Art der Produktion nachvollziehbar. Statt Charaktere und Umgebung zu animieren, hat man in Erica alles mit Kameras gedreht. Die einzelnen Elemente sind demnach real – Schauspieler, Möbel, Gebäude etc.

Wer braucht schon eine Speicherfunktion?

Durch das interaktive Feature nimmt man einen Einfluss auf die Geschichte. Immer wieder tauchen Entscheidungsmöglichkeiten auf, sodass es sich lohnt, Erica mehrmals zu spielen. So umfangreich wie ein Heavy Rain fällt dieses Projekt aber nicht aus. Dennoch gelingt es den Machern stets einen interessanten Spannungsbogen aufzubauen. Bereits nach dem erstmaligen Durchspielen kommt die Lust auf, einen zweiten Durchlauf zu starten. Dieser Drang ist aber sicherlich sehr subjektiv. Immerhin erfreue ich mich an Videospielen, wo man durch Entscheidungen den folgenden Verlauf beeinflussen kann. Wenn ihr absolut kein Fan von diesem Ansatz seid, dann braucht ihr nicht weiterlesen. Erica ist dann nichts für euch.

Gemischte Gefühle haben wir beim Fehlen von bestimmten Abschnitten, bei denen man ein neues Spiel starten kann. Ihr könnt also nicht zu einer wesentlichen Entscheidung springen, einen anderen Weg wählen und ab dort weiterspielen. Möchte man einen anderen Verlauf erleben, muss man stets vom Anfang starten. Einige Spieler könnten davon genervt sein. Allerdings ist es bei der angesprochenen Spielzeit von rund zwei Stunden kein Beinbruch, völlig von vorn zu starten. Übrigens ist es ebenfalls nicht möglich, mittendrin zu speichern.

Charme eines Films

Wenn man genauer auf die Entscheidungen blickt, fällt auf, dass diese oft nicht erahnen lassen, was die Protagonisten in der nächsten Szene unternimmt. Zwar sind Aktionen wie das Öffnen einer Kisten eindeutig, doch insbesondere bei Dialogen muss man sich meist überraschen lassen. So kann es gelegentlich vorkommen, dass etwas ausgeführt wird, was man eigentlich nicht möchte. Nichtsdestotrotz ist Erica für ein Videospiel gut inszeniert. Es ist clever aufgebaut, sodass der Charme eines Films nicht vergeht. Des Weiteren gelingt es, trotz der Auswahl von Handlungen oder Antworten das Gefühl zu erzeugen, dass Szenen flüssig laufen. Natürlich gibt es immer wieder kleinere Unterbrechungen, diese stören aber nicht.

Mit Erica spendiert man uns auf der PS4 einen interaktiven Thriller. Was diese Mischung aus Film und Videospiel kann, verraten wir euch.

Die Steuerung funktioniert gut. Als Spieler hat man die Möglichkeit, den DualShock 4 Controller oder ein Smartphone zu nutzen. Letzteres setzt allerdings eine spezielle App voraus. Entscheidet man sich für den klassischen Controller nutzt man vorrangig das Touchpad, was nicht überraschen sollte. Immerhin sind beide genannte Möglichkeiten aufeinander abgestimmt. Und tatsächlich entsteht kein Nachteil, wenn man zum Smartphone mit passender App greift. Einige können diese Variante sogar als angenehmer empfinden, da die Steuerung dank ausgereifterem Touch präziser sein kann.

Eine Bewertung der Grafik von Erica ist aufgrund des gewählten Ansatzes nicht notwendig. Es fühlt sich nicht nur an wie ein interaktiver Film, es ist auch einer. Umso spannender ist aber die Umsetzung der Musik zur Untermalung der Handlungen. In diesem Bereich machen die Verantwortlichen alles richtig. Die Klänge sind oftmals bedrückend und erzeugen somit eine gelungene Stimmung. Auf diese Weise verbessert man die Immersion.

Fazit

Erica bietet uns zwar eine kurze Geschichte, regt dank interessanter Entscheidungen aber zum mehrmaligen Spielen an. Die gelungene, musikalische Untermalung in Kombination mit einem soliden Spannungsbogen machen den interaktiven Thriller zu einer Abendbeschäftigung der etwas anderen Art. Man muss sich jedoch darauf einlassen, dass sich Erica nicht mit einem standardmäßigem Videospielen vergleichen lässt. Es ist etwas anderes und keineswegs perfekt. Bei einem Preis von 9,99 Euro kann diesen anderen Ansatz aber ohne Gewissensbisse ausprobieren.

Erica

7.6

Steuerung

7.0/10

Story

8.1/10

Umfang

7.3/10

Sound

8.4/10

Atmosphäre

7.3/10

Positiv

  • interessante Geschichte
  • ungewohnter Ansatz
  • solide, schauspielerische Leistung
  • viele Entscheidungsmöglichkeiten

Negativ

  • mangelhafte Controllersteuerung
  • kurze Spielzeit pro Durchlauf
  • Unvorhersehbare Handlungen

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Tipp: ein ähnliches Spiel ist Late Shift (zum PlayStation Store).

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