Crossplay soll zum Standard werden – Eine nicht durchdachte Forderung!

Seit Jahren diskutiert die Videospielwelt über Crossplay, mit dessen Hilfe die Spieler der gängigen Plattformen miteinander in die virtuellen Welten eintauchen können. Immer wieder werden Forderungen laut, endlich dieses Feature im großen Umfang einzuführen. Doch brauchen wir das wirklich?

Crossplay soll zum Standard werden – Eine nicht durchdachte Forderung!

Ich erinnere mich noch sehr gut an eine Zeit vor einigen Jahren. Damals habe ich mich regelmäßig mit meinen Freunden über kommende Videospiele ausgetauscht und munter darüber philosophiert, ob sich ein Kauf lohnt oder nicht. Von Crossplay war nie die Rede. Es war für uns einfach nicht wichtig – und das obwohl wir auf unterschiedlichen Plattformen unterwegs waren. Nach und nach rückte dieses potenzielle Feature in den Vordergrund bzw. es wurde immer präsenter in den Medien und auf einmal redeten auch wir darüber. Der Gedanke, gemeinsam spielen zu können, obwohl man auf unterschiedlichen Plattformen unterwegs war, wurde immer spannender. Letztendlich war es aber nur ein Wunsch, dessen Chance, wirklich realisiert zu werden, äußerst gering war.

Wochen, Monate, Jahre vergingen und wir philosophierten weiter über brandneue Videospiele. Im Vergleich zu damals gab es aber einen entscheidenden Unterschied. Crossplay war mittlerweile keine bloße Formulierung von irgendwelchen Entwicklern oder Redakteuren. Es wurde real, weil es schlichtweg interessante Beispiele gab, wo ein gemeinsames Spielen halbwegs problemlos funktionierte. Hätte man mich zum damaligen Zeitpunkt gefragt, ob ich mir ein derartiges Feature wünschen würde, hätte ich sofort mit einem Ja geantwortet. Zurückblickend durchaus amüsant. Immerhin hatte ich Crossplay nicht aktiv genutzt, sondern lediglich als Redakteur darüber berichtet. Es war also schlichtweg nur Theorie, die Praxis fehlte völlig.

Epic Games ermöglicht handfeste Eindrücke

Wirklich geändert hat sich dieser Zustand mit Paragon von Epic Games, das hierzulande inzwischen eingestellt wurde. Es war das erste Spiel, das ich regelmäßig mit einem Freund gespielt haben, der im Gegensatz zu mir nicht die PlayStation 4, sondern einen PC nutzte. Im Großen und Ganzen funktionierte dieses Zusammenspiel recht gut, obwohl es einige Nachteile gab. Unmittelbar danach ging dieses Abenteuer mit Fortnite weiter. Damals noch mit dem klassischen Fortnite, heute allerdings vorrangig mit dem Battle Royale Modus. Folglich ist die vor geraumer Zeit noch fehlende Praxis nun vorhanden und ich glaube, ich kann mittlerweile eine realistische Einschätzung zum Thema geben.

Eins vorweg: mir gefällt Crossplay. Es ist super, mit einem Freund auf dem PC spielen zu können. Nichtsdestotrotz bin ich der Ansicht, dass wir dieses Feature nicht unbedingt brauchen. Es sollte nicht zum Standard werden und in jedem Videospiel mit einem Multiplayer vorhanden sein. Das liegt daran, dass es einige Nachteile gibt, die in aktuellen Diskussionen oftmals vernachlässigt werden. Ich habe das Gefühl, lediglich Forderungen zu lesen und zu hören, laut denen man unbedingt Crossplay einführen müsse. Hinzu kommt oftmals eine Kritik an Sony, dessen Verantwortlichen sich bekanntermaßen sträuben, ein Plattform-übergreifendes Spielen einzuführen. Problematisch ist, dass diese Kritik aber sehr häufig äußerst einseitig ist.

Diskussion Crossplay – Warum Sony zu Unrecht zum Sündenbock gemacht wird

Man redet immer davon, man würde die Zahl an Spieler innerhalb der Spielersuche erhöhen, die Wartezeiten dadurch senken und mit ein bisschen Glück, Videospiele länger am Leben halten können. Diesen Standpunkt teile ich selbst auch. Ob Crossplay allerdings den sogenannten Konsolenkrieg beenden kann, halte ich für fraglich. Schließlich würde man in vielen Foren lesen, dass eine Plattform die beste sei, weil die erfolgreichsten Spieler eines Videospiels auf dieser einen bestimmten Plattform spielen. Crossplay würde einen viel besseren Vergleich ermöglichen und die stellenweise sinnlosen Diskussionen eher anfachen, als im Keim zu ersticken. Diese Thematik zähle ich selbst aber nicht zu den markanten Nachteilen von Crossplay. Aus diesem Grunde würde ich diese Diskussion nicht weiter vertiefen.

Crossplay soll zum Standard werden – Eine nicht durchdachte Forderung!Es gibt zwei große Nachteile

Stattdessen möchte ich einen Punkt beleuchteten, der sich sehr gut anhand von Paragon verdeutlichen lässt. Das Spiel war im Kern ein MOBA. Also ein Genre, wo die Kommunikation zwischen den Spielern den Schlüssel zum Erfolg darstellt und oftmals deutlich wichtiger ist als in einem Shooter. Mein Mitstreiter am PC hatte keine Probleme, den Chat zu nutzen. Innerhalb weniger Sekunden waren klare und eindeutige Angaben zur kommenden Aktion eingetippt und an die Mitspieler versendet. So ließ sich beispielsweise eine Falle im sogenannten Jungle sehr gut planen. Als Konsolenspieler zieht man eindeutig den Kürzeren. Die Eingabe von mehreren Wörtern ist nicht nur mühselig, sondern dauert auch äußerst lange. Die Möglichkeit der besagten Falle kann somit schnell zerstört werden. Zwar hat Epic Games ein Tool zur schnellen Kommunikation eingeführt. Dieses war aber nur sehr oberflächlich und nicht für komplexe Vorgänge ausgelegt.

Selbst wenn die spielerischen Fähigkeiten vorhanden waren, wurde man in einem Team, das ansonsten nur aus PC-Spielern bestand, schnell zum Sündenbock. Und das nur, weil man durch die PlayStation 4 eingeschränkt wurde. Das führte sogar dazu, dass die Konsolenspieler recht schnell einen negativen Ruf bei den PC’lern erhielten und einige die Lobby verließen, nur weil sie mit den Besitzern einer PlayStation 4 hätte spielen müssen. Da in einem kompetitiven Videospiel niemand verlieren möchte, kann Crossplay dazu führen, dass eine leicht angespannte aber harmonische Stimmung innerhalb kürzester Zeit kippen kann. Und wenn man eigentlich nur etwas vom alltäglichen Leben abschalten möchte, kann ein Abend schnell durch Stress und Wut umschlagen. In solch einer Situation ist im Endeffekt niemand zufrieden und genau das sollte eigentlich nicht passieren.

Ein weiteres Problem sehe ich im Gameplay der jeweiligen Spiele. Wer auf die PC-Version eines Videospieles zurückgreift, kann aufgrund seiner Hardware stellenweise deutlich schneller reagieren, als jemand auf der PlayStation 4. An dieser Stelle möchte ich gern auf Fortnite blicken. In dem Battle Royale Modus ist es seit Beginn wichtig, Ressourcen zu farmen und mit deren Hilfe Strukturen zu errichten. Wer sich aktiv dagegen wehrt, hat nur sehr geringe Chancen auf einen Sieg. Wer wirklich gut sein möchte, muss verschiedene Strukturen nutzen und dafür ist es wiederum notwendig, viele verschiedene Buttons bzw. Tasten zu drücken. Man kann sich noch so gut mit dem DualShock 4 Controller auskennen, eine professionelle Gaming-Maus sowie Tastatur kann man nicht schlagen. Und so haben die PC-Spieler einen deutlichen Vorteil, den man als Konsolenbesitzer schnell spürt.

Epic Games hat dieses Problem berücksichtigt und bringt die Spieler immer in solch eine Lobby, wo der beste Spieler eines Teams auf Gleichgesinnte trifft. Zockt man als PS4 Spieler mit einem Freund auf dem PC zusammen, landet man in einer PC-Lobby. Zockt man als Nutzer der mobilen Version mit einem PS4-Besitzer zusammen, landet man in einer PS4-Lobby. Das klingt zunächst gerecht, sorgt letztendlich aber für eine dauerhafte Benachteiligung des entsprechenden Teams. In einer PC-Lobby ist man als PS4-Spieler immer ein Klotz am Bein, weil man einfach nicht in der Lage ist, derartige Dinge wie die Mitstreiter zu vollbringen. Meinem Freund und mir gelingt es zwar auch, gelegentlich Siege zu erringen, dass wir aber mit den schlechteren Karten von Anfang an starten, wird uns immer wieder deutlich.

Die Stimmung kippt

Sowohl die Benachteiligungen beim Gameplay als auch bei der Kommunikation sorgen meiner Meinung nach dafür, dass Beschimpfungen, Beleidigungen etc. häufiger werden. In einem Wettbewerb will man stets gewinnen und oft gibt man den anderen Spielern die Schuld, wenn dieses Vorhaben nicht gelingt. Wer regelmäßig die Multiplayer beliebter Videospiele in Anspruch nimmt, wird bereits selbst die Erfahrung gemacht haben, dass nicht jeder eine Niederlage angemessen verarbeiten kann. Und das betrifft meiner Erfahrung nach nicht nur minderjährige Spieler, sondern auch Erwachsene. Die Anonymität des Internets senkt unsere Hemmschwelle deutlich.

Zusammenfassend liegt also eine gewisse Abfolge von Ereignissen vor. Die Verantwortlichen führen Crossplay ein und erhöhen somit die Anzahl der Spieler, was wiederum die Spielersuche spürbar verkürzen kann. Gleichzeitig führt man jedoch Spieler mit verschiedenen Fähigkeiten zusammen, was sich auf die jeweilige Hardware zurückführen lässt. Durch diese Ungleichheit kann eine unausgewogene Balance entstehen, was wiederum die Stimmung der Community verschlechtern und für einen Anstieg von Beleidigungen sorgen kann.

Mir fällt keine brauchbare Lösung ein, wie man diese Hardware-bedingte Benachteiligung verhindern kann. Und solange dieser Zustand vorherrscht, halte ich es nicht für ratsam, Crossplay zum Standard zu machen. Bei Videospielen, die eine Geschichte erzählen, beispielsweise A Way Out, ist ein Plattform-übergreifendes Spielen durchaus denkbar und sicherlich auch eine schöne Sache. Sobald aber ein kompetitiver Aspekt vorliegt, sorgt Crossplay aktuell für unfaire Verhältnisse. Gerade eine ausgewogene Balance in jeglicher Hinsicht ist meiner Meinung nach ausschlaggebend für einen gelungenen Multiplayer. Man sollte sich also bewusst machen, wann man dieses Feature einführt und wann eben nicht. Es ist meiner Meinung nach nämlich nicht für jedes Genre geeignet.

 

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