Life is Strange – Before the Storm: Episode 1 (Review)

Am 31. August wurde mit der ersten Episode zu „Life is Strange – Before the Storm“ das Prequel zu dem gefeierten Hauptspiel „Life is Strange“ eingeläutet. So wie etwa bei „Horizon Zero Dawn“ waren Videospielfans und Kritiker auch bei „Life is Strange“ extrem positiv überrascht, wie gut das Adventure ausgefallen war. Die erste Episode des Prequels lässt erahnen: wer das Hauptspiel liebt, wird auch mit dem Prequel seine wahre Freude haben.

Life is Strange

„Life is Strange“ erschien am 22. Januar 2016 in einer Limited Edition, welche alle fünf Episoden enthält. Eine enorme Begeisterungswelle überschwemmte damals das Videospielland und auch die Entwickler von Dontnod Entertainment hatten wahrscheinlich nicht mit einem solch riesigen Erfolg gerechnet. Die klassischen Adventures sind nicht ausgestorben, sondern konnten sich im Gegenteil im Laufe der letzten Jahre stark hocharbeiten. Man denke nur an „The Wolf among us“ , „The Walking Dead“ , welches inzwischen drei Teile aufweist oder an „Game of Thrones“. Wer möglichst wenig oder gar nichts von der Geschichte erfahren möchte und noch kein „Life is Strange“ gespielt hat, dem wird dringend die kostenlose erste Episode des Hauptspiels empfohlen, um sich einen Eindruck zu machen. Im Folgenden werden nämlich manche Details zum besseren Verständnis herangezogen.

Als Max (noch) nicht da war

Das Prequel „Life is Strange – Before the Storm“ spielt erwartungsgemäß vor den Geschehnissen des Hauptspiels. Max taucht hierbei nicht auf. Stattdessen steht nun die aus „Life is Strange“ bekannte, rebellische Chloe im Vordergrund, welche wir auch steuern. Das zentrale Thema beziehungsweise Motiv dieses Prequels liegt in der Beziehung zwischen Chloe und Rachel, die ebenfalls ihren (passiven) Auftritt im Hauptteil hatte. Man könnte nun den Nachteil dieses Prequels herantragen, dass bereits bekannt ist, wie die Geschichte ausgehen wird. Rachel ist nämlich im Hauptspiel als verschwunden gemeldet und wie sich später herausstellt tot. Doch „Life is Strange – Before the Storm“ geht es nicht darum, was mit Rachel passiert ist, sondern primär um die Geschichte, die dahinter steht. Wird der Spieler erfahren, warum gerade sie verschwand und ermordet wurde? Welche Geheimnisse hatte Rachel? Hat ihre Familie etwas damit zu tun?

Life is Strange 1.5

Das Prequel weist einige bekannte Elemente aus dem Hauptspiel auf. Natürlich lebt auch dieses Videospiel von seinen zahlreichen Filmsequenzen. „Life is Strange – Before the Storm“ ist eine Art spielbares Filmdrama. Entsprechend hält sich das Gameplay sehr stark in Grenzen. Ein Punkt, den viele als das Hauptargument gegen storylastige Adventures anbringen. Ihr bewegt euch mit Chloe in der Spielwelt, interagiert mit den verschiedensten Objekten und natürlich Personen. Erwartet jedoch keine Rätsel. Diese sind, wie auch schon im ersten Teil, quasi nicht vorhanden. Auch hier muss jeder für sich selbst entscheiden, ob das gut oder schlecht für ihn ist. Auch ein Mobiltelefon darf natürlich nicht fehlen. Jederzeit könnt ihr die neuesten Textnachrichten von euren Freunden, Feinden und der Familie nachlesen.

Life is Strange

Des Weiteren fehlt auch nicht das Tagebuch, in welchem auch Max erwähnt wird. Die ein oder andere Person wird euch ebenfalls schon bekannt vorkommen aus dem Hauptspiel. Allen voran natürlich Chloes Mutter sowie ihr Stiefvater David. Dieser zeigt sich im Übrigen nicht unbedingt nur von seiner aus Chloes Sicht schlechten Seite, sondern scheint sich zum Teil wirklich bemühen zu wollen, die Familie nach dem Tod des Vaters wieder mehr zusammenzuführen. Auch Victoria und Nathan Prescott haben ihre Gastauftritte.

Zwar fühlt sich das Prequel bereits ab dem Erscheinen des Hauptmenüs stark wie das Hauptspiel an, aber das ist kein innovationsloses Zeichen, sondern im Gegenteil die Besinnung auf die alten Stärken. Warum sogleich etwas ändern, wenn es doch beim ersten Mal super geklappt hat? Ich persönlich hoffe nur, dass mit „Life is Strange“ nicht dasselbe passiert wie bei der „The Walking Dead“ – Spieleserie. Neben den drei Staffeln ist auch mit „The Walking Dead Michonne“ eine Art Standalone – DLC bereits erschienen. Doch all diese Teile fühlen sich zu ähnlich an, wirkliche Gameplayneuerungen wurden bisher nie berücksichtigt. Zudem wiederholen sich die Konfliktmotive beziehungsweise typischen Geschichten, die man aus der Fernsehserie bereits kennt, zu oft.

Life is Strange

Chloe ist Chloe geblieben

Wie wir sie schon aus dem Hauptspiel kennen, besitzt Chloe einen sehr rebellischen Charakter. Sie lässt sich einiges nicht gefallen und hat keine Scheu, dies auch offen zu zeigen. Es ist durchaus erfreulich, wenn wir nach der eher braven Max nun in einen Menschen schlüpfen dürfen, für den schwarzer Humor auf dem Alltagsprogramm steht. „Oh nein Mum, David hat sich selbst mit einer Schaufel geschlagen und schließlich totgeprübelt!“ Nette Details unterstreichen ihren Charakter, so auch als sie statt mit den Händen, wie eigentlich üblich, die Schublade mit der Hüfte zuschlägt. Auch die Eröffnungszene der ersten Episode, die hier aus Spoilergründen nicht beschrieben wird, lässt uns sofort in Chloes Charakter eintauchen. Warum sie sich gerne auf dem Schrottplatz aus dem Hauptspiel aufhält, wird in der ersten Episode ebenfalls gewissermaßen thematisiert. Chloe präsentiert sich jedoch nicht nur als eine Protagonistin, sondern auch Antagonistin. Geht sie bei manchen Dingen nicht vielleicht doch etwas zu weit? Zum Glück haben wir einen Einfluss mit unseren Entscheidungsmöglichkeiten darauf. Kooperieren wir mit unserem Stiefvater oder zeigen wir ihm die kalte Schulter?

It`s time for „Back Talk“

Max besitzt in „Life is Strange“ die übernatürliche Gabe, die Zeit zurückzudrehen und somit Entscheidungen ändern zu können. Unweigerlich führte dies im Hauptspiel zu einem mystischen Element, welches sich vor allem in der fünften Episode zeigte. Damit ist bei Chloe nun Schluss. Dennoch besitzt auch sie eine Art Gabe, die aber ganz und gar nicht an den Fantasy – Haaren herbeigezogen ist. Ihre Fähigkeit „Back Talk“ kann eher als eine Intuition beschrieben werden. Bei manchen Gesprächen habt ihr die Möglichkeit, mit eurem Gegenüber euch eine Art Rededuell zu liefern. Verbal versuchen wir als Chloe unseren Gesprächspartner einzuschüchtern, natürlich auch mit provokanten Ausdrücken, um unser Ziel zu erreichen.

Das erste Mal setzt ihr diese Fähigkeit ein, als ihr an einem Türsteher vorbeizukommen versucht. Gewissermaßen kann man dieses Element als eine Art Rätselersatz sehen. Ganz gleich aber wie ihr eure Antworten wählt, es gibt anscheinend kein „Game Over“. Streng genommen existiert also kein richtig und falsch. Ich zumindest war nicht bei jedem Rededuell erfolgreich und die Geschichte lief unabhängig von dem Rededuellausgang trotzdem weiter. Nervenkitzel ist bei der Antwortauswahl garantiert, ihr habt nämlich nur sehr begrenzt Zeit, zu antworten. Basierend auf diesem Feature kann gesagt werden, dass die Geschichte bisher erfreulich bodenständig daherkommt. Angeblich soll es aber auch im Prequel zu übernatürlichen Phänomenen kommen. Wir werden sehen.

Rachel und Chloe – Ein besonderes Band

Das Prequel setzt seinen Fokus aller Voraussicht nach nicht darauf, was geschieht, sondern wie es geschieht oder besser gesagt: es geht um die Atmosphäre zwischen Chloe und Rachel. Wie haben sie sich kennengelernt? Warum schließt das beliebteste Mädchen der Schule mit einer Außenseiterin wie Chloe Freundschaft? Wie entwickelt sich das Ganze zu einer Freundschaft. Die sonst so schlagfertige Chloe ist verdutzt, als die vorbildliche Rachel sie zum gemeinsamen Schwänzen anregt. Ohne auch hier zu viel verraten zu wollen: Chloe zeigt plötzlich andere Seiten von sich, wie man sie so bisher nur versteckt gesehen hat. Wir selbst sollen dabei mitbestimmen können, welche Qualität diese Beziehung erreichen soll. Eine Freundschaft oder mehr als das? Inwieweit unsere Entscheidungen wirklich einen Einfluss darauf haben, muss noch abgewartet werden. Möglicherweise verbindet die beiden Teenager aber von Anfang an mehr, als man glauben mag.

Life is Strange

Die Musik als die Kommunikation von Gefühlen

Spätestens(!) wenn das Hauptmenü erscheint, fühlt sich der Spieler wieder daheim. Daheim bei „Life is Strange“. Der Soundtrack erinnert unweigerlich an das Hauptspiel und trägt insgesamt denselben Charakter. Ob das schlecht ist? Nein, ganz und gar nicht. Auch hier gilt: warum etwas ändern, wenn es doch beim ersten Mal nahezu allen gefallen hat? Dennoch bilde ich mir eine entscheidende Änderung im Vergleich zum Hauptspiel ein. Die Musik wird insgesamt dezenter eingesetzt. Bei „Life is Strange“ lief die Hintergrundmusik teils bereits an, wenn wir etwa auf den Campus traten. Diese Beobachtung möchte ich an zwei Beispielen verdeutlichen: im ersten haben wir als Chloe die Möglichkeit bei einem Fantasy – Brettspiel mitzuspielen. Während des gesamten Spiels ist keine Musik zu hören.

Zudem müssen wir uns die im Rahmen des Fantasyspiels erzählte Geschichte selbst vor unserem inneren Auge vorstellen. Diese Szene erinnerte mich unweigerlich an den DLC aus „The Last of Us“ mit Ellie und Riley. Achtung Spoiler! In diesem DLC nämlich gibt es eine Situation, in welcher Ellie an einem kaputten Spielautomaten ein Beat – Up – Spiel a la „Tekken“ spielt. Riley mimt die Kommentatorin, beschreibt den Kampf und leitet Ellie an, was sie zu tun hat. Während Ellie sich die Kampfszenen selbst vorstellen muss, werden sie uns Spieler präsentiert, wie wenn wir gerade wirklich das Spiel spielen würden. Zudem wird das Ganze mit Hintergrundmusik untermalt. Nicht so bei dem Fantasy – Brettspiel in „Before the Storm“. Es herrscht eine ungewöhnliche, aber wunderbare Stille. Wir sind gezwungen, uns die Geschichte selbst vorzustellen. Das zweite Beispiel stellt ein längeres Gespräch zwischen Chloe und Rachel dar. Auch hier sind lediglich die natürlichen Hintergrundgeräusche zu hören. Eine Musik wird nicht eingeblendet, erst zum Schluss der Szene. Die Entwickler lassen solche Situationen laufen und geben uns damit als Spieler die Möglichkeit, in diese intensiv einzutauchen. Auch dieses Konzept erinnert an „The Last of Us“, wo manche Zwischensequenzen mehrere Minuten dauern, um den emotionalen Aspekten, sozialen Beziehungen sowie Gesprächen genügend Raum zu lassen.

 

Eine finale Wertung zur zweiten Staffel von „Life if Strange“ können wir an dieser Stelle nicht abgeben. Immerhin sind noch nicht alle Episoden erhältlich.

 

Teilen
onpost_follow

Kommentar verfassen

Loading Facebook Comments ...