Death Stranding – Ein atmosphärischer Botengang (Review)

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Entwickler Hideo Kojima möchte mit seinem aktuellen Werk etwas neues schaffen. Nach all den kryptischen Videos und Hinweisen ist Death Stranding nun endlich erschienen und wir können uns selbst ein Bild darüber machen.

Ob Death Straning nun wirklich so anders und frisch ist als behauptet oder doch schnell Langeweile aufkommt, wollen wir in unserer Review klären.

Make America Whole again

Der gestrandete Tot ist über Amerika gekommen und hat die Welt der Lebenden mit der Welt der Toten verbunden. Dabei wurde das komplette Land gespalten und die Menschen leben nun in vereinzelten abgeschotteten Bunkeranlagen. Kaum jemand geht mehr an die Oberfläche, da dort allerlei Gefahren lauern. Neben geisterhaften und unsichtbaren Wesen, die GD´s (Gestrandete Dinge), fällt auch ein tödlicher Regen. Denn der Zeitregen wie er in Death Straning genannt wird, lässt alles rasend schnell altern. Sogar Straßen und Gebäude verfallen so in Windeseile. Um die Menschen mit allem zu versorgen was sie brauchen, werden Boten ausgeschickt um die nötigen Waren zu verteilen. Zu diesen Boten gehört auch unser Hauptcharakter Sam Porter Bridges. Wie von Kojima gewohnt werden die Zwischensequenzen filmisch inszeniert und sehr ausladend erzählt. Der Plot an sich ist spannend und gibt sich weniger kryptisch als erwartet. Im Gegensatz sogar, denn es werden Zusätzlich zu den Filmchen, E-Mails und Interviews in Schriftform geboten um vieles zu erklären. Death Stranding besticht mit einer frischen, facettenreichen, vielschichtigen und tiefgründigen Geschichte über Tod, Leben und die Gesellschaft. Damit gehört die Story zu einem der Highlights von Kojimas neustem Werk und motiviert zum weiterspielen. Die Welt selbst ist keine zusammenhängende Open World, sondern in große einzelne Gebiete unterteilt. Diese sind jedoch groß genug um eine Immersion zu erschaffen und fühlen sich dabei organisch an.

The Walking Bridge

Sam wird von seiner Mutter, der Präsidentin der USA, beauftragt die einzelnen Städte wieder zu verbinden und sozusagen Brücken zu bilden. Dafür bekommt er den Q-Pid, mit dem er die einzelnen Stellen ins chirale Netzwerk integrieren kann. Hier kommen wir auch zur eigentlichen Tätigkeit, die wir im Spiel erledigen, nämlich Waren ausliefern. Denn Sam ist kein Actionheld wie etwa Solid Snake aus Metal Gear Solid, sondern nur ein gewöhnlicher Bote. Ok er hat übersinnliche Kräfte mit denen er die GD´s spüren kann, wenn diese in der Nähe sind. Trotzdem laufen wir die meiste Zeit mit Paketen beladen von A nach B um die benötigten Waren auszuliefern. Das klingt jetzt langweiliger als es in Wirklichkeit ist, kann mit der Zeit aber etwas repetitiv werden. Das Bewegen durch die Welt ist in Death Stranding jedoch etwas anders als in anderen offenen Welten und mach viel Spaß. Wir müssen nämlich die Umgebung, den Untergrund und das Gewicht mit ein berechnen, sowie die Pakete logisch anordnen, so dass der Schwerpunkt stimmt. Ansonsten fällt Sam sofort um oder lässt sich schwer steuern. Durch einen Scanner können wir uns Oberflächenstrukturen anzeigen lassen. So wissen wir wo es sicher ist und wo wir lieber einen Bogen herum machen. Denn auf rutschigen Oberflächen kann Sam das Gleichgewicht verlieren und in zu tiefem Wasser von der Strömung mitgerissen werden. Das ist deswegen sehr unpraktisch, da bei einem Sturz oder einem Verlust der Ware, diese beschädigt werden kann und das wollen wir ja nicht. Um das zu verhindern müssen wir also immer das Gleichgewicht im Auge behalten und mit L2 und R2 dieses wenn nötig ausgleichen. Drücken wir beide gleichzeitig, hält Sam konstant die Balance, bewegt sich jedoch langsamer fort. Später erhalten wir auch Zugriff auf Fahrzeuge. Diese Elemente zusammen sind komplex und verlangen etwas Vorausplanung, bleiben aber die ganze Zeit spannend.

Von GD´s und MULEs

Eine weitere Gefahr in der Welt von Death Stranding sind die GD´s. Denn diese sind unsichtbar und können nur durch unser BB (Bridge Baby) geortet werden. Diese Babys wurden ihrer hirntoten Mutter entnommen und in spezielle Behälter gepackt. Ja Death Stranding ist schräg aber das macht es irgendwie frisch und sympathisch. Ortet unser BB also die GD´s schlägt ein Gerät an Sams Schulter aus und zeigt in die Richtung der unsichtbaren Wesen. Somit suchen wir uns einen Weg ohne erwischt zu werden. Außerdem fällt in diesen Gebieten Zeitregen der die Behälter unserer Waren angreift. Also sollten wir uns dort nicht zu viel Zeit lassen. Diese Schleichpassagen sind spannend und bringen Abwechslung in den Lieferalltag. Des Weiteren sollten wir uns auf dem Weg zum Ziel vor den MULEs fernhalten. Diese Liefersüchtigen Boten haben ihren Bereich mit Scannern abgesteckt, die unsere Paketetiketten orten können. Damit wissen sie wo wir sind und verfolgen uns dann. Sam kann sich aber in hohem Gras verstecken oder die Beine in die Hand nehmen. Wir sollten beim verstecken nur darauf achten, dass wir die Pakete nicht zu hoch gestapelt haben, da wir sonst leicht entdeckt werden.

Mit Blut, Fäkalien und Gewehren

Sowohl mit den GD´s als auch mit den MULEs kann es zu Gefechten kommen wenn wir zu unachtsam waren oder das Spiel es so will. MULEs lassen sich dabei mit Faustschlägen außer Gefecht setzten. Außerdem ist es möglich ihnen Pakete um die Ohren zu hauen, was zwar die Ware zerstört aber um einiges effektiver ist als die blanke Faust. Die GD´s müssen anders angegangen werden. Denn diese reagieren nur auf die Körperflüssigkeiten von Sam allergisch. In unserem Privatraum lassen sich durch duschen oder einen Toilettengang spezielle Granaten herstellen, die die GD´s ablenken. Effektiver sind aber die Granaten aus Sams Blut, denn diese können die unsichtbaren Wesen vernichten. Wird Sam trotzdem geschnappt und in eine teerartige Flüssigkeit gezogen, können wir versuchen diesem Griff zu entkommen. Schaffen wir das nicht kommt es zu einem Bosskampf. Für so einen Fall sollten wir genug Blutgranaten dabei haben sonst sehen wir alt aus und versagen. Diese Bosskämpfe sind der komplette Kontrast zum eigentlichen Pakete ausliefern und sind schön inszeniert. Außerdem fallen diese etwas herausfordernder aus, als die gegen die MULEs. Schwer sind die Kämpfe jedoch nie und gegen die Plünderer sogar hin und wieder zu leicht. Hier merkt man deutliche Schwächen in der KI der menschlichen Widersacher. Im Späteren Spielverlauf erhält Sam natürlich auch Waffen, jedoch wird Death Stranding dadurch nie zu einem Shooter und bleibt seinem Gerne-Mix treu.

I Like

Hat Sam endlich sein Ziel erreicht, gilt es die Waren am Abladeort abzugeben. Hier wird nicht nur die Qualität der Ware sondern auch die Schnelligkeit und der gelaufene Weg bewertet. Um so besser wir sind, um so mehr Likes bekommen wir dafür. Diese Likes sind in Death Stranding unsere Erfahrungspunkte und schalten mit höherer Stufe immer mehr Hilfsmittel und Waffen frei. Dieses System ist ungemein Motivierend, da jeder Fortschritt wirklich nützlich ist. Hier kommt auch die geniale Online-Komponente ins Spiel. Wir empfehlen auf jeden Fall den Online-Modus anzuschalten, da nur so das komplette Potential ausgeschöpft wird. Wir treffen zwar nie einen Spieler direkt, können aber Hinweise hinterlassen, wie etwa in Dark Souls mit einem Icon. Außerdem ist es möglich Konstruktionen zu bauen und diese gemeinsam zu verbessern. So kann es sein, dass wir nach einer längeren Zeit in ein Gebiet zurückkehren und die komplette Region verändert ist, da nun Straßen von anderen Spielern gebaut wurden. Hier ist das Verbinden und Wiederaufbauen, das Death Stranding die ganze Zeit predigt wirklich wörtlich gemeint. Es fühlt sich einfach gut an miteinander etwas aufzubauen und es macht Spaß so mit anderen Spielern zu interagieren da jeder einen Vorteil daraus zieht. Außerdem tut ein Lob immer gut.

Atmosphäre zum schneiden

Wenn Kojima was kann ist es seine Spiele filmisch zu inszenieren. Auch Death Stranding wartet mit einer bombastischen Inszenierung auf und die mitwirkenden Schauspieler tragen einen großen Teil dazu bei. Die Animationen und die Mimik sind täuschend echt und der allgemeine technische und grafische Eindruck ist einfach umwerfend. Hier gibt es keinerlei Kritikpunkte und Death Stranding gehört in diesem Bereich zum besten seiner Art. Außerdem hat es schon lange nicht mehr so Spaß gemacht durch eine offene Welt zu laufen, da die Atmosphäre der post-apokalyptischen Welt so gut gelungen ist. In so einem Setting sind grüne saftige Wiesen einfach Mangelware und das Gefühl der Einsamkeit wird hier sehr gut erzeugt. Setzt dann noch ein Musikstück ein, dass die Situation passend untermalt ist alles perfekt. Des Weiteren ist Death Stranding komplett deutsch vertont und sogar Norman Reedus Synchronsprecher Tommy Morgenstern ist mit von der Partie. Alle anderen Sprecher machen aber auch einen sehr guten Job und passen zu ihren Charakteren. Würde man bei den Zwischensequenzen nicht wissen das man ein Spiel spielt, könnte Death Stranding hier auch ein Spielfilm sein.

Fazit

Mit Death Stranding hat Kojima ein herausragendes Spiel geschaffen. Es ist jedoch nicht für jeden geeignet und uneingeschränkt empfehlenswert. Außerdem wird hier kein neues Genre begründet. Die Elemente die geboten werden funktionieren jedoch fast ausnahmslos super und machen Spaß. Man muss sich trotzdem auf das Spiel einlassen und auch die Wiederholung nicht scheuen, denn man läuft im Grunde nur von A nach B und das kann mit der Zeit eventuell öde werden. Auch sind die Kämpfe etwas anspruchslos geworden was etwas die Spannung nimmt.

Jedoch motiviert Death Stranding durch das Belohnungssystem und die Onlinekomponente so enorm, dass man immer weiter spielen möchte. Außerdem ist Death Stranding ein Atmosphären-Brett. Nicht nur die wunderschöne Landschaft, sondern auch die gut gespielten und inszenierten Zwischensequenzen sind eine wahre Freude. Grafisch und technisch gibt es des weiteren auch nichts zu meckern. Death Stranding ist also ein sehr gutes Spiel aber kein perfektes. Somit ist es für die Spieler etwas, die mal was anderes möchten als den üblichen Open World-Brei.

 

9.2

STEUERUNG

9.5/10

SOUND

9.2/10

GRAFIK

9.2/10

ATMOSPHÄRE

9.2/10

STORY

9.0/10

GAMEPLAY

9.0/10

Positiv

  • Grandiose Atmosphäre
  • Atemberaubende Grafik
  • Gelungenes Bewegungssystem
  • Filmreife Inszenierung
  • Abgefahrerens Design

Negativ

  • Repetetives Missionsdesign
  • Etwas zu einfach
  • KI Schwächen

 

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4 thoughts on “Death Stranding – Ein atmosphärischer Botengang (Review)

  1. Zieht sich wie Kaugummi und naja, die Story wäre vielleicht in einem Film besser rüber gekommen. Bin froh, wenn ich es Platin habe. Dann kommt es auch sofort wieder weg 🙂

  2. Ich persönlich für mich finde, dass es ein Meisterwerk seiner Klasse ist. Klar ist es manchmal echt langweilig weil du das selbe machst, aber die Atmosphäre und das was da an Landschaft entstanden ist + Story ist mehr wie ein plumpes Spiel. Andere Entwickler sollten sich da ne Scheibe abschneiden. Ist wie gesagt meine Meinung. Ich feier Hideo Kojima für seine brillanten Ideen.

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