Tales of Berseria – Böse ist das neue Gut (Review)

Die „Tales of“-Reihe ist bereits seit Jahren etabliert und hat sich inzwischen zu einer durchaus interessanten Wahl für Rollenspiel-Fans entwickelt. Mit „Tales of Berseria“ ist nun ein frische Ableger veröffentlicht worden, der mit einer ungewöhnlichen Story punkten kann.

Tales of Berseria

Man kennt es gut. Irgendein Bösewicht oder eine richtig schlimme Gruppe von Schurken terrorisiert eine eigentlich harmonische Welt. Die Einwohner können sich nicht verteidigen. Brauchen dringend Hilfe. Ein Glück gibt es diesen besonderen Spieler, der in die Rolle des Helden schlüpft und die furchtbare Katastrophe löst. Tja. In „Tales of Berseria“ dreht Entwickler und Publisher Namco Bandai den Spieß einfach mal um und lässt uns die Bösen spielen. Das ist zwar ungewöhnlich, aus diesem Grund aber auch extrem spannend.

Klären wir zunächst aber die Frage, worum es überhaupt im Detail geht. Im Mittelpunkt steht Velvet, die sich liebevoll um ihren kleinen schwachen Bruder kümmert. Die Welt an sich ist gekennzeichnet durch Dämonen, die die Menschheit plagen. Glücklicherweise gibt es Exorzisten, die ihr Bestes unternehmen, um die boshaften Kreaturen in Schach zu halten. Damit dies perfekt funktioniert, entscheidet Velvets Schwager namens Arthur plötzlich ihren Bruder zu opfern. Zwar bringt das wirklich einen Erfolg in Bezug auf die Dämonen, doch unsere Heldin wird nun unerwartet selbst zu einer Dämonin und daraufhin für drei Jahre eingesperrt. Nach einer erfolgreichen Flucht ist Valvet vom Bedürfnis der Rache geprägt und das eigentliche Abenteuer beginnt.

Gewagt, aber lobenswert

Eine derartige Geschichte bzw. ein derartiges Fundament ist nicht nur für die Reihe, sondern auch in der Welt der Videospiele recht ungewöhnlich. Vor allem da die Fans von „Tales of“ seit Jahren die braven Helden gewöhnt sind. Aber genau dieser Umstand zeugt von Mut, den die Verantwortlichen aufgebracht haben. Auch wenn das grundlegende Prinzip natürlich erhalten geblieben ist, könnte man beinah soweit gehen und behaupten, dass man einen totalen Umschwung, gar einen Umbruch, herbeigeführt hat. Das bringt den Verantwortlichen und „Tales of Berseria“ bereits eine Menge an Pluspunkten ein, macht den Titel aber automatisch nicht perfekt. Es müssen auch andere Aspekte stimmen.

Tales of Berseria

Von zentraler Bedeutung innerhalb der Geschichte sind natürlich die Charaktere, die allesamt sehr charismatisch daherkommen. Interessant ist auch der Fakt, dass jeder eine persönliche Hintergrundgeschichte vorweisen kann, die eng mit der Hauptstory verbunden sind. Und so lernt man im Laufe des Spieles seine Gefährten immer besser kennen und es entsteht eine große vernetzte Handlung. Bedauerlicherweise werden es aber besonders Neulingen recht schwer haben, alles einwandfrei zu verstehen. „Tales of Berseria“ stellt nämlich ein Prequel zu „Tales of Zestiria“ dar, weshalb bestimmte Begriffe und Ereignisse als Grundwissen vorausgesetzt werden. Das kann besonders zu Beginn recht verwirrend sein und wirft mehr Fragen auf, als überhaupt geklärt werden. Aufgrund einer rasch voranschreitenden Geschichte trifft dies aber wirklich nur für die Anfänge zu.

Jetzt gibt es Echtzeit!

Ebenfalls neu ist das Kampfsystem. Anstatt erneut auf ein rundenbasiertes Konzept zu setzen, haben sich die Entwickler für die Echtzeit entschieden. Das sorgt unter anderem dafür, dass man sich beinah uneingeschränkt innerhalb der Kämpfe bewegen kann, was stellenweise recht hilfreich sein kann. Auffällig ist besonders die Komplexität. Es dauert wirklich eine gewisse Zeit, bis man die Steuerung halbwegs effektiv beherrscht und die Gegner erfolgreich besiegen kann. Dabei sind zweifellos die zahlreichen Tutorials hilfreich. Jedoch bemerkt man im späteren Verlauf, dass diese aber eher spärlich ausfallen. Während man mit Wildschweinen problemlos fertig wird, können die größeren Monster schon zu einer ernsten Herausforderung werden. Da bleibt meist nichts anderes übrig, als sich intensiv mit Kombos zu beschäftigen.

Tales of Berseria

Bei der Ausführung dieser aneinandergereihten Angriffe kommt es ständig zu Unterbrechungen. Schuld daran ist die Soul Gauge. Man benötigt nämlich Seelen, die sich durch entsprechende Tätigkeiten leeren. Ist dies der Fall, haben die Gegner eine gute Chance, eure Angriffe bzw. Kombos zu stören. Es manchmal extrem nervig, aber nicht automatisch unfair. Außerdem ist es dann umso schöner, wenn eine geplante Kombination erfolgreich funktioniert und den Widersacher einfach nur zerfetzt. Demnach existiert also eine Mischung aus Niederlagen und Erfolgen in Bezug auf das Kampfsystem, was ein negatives gleichzeitig aber auch ein positives Bild vermittelt. Alles in allem lässt sich festhalten, dass lernwillige und eifrige Spieler für ihre Leistung belohnt werden.

Gute Performance der KI

Wie immer darf man sich über Spezialangriffe freuen, die sich je nach Charakter unterscheiden. So gibt es einen Schutz für alle Mitstreiter, jemand verwandelt sich in einen Drachen oder die Heldin Valvet teilt mit einer Monsterklaue ordentlich Schaden aus. An sich ist das ein nettes zusätzliches Feature, das hin und wieder auch für Freude sorgt. Es gibt nichts Schöneres, als einen wirklich schwierigen Gegner mit einem solchen Spezialangriff den Gnadenstoß zu verpassen. Das zaubert wortwörtlich ein Lächeln ins Gesicht.

Erwähnenswert ist zudem die KI, die sich im Vergleich zu den Vorgängern nochmal spürbar verbessert hat. So werden die ohnehin fordernden Kämpfen noch ein bisschen schwieriger. Man sollte „Tales of Berseria“ aber nicht auf eine und dieselbe Stufe mit „Dark Souls 3“, „Bloodborn“ und Co. stellen. Hier ist eindeutig ein Unterschied vorhanden. Dennoch sollte der Titel dank der KI sowohl für Neulinge als auch für alteingesessene Fans der Reihe eine angenehme Herausforderung darstellen. Ihren Beitrag dazu liefern ebenfalls die verschiedenen Schwierigkeitsgrade, die je nach Belieben aktiviert werden können. Zu Beginn stehen vier zur Verfügung und mit voranschreitenden Fortschritt gesellen sich weitere dazu.

Beinah belanglose Welt

In typischer RPG-Manier besitzt „Tales of Berseria“ eine offene Spielwelt, die man recht zeitig erkunden kann. Jedoch stellt das Erkunden nicht gerade das Highlight dar. Man trifft auf lineare Dungeons, total unwichtige Orte und triste Sümpfe. Besonders liebevoll gestaltet und detailreich wirkt das alles nicht. Nichtsdestotrotz erwarten den Spieler in den Dungeons zahlreiche Hindernisse und Rätsel wollen bewältigen werden. Beispielsweise müssen Schleusen akkurat gesteuert oder Kerzen angezündet werden. Zwar sind diese Aufgaben in den meisten Fällen einfach zu meistern, dennoch stellen sie eine gewisse Abwechslung dar und sind daher gern gesehen. Ungeachtet dessen wirkt die Spielwelt dennoch etwas trist.

Auch den zahlreichen Nebencharakteren mangelt es an dem gewissen Etwas. Man könnt sie einfach gegen eine gänzlich andere Person tauschen und es würde sich nichts geändert haben. Eigentlich schade, da vor allem die Hauptcharaktere stilvoll gestaltet sind und auch einen markanten Charme versprühen. Klar, sie stehen im Fokus und die Nebencharaktere sollen ihnen nicht die Show stehlen, ein bisschen mehr Liebe für die Details und Tiefe wäre trotzdem schön gewesen. Man muss sagen, dass die Spielwelt zusammenfassend kein totaler Reinfall ist. Mehr als ein „durchschnittlich“ ist aber auch nicht drin. Es gibt in vielerlei Hinsicht noch Möglichkeiten, sich zu verbessern.

Tales of Berseria

Die Technik

Enttäuschend ist auch die Grafik, die man sehr gut als hochskalierte PS3-Optik verkaufen kann. Das liegt insbesondere daran, dass „Tales of Berseria“ in Japan auch für die PlayStation 3 im Handel erhältlich ist. Im direkten Vergleich zu anderen japanischen Rollenspiel geht die Grafik aber in Ordnung – man müsste allerdings „Final Fantasy“ aus diesem Vergleich herausnehmen. Soundtechnisch gibt es dann wieder Pluspunkte. Sie ist stets passend, mitreißend und kann in den Kämpfen sehr gut überzeugen. Jedoch sollte klar sein, dass die Sprachausgabe lediglich in Japanisch oder Englisch vorliegt. Für Fans der Reihe und auch des Genres ist das aber keine große Überraschung. Außerdem besteht die Möglichkeit, einen deutschen Untertitel einblenden zu lassen.

Fazit

„Tales of Berseria“ hat sowohl Schwächen als auch Stärken. Das Kampfsystem ist völlig überarbeitet worden und stellt eine angenehme Herausforderung dar. Auch die Geschichte ist spannend und der Fakt, dass wir in die Rolle der Bösen schlüpfen, macht Lust auf mehr. Spieler dürfen sich über eine gesunde Mischung von Verrat, Rache und tatsächlich auch Liebe freuen. Demgegenüber steht jedoch eine eher lieblose Spielwelt, eine nicht ganz aktuelle Grafik und eventuell die Sprachausgabe. Letzteres hängt aber eher von den persönlichen Vorlieben und Erwartungen ab. Störend ist die fehlende deutsche Tonspur übrigens nicht. Abschließend lässt sich sagen, dass die Entwickler ein gutes Ergebnis abgeliefert haben.

 

 

Produktbeschreibung

Eine Geschichte von Emotionen gegen Vernunft. In den Weiten eines Königreichs, das aus verschiedenen Kontinenten und unzähligen Inselgruppen besteht, arbeiten die Einwohner hart an Verbesserungen im Schiffbau. Das Klima variiert stark und reicht von strengen Wintern bis zu ewig andauernden Sommern. Hier hat sich das Leben von Velvet nach einem Ereignis vor 3 Jahren komplett gewandelt. Sie ist ein Wesen, das die Welt erschüttern wird!

Spiele die erste Solo-Heldin in der Geschichte der Serie. Vier Charakter-Designer von Tales of Zestiria, Mutsumi Inomata, Kosuke Fujishima, Minoru Iwamoto und Daigo Okumura, sind auch bei Tales of Berseria wieder dabei. Die Zwischensequenzen werden wieder vom Studio ufotable animiert.

Features:

  • Kämpfe mit Verbündeten und enthülle ihre Geheimnisse und Fertigkeiten
  • Lerne von der Kraft deiner Gegner und nutze dein Können in diesem raffinierten Kampfsystem
  • Erkunde die sich stetig verändernde Landschaft des Königreichs Midgand
  • Entdecke noch mehr dieser Welt mit Nebenquests und lustigen Minispielen
  • Spielsprache Japanisch, Texte in Deutsch, Englisch, Französisch, Russisch, Italienisch & Spanisch, Online-Anleitung in Deutsch

Inhalt der Collectors Edition:

  • Tales of Berseria-Spiel
  • Tales of Berseria Collector’s Edition-Box
  • 2 Chibi Kyun-Charakterfiguren
  • 3 Metallmünzen
  • Exklusives Metal Case
  • Tales of Berseria Collector’s Edition-Soundtrack
  • Artbook
  • Strategy Guide für Anfänger

 

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