Wenn es nur noch ums Geld geht

Ihr könnt das Thema Lootboxen und Mikrotransaktionen in Verbindung mit “Star Wars Battlefront 2” nicht mehr hören? Das können wir nachvollziehen. Nichtsdestotrotz sehen wir uns als Redaktion in der Verantwortung, unsere Fans darüber aufzuklären, welche Dimensionen mittlerweile erreicht wurden. Es geht längst nicht mehr nur um Glücksspieldiskussionen. Es geht um die drohende Kommerzialisierung der Videospielindustrie.

Overwatch

Früher war alles besser. Diesen Satz könnte man nun anstellen, wenn es um das folgende Szenario geht. Man ging in ein Geschäft seiner Wahl, nahm sich das Videospiel, bezahlte und ging nach Hause. Es wurde installiert auf dem PC oder die Disc einfach in die Konsole geschoben. Schon konnte man starten und das Abenteuer genießen. Die monatlichen Kosten für sein Gaminghobby konnte man somit noch gut abschätzen. Man bezahlte für das, was auch drin war, nämlich die Spiele – CD, vollständig entwickelt. Ausnahmen haben aber schon damals die Regel bestätigt. Denkt nur an das Desaster um “Gothic 3”, welches mit enorm vielen Bugs verseucht gewesen ist.

Die digitale Revolution macht aber vor nichts und niemandem Halt und nimmt keine Rücksicht auf die “Aber” – Rufe. Videospiele basieren auf der modernen Technik des 21. Jahrhunderts. Da ist es nur allzu logisch, dass die technischen Entwicklungen auch sehr schnell Einhalt finden bei den Videospielen. Ein paar Beispiele gefällig? Man denke nur an die riesigen digitalen Downloads, welche standesgemäß nun getätigt werden müssen. Day – One – Patches werden diese Updates liebevoll genannt. Böse Zungen gehen von dem Szenario aus, dass die Entwickler das Spiel möglichst schnell veröffentlichen sollen. Der Publisher macht Druck. Somit reicht die Zeit nicht mehr, die letzten Details zu klären. Ein großer Patch kann da Abhilfe schaffen. Ironischerweise erscheint er teilweise, noch bevor überhaupt das eigentliche Videospiel im Handel sich befindet.

Nahezu jeder besitzt heute ein Smartphone. Könnte man meinen. Man könnte auch meinen, dass ein Internetanschluss mittlerweile eine selbstverständliche Sache ist. Auch das ist sie aber nicht. Als ich vor kurzem in einem größeren Kaufhof umherschlenderte, wurde auf einem der populären Bildschirme wieder einmal eine Statistikfrage gestellt. Wie viele Haushalte würden wohl über einen Internetanschluss verfügen? Weniger als 88 Prozent war die Antwort. Nach diesen Zahlen hat jeder Zehnte keinen Internetanschluss in seinem Haushalt. Leider ist eine stetige Internetverbindung aber notwendig, um Multiplayerinhalte nutzen zu können. Teilweise existieren sogar Zwänge, online zu sein, obwohl man sich im Singleplayermodus befindet.

Wenn nun das Videospiel vor mir liegt, auf legalem Wege brav eingekauft, dann gibt es heutzutage ein Problem. Immer öfter können virtuelle Güter nachgekauft werden. Dies nennt sich dann DLC oder Season Pass oder eben Mikrotransaktionen. Solche Methoden kann man verschmerzen, wenn es dabei nur um optische Verschönerungen geht. Ein Auge lässt sich auch noch zudrücken, wenn es ein DLC ist, den man extra kaufen muss. Allerdings nur solange das Hauptspiel nicht darunter leidet, siehe “Mittelerde Schatten des Krieges”. Wenn allerdings die eigentliche Spielerfahrung unter solchen Kaufangeboten darunter leidet, wenn man befürchten muss, dass beim Publisher nicht mehr der Spielspaß im Vordergrund steht, dann wird es kritisch. Mehr als nur kritisch. Eine Marke wird so sehr ausgeschlachtet, dass sie wie ein geschlachtetes Schwein voll ausgeblutet ist.

Ich persönlich sehe aus diesen Anlässen sehr, sehr düster in die Zukunft der Videospielindustrie. Die Kommerzialisierung hat schon längst Einhalt gefunden bei dem populären Volkssport in Deutschland schlechthin, Fußball. Quasi alle Branchen sind von dem Kapitalismus betroffen. Da wäre es doch etwas naiv, zu glauben, dass gerade die Videospielindustrie nicht davon betroffen sein wird. Wir können nur hoffen, dass es weiterhin solche Projekte wie “Hellblade Senua`s Sacrifice” oder “Horizon Zero Dawn” geben wird, welche klarstellen, dass man dem Spieler eine einzigartige Erfahrung bieten möchte. Und zwar ohne jeglichen Schnickschnack. Wer das Spiel gekauft hat, besitzt auch das Spiel als Ganzes.

Bei EAs “Star Wars Battlefront 2” sieht die Sache entschieden anders aus. Um populäre Figuren aus jenem Universum, wie Darth Vader oder Luke Skywalker, spielen zu können, bedarf es einiger Investition in das Videospiel. Sehr viel Zeit, die ein Normalsterblicher nicht hat, nur um eine virtuelle Figur schließlich steuern zu können. Die vielen harterarbeiteten Ingame – Credits wären sehr langsam nur angewachsen, bis man endlich die Dinge freischalten kann. Wer nicht bereit ist, all diesen Aufwand auf sich zu nehmen, für den bliebe nur die unangenehme Möglichkeit, das reale Geld in die Hand zu nehmen. Die Community hat diesem Vorgehen jedoch einen mehr als nur klaren Riegel vorgeschoben. Über EA zog sich ein Shitstorm, wie man ihn nur selten in der Videospielbranche erlebt. Als man seitens EA versuchte, eine Rechtfertigung für das Ganze abzugeben, wurde es nur schlimmer für den Publisher. Der Post wurde in alle Himmelsrichtungen der Galaxis zerfetzt und schließlich wurden die Mikrotransaktionen aus dem Spiel verbannt. Doch dies wird womöglich nicht für immer der Fall sein. Es ist geplant, die unbeliebte Praxis im weiteren Verlauf wieder einzubauen in abgeänderter Form, was auch immer das heißen mag.

“Star Wars Battlefront 2” steht nicht alleine da mit dieser unglücklichen Politik. “Need for Speed Payback” etwa weist das lächerliche Feature auf, dass man den eigenen Wagen nur nach dem Zufallsprinzip upgraden kann. Wenn man gerade nichts Interessantes bekommt nach dem Zufallsprinzip, dann heißt es Pech gehabt und weiter mühsam Strecke um Strecke fahren. “UFC 3” reiht sich ebenfalls in diese Kategorie der unbeliebten Geldpolitik ein. Aber schließlich muss es ja auch lange dauern, bis die ersehnten Fortschritte freigeschaltet sind. Wäre die Zeit nämlich zu knapp bemessen, wäre doch der Reiz, diese durch Geldinvestition zu umgehen, nicht mehr vorhanden. Echtgeldzahlungen, um im Spiel voranzukommen. Und dann auch noch nicht sicher sein können, dass sich unter der Lootbox der erhoffte Gegenstand befindet. Das klingt irgendwie traurig. Traurig nach Kommerzialisierung.

Was ist dann mit dem Wettbewerbsgedanken? Jener ist nämlich sehr schnell verflogen. Auf der einen Seite haben wir den Profispieler, welcher sich strikt weigert, Echtgeld in die Hand zu nehmen. Stattdessen findet er sich damit ab, dass er hart trainieren muss, nicht nur um besser zu werden, sondern auch die notwendigen Upgrades zu ergattern. Und dann haben wir auf der anderen Seite den Laien, den Anfänger. Er ist bereit, sich selbst einen Karriereschub zu verpassen und sorgt somit gleich zu Beginn, dass sein Charakter unheimlich stark ist. Somit wird aus einem Anfänger, der das Spiel noch sehr wenig beherrscht, ein womöglich unüberwindbarer Gegner für gestandene Profis.

Im FreetoPlay – Bereich und in Verbindung mit Smartphones klappt dieses System bereits sehr gut. Das Basisspiel an sich ist kostenlos, aber diverse Extras können nur ergattert werden, wenn der Spieler sich zur Kasse bitten lässt. Bei solch kleinen Preisen für Smartphonespiele kann das noch nachvollzogen werden vielleicht. Doch bezahlt man nicht für einen Vollpreistitel seine 50 bis 60 Euro? Kann man da nicht mehr erwarten, dass man dann auch ein fertiges Spiel in den Händen hält? Anscheinend nicht. Vermutlich ist diese Entwicklung aber unvermeidlich und unumkehrbar. Die Frage ist nur, wie wir uns entscheiden werden. Kaufen wir auch diese Videospiele und geben uns damit ab, dass wir damit indirekt dieses System unterstützen? Oder hält der eiserne Star Wars – Fan an seinen Prinzipien fest und entscheidet sich (vorerst) gegen “Star Wars Battlefront 2”? Die Entscheidung liegt bei uns. Und damit auch die Zukunft der Videospiele.


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25 thoughts on “Wenn es nur noch ums Geld geht”

  1. Interessanter Artikel, der meiner Meinung nach die Entwicklung ganz gut zeigt. Daniel Focke das Spiel wurde anfangs “zurecht” gehyped, da die Versprechungen seitens EA auf das hoffen ließen, was Teil 1 nicht umsetzen konnte. Es konnte niemand ahnen, dass feste Playlisten, wenig Modi und vor allem das katastrophale PaytoWin System den Titel dominieren würden. Daher ist die jetzt herrschende Kritik und Enttäuschung gegenüber der anfänglichen Euphorie mehr als nachvollziebar. Man sollte vllt nicht immer schwarz/weiß bzw. das Vorher/Nachher betrachten, sondern den gesamten Verlauf!

  2. Ihr schreibt zwar das Mikrotr. eingestellt worden sei aber soll wohl wieder kommen in anderer Form… Um wieder den gleichen Shitstorm sich entgegen zu stellen? WENN glaub ich eher das eine kostenlose Erweiterung kommt bezogen auf Charakterkosmetik welches ein Mix aus Kristalle (Echtgeld) und Credits bestehen wird… Und das ist völlig ok…

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