Agony – Eine Höllenqual (Review)

Durch die Hölle haben wir uns schon oft gekämpft. In Doom haben wir mit dem Space Marine Dämonen per Pumpgun gejagt oder in Dantes Inferno mit einer Sense unsere Gegner einen Kopf kürzer gemacht. Hier waren wir aber immer die „Helden“ und konnten uns den Höllengestalten entgegenstellen und uns wehren. In Agony wird der Spieß nun umgedreht, und wir müssen uns mit einer Fackel bewaffnet durch die Hölle schleichen und werden geschlachtet wenn wir nicht aufpassen.

Das ist Wahnsinn….

Agony beginnt mit dem Fall in die Hölle. Unser Körper wird währenddessen verbrannt und zerschellt am Boden des Eingangs. Unsere Seele verlässt den zerstörten Körper und such sich eine neue Hülle in diese wir eindringen können. Glücklicherweise ist die nächste Hülle nicht weit und die Reise kann weiter gehen. Unser Ziel ist es die rote Göttin zu finden, denn diese soll uns Erlösung verschaffen. Denn wir können uns an nichts erinnern und wissen nicht wieso wir in der Hölle gelandet sind. Auf dem Weg durch fleischige und knochige Pfade und Höhlen treffen wir immer wieder auf andere gequälte Individuen, mit denen wir uns unterhalten können und somit etwas mehr über unseren oder ihren Hintergrund erfahren. Eine weitere Möglichkeit an Story-Fetzen zu kommen sind Notizen, die überall in den Levels verteilt sind und von uns gefunden werden können. Das kann aber etwas in Arbeit ausarten, denn die Notizen sind gut versteckt und das verwirrende Leveldesign trägt nicht zur Orientierung bei.

Die Info-Häppchen sind sehr kryptisch verfasst und geben nie sehr viel Preis.  Auch die dazugehörigen Zwischensequenzen sind sehr schick in Szene gesetzt und zeigen euch schöne Kamerafahrten durch die verwinkelten Level. Aber auch die Level selbst erzählen die Geschichte. Aufmerksame Spieler werden hin und wieder Notizen an Wände entdecken die mehr über die Story preisgeben.

 Warum schickst du mich in die Hölle…

Das Ungewisse ist auch eine Stärke von Agony. Denn die sparsame Erzählweise weckt die Neugier weiterzuspielen, wenn Ihr euch auf das Erlebnis einlasst. Erlebnis ist ein gutes Stichwort, denn genau das ist Agony. Das Survival-Horror Spiel ist dunkel, dreckig und schreckt auch vor Tabus nicht zurück. Wir treffen beispielsweise auf ein Wesen das Babys mit Männerköpfen als Mörtel benutzt und damit eine Wand hochzieht. Auch Erotik und Nacktheit werdet Ihr in Agony in Hülle und Fülle zu sehen bekommen. Durch diese explizite Darstellung von Gewalt und Erotik ist das Spiel nichts für schwache Nerven.  Die Entwickler ziehen den Stil von Agony sehr konsequent in allen Bereichen des Spiels durch. Überall sind gepfählte Körper anzufinden oder auch die „Paradiesäpfel“, die zur Aufwertung unserer Fähigkeiten dienen, haben die Form einer Vagina. Unsere Gegner sind auch zumeist weiblich gehalten und geizen nicht mit ihren sekundären Geschlechtsteilen. Das weibliche Geschlecht scheint für die Entwickler wohl eine Form der Hölle zu sein.

Hölle, Hölle, Hölle

Das grundlegende Spielprinzip von Agony ist das Erkunden der verwinkelten Level. Dabei treffen wir hin und wieder auf verschiedene Labyrinthe, in denen es gilt Gegenstände zu finden und damit den Ausgang zu öffnen. Dabei müssen wir immer wieder Gegner ausweichen und uns vor ihnen verstecken. Normalerweise sehen die Gegner nicht und können den Spieler nur durch Geräusche und Wärme (Fackel) entdecken. Das funktioniert leider aber nur sehr selten und wir werden auch oft ohne uns zu bewegen von den Wächtern gefunden und getötet. Die Gegner KI ist sehr unberechenbar und auch unfair in diesen Situationen. Auch das Ablenken mit der Fackel gelingt nur in den seltensten Fällen.

Das frustrierende daran ist jedoch die Tatsachen, dass die Gegner nach dem Ableben des Wirtkörpers im Level weiter herumlaufen und somit auch möglichen Hüllen begegnen. Das ist deswegen ein Problem, da man in der Astralform nur begrenzt Zeit hat einen neuen Körper zu finden. Übernimmt man diesen, wenn ein Gegner in der Nähe ist, wird man gleich danach wieder ins Jenseits befördert. Das kann sich schnell in Frust umwandeln. Auch das Steuern der Astralform ist nur suboptimal gelungen, da man an Durchgängen hängen bleibt und somit eine eventuelle nötige Hülle nicht erreicht. Nach Ablauf der Zeit ist das Spiel dann vorbei und wir starten an den aktivierbaren Rücksetzpunkten.  Genauso stört das ständige Hängen an den kleinsten Unebenheiten im Level, bei denen man manchmal ohne genauen Grund hängen bleibt.

Für kleine Abwechslung sorgen die kleinen „Rätsel“, bei denen man Siegel finden muss und diese auf einer geschlossenen Tür richtig nachzeichnen muss. Das gestaltet sich aber immer wieder recht schwierig, da das Spiel keinerlei Hilfestellung gibt und man so oft ratlos im Raum steht und einem nur das „Trail and Error-Prinzip“ bleibt. Eine kleine Hilfe gibt uns Agony aber doch an die Hand. Haben wir uns verirrt, könne wir die Schicksalslinie benutzen um uns den richtigen Weg anzeigen zu lassen. Aber auch diese kleine Hilfe funktioniert nicht einwandfrei und führt uns nicht immer an Ziel.

Ein Glitzern im Dunkeln

Die Levelarchitektur sucht seines gleichen. Sowas haben wir bis jetzt noch nicht gesehen und lässt sich von erstaunlich bist abstoßend einordnen. Die fleischigen Wände und blutigen Flüssen üben ohne Frage eine Faszination aus und man kann nicht weggucken auch wenn man das eigentlich möchte. Die Texturen sehen jedoch sehr nach Plastik aus und reißen somit regelmäßig aus dem geschehen. Auch die markierten und glitzernden Bereiche, die zur Orientierung dienen sollen, stören die Atmosphäre und lassen kaum Horror-Stimmung aufkommen. Auch das in den Levels oft nichts passiert und es kaum Schockeffekte gibt, lässt Langeweile aufkommen.

Soundtechnisch konnten die Entwickler durch einen Patch viele Probleme beheben. Wiederholende Soundsamples sind uns nicht mehr aufgefallen und das störende Rauschen der Release-Version sind nicht mehr aufgetreten. Die stimmige Musikuntermalung und die englische Sprachausgabe können aber auch punkten.

Fazit

Agony ist ein Spiel, dass die Gemüter spalten wird. Es bewegt sich auf dem schmalen Grad zwischen Kunst und abstoßendem Ekel. Das Artdesign sucht seines Gleichen und die Entwickler haben sich größte Mühe bei der künstlerischen Gestaltung gegeben. Auch die Musikuntermalung kann sich hören lassen und lässt eine bedrückende Stimmung aufkommen. Die Inszenierung ist jedoch sehr sparsam gehalten und lässt oft den Grusel vermissen. Die Levelführung ist leider sehr verwirrend gelungen und man erwischt sich oft dabei ratlos die Gegend abzusuchen. Vor allem da das Spiel keine großen Hilfen anbietet. Auch die Gegner KI kann leider auch nicht überzeugen, da diese sehr unberechenbar ist und man diese nur sehr schlecht deuten kann. Zu oft sind wir ohne Grund gestorben. Wer jedoch diese Punkte verzeihen kann und ein einzigartiges Erlebnis erleben möchte, der darf Agony eine Chance geben. Zart besaitet dürft ihr jedoch nicht sein den Agony ist wirklich harter Tobak.

Agony

5.8

Story

7.0/10

Umfang

6.0/10

Sound

7.0/10

Atmosphäre

6.0/10

Grafik

5.0/10

Bedienung

4.0/10

Positiv

  • Höllen Atmosphäre
  • Einzigartiges Artdesign

Negativ

  • Unfaire KI
  • Verwirrendes Leveldesign
  • Glänzende und Plastikartige Texturen
  • Man bleibt am Levelinventar stecken

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5 thoughts on “Agony – Eine Höllenqual (Review)”

  1. Euer Review trifft den Nagel auf den Kopf. Die Entwickler haben so viel Liebe in die Optik und Atmosphäre gesteckt, dass sie das Gameplay, Leveldesign und Inszenierung komplett aus den Augen verloren haben. Das ist das tatsächlich höllische an diesem Spiel. Verschenktes Potential

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