Fallout 76 – Spielplatz oder Sperrgebiet? (Review)

Seit dem 14. November 2018  hat sich der Vault 76 endlich für die gesamte Spielerschaft geöffnet. Fallout 76 ist dabei nicht der gewohnte klassische Singleplayer, sondern setzt erstmals auf eine serverbasierte Multiplayer-Erfahrung.

 

Nur wenige Spiele wurden im Vorfeld ihrer Veröffentlichung so heiß diskutiert wie das neu erschienene Fallout 76 aus dem Hause Bethesda. Erstmals streifen wir nicht alleine durch die apokalyptischen Gebiete, sondern tummeln uns mit anderen, echten Spielern zwischen den zerbombten Ruinen. Dieser Umstand spaltete die Community bereits weit vor dem Release. Während die einen den neuen Koop-Ansatz feiern, sehen andere die Atmosphäre und damit das Spielgefühl in Gefahr. Die im Vorfeld gestarteten BETA-Phasen, in denen der komplette Spielinhalt getestet werden konnte, heizte die sowieso schon lebhafte Debatte noch weiter an. Ob Fallout 76 sich wie ein „echtes“ Fallout anfühlt oder doch eher als Sperrzone, erfahrt ihr in unserer Review.

Willkommen in Appalachia

Nach dem Ödland der Hauptstadt (Washington D.C.), New Vegas (Las Vegas) und dem Commonwealth (Boston) verschlägt es uns in Fallout 76  diesmal nach Appalachia (West Virginia). Wir befinden uns zu Beginn aber nicht in irgendeiner x-beliebigen Vault. Nein. Der Vault 76 ist der Erste, der sich nach dem Fall der Bomben öffnete, um die Zivilisation an der Oberfläche wieder aufzubauen. Wir starten also am feierlich inszenierten „Rückeroberungstag“ in unserem Zimmer. Musik erklingt, eine Durchsage stimmt uns auf die bevorstehenden Abenteuer der Rückeroberung ein und wir beginnen unseren Charakter zu gestalten. Dabei ist das Menü praktisch direkt aus dem Vorgänger Fallout 4 übernommen und fällt damit sehr umfangreich aus.

Nachdem wir in den wieder recht hakeligen Menüs unseren Charakter nach Belieben erstellt haben, beginnt unser Weg zum Ausgang der Vault. Neben zahlreichen Mr. Handy Robotern, die uns mit teilweise lustigen Sprüchen den Weg zum Ausgang weisen, finden wir im Büro der Aufseherin ein Holoband, das von der Aufseherin selbst stammt. Sie erzählt von ihrer Mission, die sie an der Oberfläche auszuführen hat. Und genau hiermit startet nicht nur die Hauptquest des Spiels, sondern auch die Art und Weise, wie Geschichten in Fallout 76 zu einem überwiegenden Teil erzählt werden: über Holobänder. Die Geschichte um die Aufseherin dient zwar als Hauptstory, ist aber nach unserer Meinung eher als eine Art Leitfaden durch die Spielwelt anzusehen. Generell werden die Geschichten in Fallout 76 ausschließlich über Holobänder, Computerterminals oder Robotereinheiten erzählt. Warum das so ist? Ein Blick auf die Gameplaymechanik wird es uns verraten.

Das Gameplay – Von Holobändern über PvP zum Survival-Abenteuer

Fallout 76 ist das erste Fallout, welches die Spielerfahrung nicht als Singleplayer, sondern als Multiplayer bereitstellt. Ihr seid also auf einem Server mit bis zu 24 anderen Spielern unterwegs, die euch auch auf der Karte als gelbliche Punkte angezeigt werden. Ihr könnt also alleine oder mit Freunden (bis zu 4 Personen in einer Gruppe) die apokalyptische Welt von Fallout  erkunden. Andere Spieler werden auch die einzigen menschlichen Kontakte sein, die ihr in Fallout 76 zu Gesicht bekommen werdet, denn Bethesda verzichtet komplett auf die Implementierung von NPC-Charakteren. Die Personen und Geschichten, die wir über zig Holobänder in der Welt kennenlernen und erfahren, sind also unsere Questgeber, die aber allesamt bereits tot sind. Hören wir  also beispielsweise ein Holoband einer Responderin (eine Gruppierung, die zum Fall der Bomben noch an der Oberfläche blieb), dass der örtliche Flughafen schnellstens Unterstützung bei Feuergefechten gegen Verbrannte (Guhlartige Wesen) braucht, wissen wir bereits, dass diese Responderin nicht mehr am Leben ist und dieser Flughafen mit ziemlicher Sicherheit überrannt wurde.

Schwäche von Fallout 76

Hier zeigt sich die erste große Schwäche von Fallout 76. Die Holobänder sind allesamt sehr gut vertont und erzählen auch einige wirklich interessante Geschichten, jedoch ist durch das tatsächliche Fehlen des dazugehörigen NPCs für die Quest Gestaltung sehr nachteilig. Während wir uns beispielsweise in Fallout 4 verschiedenen Fraktionen anschließen , Entscheidungen innerhalb von Quests treffen konnten und vor allem skurrile Charaktere gepaart mit teilweise sehr schwarzem Humor kennenlernen durften, fallen diese Stärken der Vorgänger komplett Weg. Wir befinden uns also was das Sortytelling angeht in einem Zug auf seinen Gleisen:  Höre Holoband, Reise zu Ort A und erkunde was passiert ist, finde ein neues Holoband – Quest Abgeschlossen – , reise zum Ort aus dem neuen Holoband und erkunde was passiert ist… . Dadurch wirken die Quests extrem monoton und austauschbar und werden nach ein paar Stunden Spielzeit praktisch völlig belanglos. Dass die Hauptstorys in den Vorgängern auch eher nur durchschnittliche Qualität aufwiesen sei an dieser Stelle ebenso berücksichtigt. Dennoch konnten wir durch die Präsenz von NPCs und den damit verbundenen Entscheidungsfreiheiten deutlich mehr auf die Geschichte des Spiels einlassen und Einfluss nehmen. Somit ging für uns ein großer Teil der „Fallout-Atmosphäre“ verloren. Schade!

Einschub: Wieso die Entscheidung auf NPCs zu verzichten?

Bethesda hat sich ganz bewusst dazu entschieden, keine NPCs (außer Roboter) in Fallout 76 einzuführen. Da der Vault 76 der erste Atombunker war, der seine Tore für die Außenwelt öffnete, ist nach Ansicht der Entwickler die Zivilisation an der Oberfläche praktisch komplett ausgelöscht. Durch das Fehlen (menschlicher) NPCs sollte dieser Grundgedanke konsequent umgesetzt werden. Außerdem sollte damit der Multiplayer noch deutlicher hervorgehoben werden. Denn jeder menschlicher Spieler ist ebenfalls aus dem Vault gekommen und stellt damit die verbliebene Zivilisation dar. Somit sollten die echten Spieler auf den Servern die NPCs „ersetzen“

HILFE! xXxRaz0R1995xXx schießt auf mich!

In Zusammenhang mit anderen menschlichen Spielern spielt die Interaktion untereinander eine weitere Rolle. Treffen wir beim Erkunden auf einen oder mehrere Weggefährten, haben wir unterschiedliche Möglichkeiten zu reagieren. Durch die neu eingeführten  Emojis können wir unserem gegenüber lustige Bildchen und Gesten um die Ohren werfen, Gegenstände tauschen oder unser Jagdgewehr ziehen und das Feuer eröffnen. Ja, Fallout 76 bietet PvP-Auseinandersetzungen. Diese werden aktiviert, wenn ein Spieler auf einen anderen schießt und dieser das Feuer erwidert. Sollte der angeschossene Spieler nicht reagieren, bleibt die PvP-Mechanik deaktiviert.

Gerade die Möglichkeit auf PvP sorgte für den größten Aufschrei in der Community.  Viele waren besorgt zum PvP gezwungen und permanent von höherleveligen Mitspielern verfolgt und ausgelöscht zu werden. Durch die gewählte Mechanik wollte Bethesda diese Ängste jedoch auflösen. Auch sogenannten „Griefern“ (Spieler, die andere gezielt verfolgen und den Spielspaß zerstören) soll durch ein Bestrafungssystem ein Riegel vorgeschoben werden. Außerdem ist ein Treffen mit anderen Spielern zu Beginn des Spiels zwar recht häufig, im späteren Verlauf aber eher weniger. Wir hatten in unserer Testsession bislang keine Probleme der PvP-Mechanik aus dem Weg zu gehen.

Mehr Survival und Basenbau

Weiter setzt Fallout 76 verstärkt auf Mechaniken aus dem Survival Genre. So müssen wir in regelmäßigen Abständen essen und trinken, ansonsten drohen Einbußen durch Reduzierung unserer Lebens- oder Aktionspunkte. Auch das schlafen bringt wie auch schon in den Vorgängern einen Vorteil in Form von höheren Erfahrungsgewinnen und langsamen auffüllen des Lebensbalkens. Doch Vorsicht! Nicht überall sollte geschlafen werden!  Auf dreckigen Matratzen oder Schlafsäcken können wir uns Krankheiten einfangen, die wir nur mit speziellen Heilmitteln wieder loswerden.

Auch der Basenbau hat wieder seinen Weg in Fallout 76 gefunden. Diesmal können wir sogar nicht nur an fest vorgegebenen Orten bauen, sondern haben einen Projektor namens C.A.M.P. dabei, der es uns erlaubt, an jedem beliebigen Ort in der Spielwelt unser Lager aufzuschlagen. Somit sind der Kreativität bei der Ortswahl eures Domizils keine Grenzen gesetzt.

Der restliche Inhalt des Spiels besteht aus denselben wie auch schon in Fallout 4 oder älteren teilen bekannten Abläufen. Wir erkunden die wirklich riesige Karte von Appalachia, looten jede erdenkliche Kiste, bauen an unserem Lager und erledigen eine Vielzahl (neuer) Monster. Die Map ist laut Entwicklern nochmals vier Mal größer als in Fallout 4, was aber nicht unbedingt auch vier Mal besser bedeutet. Es gibt zwar viele interessante Orte, eine kleineres Maplayout hätte aber deren Dichte nochmals erhöht. Somit spielst sich Fallout 76 eher wie eine (gute) Fallout 4 Mod und wirkt nicht wie ein eigenständiges Spiel. Wer also in Fallout 4 ebenfalls die Questreihen eher als Beiwerk gesehen und lieber viel erkundet hat, wird auch in Fallout 76 glücklich werden. Wenn einem nicht die Technik einen Strich durch die Rechnung macht.

Die Technik – Eher apokalyptisch als fantastisch!

Neben den fehlenden NPCs und der eher rudimentär eingeführten PvP- Mechanik ist das technische Grundgerüst eine zentrale Schwäche von Fallout 76. Bethesda setzt wieder einmal auf die Creation Engine, die mittlerweile einige Jahre auf dem Buckel hat. Und genau das merkt man praktisch überall.

Das Art-Design von Appalachia ist hier dennoch als sehr positiv hervorzuheben. Bethesda hat wieder einmal eine schöne Welt geschaffen, die zum Erkunden einlädt. Besonders die Beleuchtungseffekte, beispielsweise wenn wir bei Sonnenuntergang durch die Wälder streifen und einzelne Sonnenstrahlen durch die Baumkronen blitzen sieht mitunter wirklich malerisch aus. Außerdem ist das Abbild West Virginias mit unzähligen interessanten Orten übersät, die praktisch jedes Mal schöne Schauplätze mit gutem Loot vereinen. Auch die wieder einmal sehr gute musikalische Untermalung trägt einen positiven Effekt zum Spielgeschehen bei. Dennoch konnten wir die Landschaft nur selten richtig genießen.

Schon in der BETA zeigten sich erhebliche Schwächen. Matschige, flimmernde oder gar komplett fehlende Texturen, fehlerhafte Beleuchtungen vor allem in Innenräumen, Gegner, die im Boden feststeckten oder sich nicht bewegten, Loot der sich nicht einsammeln lässt  oder oder oder.

Die Liste an Bugs könnte fast unendlich weitergeführt werden. Trotz eines massiven Day-One-Patches von über 40GB (!) sind diese Probleme etwas reduzierter, aber dennoch viel zu häufig präsent und stören den Spielfluss entscheidend. Dazu gesellen sich selbst auf der PlayStation 4 Pro massive Einbrüche der Bildwiederholrate. Regelmäßiges Ruckeln oder gar sekundenlange Standbilder gehören zum Alltag in West Virginia. Bei einem Vollpreistitel ist das unserer Meinung nach so nicht hinnehmbar! Einzig positiv lässt sich hier die Verbindung zu den Servern erwähnen. Wir hatten bis jetzt praktisch keine Verbindungsabbrüche oder Desynchronisationen. Dennoch ist Fallout 76 aus technischer Sicht momentan weiterhin eher eine BETA als ein vollwertiges Spiel.

Fazit – Appalachia kann warten!

Fallout 76 war schon vor Beginn ein hitzig diskutierter Titel und konnte die negativ Stimmen auch nach dem Release leider nicht verstummen lassen. Im Gegenteil, Fallout 76 machte in unserem Test leider keine gute Figur. Die fehlenden NPCs und das Storytelling über Holobänder konnten uns nur selten das „Fallout Feeling“ vermitteln. Auch der Multiplayer konnte uns nur bedingt überzeugen. Klar macht es Spaß das Ödland auch mit Freunden zu erkunden. Jedoch stört es die Immersion erheblich, wenn wir auf unseren Streifzügen xXxHoneyBunny69xXx begegnen, die uns mit Herz-Emojis hinterherläuft.

Dazu gesellt sich die teilweise desolate technische Qualität des Titels. Appalachia an sich ist schön gestaltet und kann auch in einigen Momenten mit der richtigen Lichtstimmung kurzzeitig überzeugen. Auch die vielen interessanten Orte laden zum Erkunden ein. Doch die zahllosen Bugs und vor allem die äußerst mangelhafte Performance stören den Spielfluss unserer Meinung nach so massiv, dass wir momentan eher dazu raten, Appalachia noch etwas warten zu lassen, bis der Preis des Titels deutlich gefallen und die Qualität verbessert ist. Fallout 76 ist ein interessantes Projekt, auf dessen zukünftige Entwicklung wir gespannt schauen. Doch momentan ist West Virginia eher eine Sperrzone und kein Spielplatz.

Fallout 76 ist seit dem 14. November 2018 für die PlayStation 4, Xbox One und den PC erhältlich.

5.1

Grafik

4.0/10

Atmosphäre

5.0/10

Gameplay

5.0/10

Umfang

6.0/10

Sound

7.0/10

Story

3.5/10

Positiv

  • schön gestaltete Welt
  • gute musikalische Untermalung
  • viel zu erkunden

Negativ

  • angestaubte Grafik
  • unzählige Bugs
  • belanglose/langweilige Story
  • starke Ruckler
  • überflüssiges PvP
  • fehlende Atmosphäre

 

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Beschreibung des Herstellers

Bethesda Game Studios, die preisgekrönten Entwickler von Skyrim und Fallout 4, heißen Sie zu Fallout 76 willkommen. Bei diesem Online-Prequel ist jeder menschliche Überlebende ein Spieler, mit dem Sie zusammenarbeiten können – oder auch nicht –, um zu überleben. Denn die bislang größte, dynamischste Welt im Fallout-Universum sieht sich der nuklearen Auslöschung gegenüber.

Rückeroberungstag. Wir schreiben das Jahr 2102. 25 Jahre, nachdem die Bomben abgeworfen wurden, steigen Sie aus Ihrem Vault und erblicken zum ersten Mal das postnukleare Amerika. Ausgewählt als Beste und Klügste dieses Landes obliegt es Ihnen – alleine oder zusammen –, das Ödland zu erkunden, zu durchforsten, wieder aufzubauen und gegen die größten Bedrohungen zu verteidigen.

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3 thoughts on “Fallout 76 – Spielplatz oder Sperrgebiet? (Review)”

  1. Danke für diesen sehr guten uns ausführlichen Testbericht! Ich war kurz davor es mir einfach mal so in’s Balue hinein zu kaufen und bin froh dies nicht getan zu haben. Ich denke das Spiel braucht jetzt erstmal ein bisschen Zeit zu wachens und sich verbessern zu lassen! Dann kann man ja mal wieder einen Blick darauf werfen!

  2. Also mal ganz im ernst ey was soll diese scheiße ich habe 70€ gezahlt damit ich 2 stunden beta zocken konnte (an manchen tagen auch mehr) und dann kamm montag schon ein update 40gb (wo so nebenbei nicht die kisten größe erweiter wurde neeeeein es wurde 1 quest gefixt wo 1 billiger fehler war den man hätte auch in der beta patchen können) und jetzt kommt es sogar noch krasser 😁 durch einen bug hab ich gestern meine ganze Munition verloren und ich bin lvl 62 und da hat man SEHR VIEL davon und dann will mann mal seine zeit damit nutzen die fehlende Munition zu craften aber warte mal? Wo ist den mein camp hin? Ach warte mal zum 3 mal weg geglitcht ! Also bethesda ich liebe eure spiele und zwar jedes ( beispiele ESO, fallout, elder scrolls, DOOM) . Also bitte wenn einer von den Mitarbeitern das sieht . Ich Spiele Fallout 76 jedentag ich sehe bugs ich sehe glitchs ich sehe dinge die besser/schlechter sein sollten also bitte! Bitte bitte bitte meldet euch bei : salamri1975@gmail.com

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