Homefront: The Revolution – Nur teilweise revolutionär (Review)

Mit „Homefront“ wurde im Jahr 2011 eine eher durchwachsene Leistung abgeliefert. Beinah genau fünf Jahre später gelang mit „Homefront: The Revolution“ ein Nachfolger auf den Markt, der vieles besser machen soll. Doch ging der Plan tatsächlich auf?

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Die Entwicklung von „Homefront: The Revolution“ musste viele Rückschläge überstehen. Erst ging THQ Pleite, das Projekt geriet in Gefahr. Dann wurde es von Crytek übernommen, die sich zeitnah ebenfalls finanziellen Problemen stellen mussten. Und auch nach einem kompletten Engine-Wechsel blieb man standhaft und veröffentlichte den Open-World-Titel schließlich in diesem Jahr. Diese Zielstrebigkeit ist zweifellos bemerkenswert, die zahlreichen Komplikationen spiegelt sich aber leider dennoch im Spiel wider. Es ist halt dieser Umstand, wo man richtig merkt, wie viel Potenzial ein Konzept eigentlich vorweisen kann, die Technik aber alles zu Nichte macht. Und genau dieser letzte Satz stellt eine extrem treffende Beschreibung von „Homefront: The Revolution“ dar.

Inhaltlich verschlägt uns der Titel in ein Philadelphia der Zukunft, genauer gesagt in das Jahr 2029. Aufgrund bemerkenswerter Erfolge konnte sich ein nordkoreanisches Elektronikunternehmen an die Spitze des Weltmarktes katapultieren. Jedoch nutzte man diesen Fortschritt, um in die USA einzumarschieren und alles in Schutt und Asche zu legen, die Zivilbevölkerung brutal zu unterdrücken und eine Gewaltherrschaft zu errichten. Da verwundert es kaum, dass sich Widerstand regt, der sich gegen den anfangs überlegenen Gegner auflehnt. Als Spieler schlüpft man hierbei in die Rolle von Ethan Brady und kämpft zusammen mit der Widerstandsgruppe namens „Der Widerstand“ gegen die Besatzer. Die Hauptfigur kommt hierbei als ein typischer hau-drauf Held daher, der leider kein einziges Wort verliert und nahezu kein Charme versprüht, sodass den Spieler nicht die Möglichkeit gewährt wird, sich mit ihm zu identifizieren. Auch die restlichen Charaktere stechen nicht wirklich aus der Masse hervor. Alles in allem macht die Story aber eine solide Figur und kann sogar eine gehörige Portion an Klischees servieren.

Eine schöne Neuerung im Vergleich zum Vorgänger ist der Wechsel von geradlinigen Schlauchleveln zu einer offenen Spielwelt, in der man sich frei bewegen kann. Das gesamte Areal ist hierbei in drei unterschiedliche Zonen gegliedert, die verschiedene Schwierigkeitsgrade für den Spieler bereithalten. In guter alter Open-World-Manier können wir wählen, ob wir als nächstes eine Hauptmission oder eher eine Nebenmission in Angriff nehmen wollen. Darüber hinaus besteht die Möglichkeit, einzelne Orte aus der Hand der Feinde zu befreien, wo anschließend Widerstandsnester errichtet werden, die wiederum Schnellreisepunkte, Waffenlager und einfach nur einen Ort zum Verschnaufen bieten. Stellenweise befindet sich hier auch ein Anschlagbrett, das wiederum Nebenmissionen für uns bereithält. Dank zahlreicher Sammelobjekte, die überall in der Welt verteilt sind, entsteht nicht zuletzt ein gewisser Sammeldrang, der Hand in Hand mit dem Bedürfnis geht, alles zu erkunden. Etwas geschwächt wird der Spaß hierbei jedoch durch eine eher ruckelnde Klettersteuerung. Umsonst ist die Anstrengung aber nicht. Denn vor allem in der Gelben Zone steigt hierdurch der Zuspruch in der Bevölkerung. Wenn dieser 100% erreicht, haben die Menschen den Mut, sich gegen die fiesen Besatzer zu erheben, was für den Spieler selbst natürlich einen kleinen Vorteil in Form von tatkräftiger Unterstützung mit sich bringt. Leider ist man gelegentlich gezwungen die besagten 100% zu erreichen, um in der Hauptstory voranzukommen, was für den ein oder anderen sicherlich etwas lästig sein kann.

HOMEFRONT The Revolution (8)Eine große Spielwelt, und das ist sie in „Homefront: The Revolution“ auch definitiv, hat meistens ein Problem: Die Wege zwischen den Orten oder den persönlichen Zielpunkten sind mitunter extrem lang. Aufgrund dessen kann man es den Spielern nicht übel nehmen, wenn sie die Schnellreisefunktion nutzen. Alternativ kann man aber auch auf Motorräder zurückgreifen, die überall im Gebiet verteilt sind und eben genutzt werden können, um schnell durch die Welt zu düsen. Die Steuerung ist zwar auch hier nicht das Gelbe vom Ei, man gewöhnt sich aber schnell daran und kann das flinke Transportmittel effektiv nutzen.

Wer die Besatzer ärgern will, braucht natürlich auch nützliche Hilfsmittel. In dieser Hinsicht bietet „Homefront: The Revolution“ eine bunte Palette an vorteilhaften Waffen und wertvollen Gadgets. Blicken wir zuallererst auf die Waffen. Das gebotene Arsenal ist zwar eher überschaubar, reicht aber vollkommen aus und deckt darüber hinaus sämtliche Kategorien ab. Es stehen Pistolen, Maschinenpistolen, Sturmgewehre sowie Schrotflinten und Raketenwerfer zur Verfügung, die sich obendrein modifizieren lassen. Mit Hilfe von gesammelten Geld, das man bei toten Soldaten findet und durch das erfolgreiche Abschließen von Missionen erhält, lassen sich angenehme Aufsätze wie beispielsweise Schalldämpfer und Visiere an die Schusseisen montieren. Ein cooles Feature: Einzelne Waffen lassen sich mittels Tastendruck komplett umbauen. So wird aus der Pistole plötzlich eine Maschinenpistole oder aus dem Sturmgewehr zaubern wir ein Scharfschützengewehr. Alles lobenswerte Ideen, die aber leider nicht zu oft zum Einsatz kommen. Deutlich wichtiger sind da die Gadgets, die entweder in den Verstecken erworben werden oder dank gesammelter Gegenständer jederzeit zusammengebaut werden können. Hierdurch entstehen hübsche Spielzeuge, wie harmlose Knallkörper, um die Feinde zu locken oder explosive RC-Autos, die man natürlich fernsteuern kann. Aber auch die sogenannten Hackmodule erweisen sich häufig als ein lohnendes Utensil. Ach ja, und Molotow-Cocktails fehlen hier selbstverständlich auch nicht.

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Auch wenn es hier einige Winzigkeiten gibt, die man verbessern könnte, macht dieser Part eine sehr gute Figur und kann vor allem durch einen authentischen Hintergedanken punkten. Vieles wirkt nämlich improvisiert und ist technisch nicht auf dem Stand der fabelhaft ausgerüsteten Besatzer. Man ist halt ein Mitglied des Widerstands. Gerade aus diesem Grund hält man auch weniger aus und kann selten einfach auf den Feind zustürmen. Sollte man dennoch diesen Weg wählen, wird man recht schnell die Konsequenzen spüren. Etwas ärgerlich, der bevorstehende virtuelle Tod fällt fast nie rechtzeitig auf, sodass man meist nicht mehr in der Lage ist, entsprechend zu handeln. Also doch eher aus dem Hinterhalt und wohlüberlegt angreifen. Hilfreich ist auch die Möglichkeit, andere Widerstandskämpfer anzuheuern. Das hätte man einem ruhig auch mal sagen können, denn wir sind mehr oder weniger zufällig auf dieses Feature gestoßen.

Kommen wir nun aber zur absolut negativen Seite von „Homefront: The Revolution“. Der Shooter ist ohne einen notwendigen Patch teilweise überhaupt nicht spielbar. Die Framerate bricht gelegentlich ein, manchmal so stark, dass im Grunde gar nichts mehr geht, was ein erfolgreiches Vorankommen in der Mission natürlich nicht gewährt. Des Weiteren stockt das Spiel zwischendurch einfach, was natürlich nicht sein darf. Vor allem beim regelmäßigen Auto-Speichern friert „Homefront: The Revolution“ für wenige Sekunden ein und lässt den Spieler tatenlos auf den Bildschirm starren. Und das ist sicherlich auch ein entscheidender Grund, warum sich viele Feuergefechte trotz in sich stimmiger Steuerung einfach nicht gut anfühlen. Ein weiterer Aspekt hierbei ist auch, dass die Gegner einfach nichtssagend umfallen. Dass ein feindlicher Soldat durch die Wucht einer Schrotflinte mehrere Meter nach hinten geschleudert wird, gehört nicht zum normalen Bild. Auftretende Animationsbugs und weitere kleine Fehler sorgen zusätzlich nicht für einen guten Eindruck. Und auch der Sound ist eher durchwachsen. Vor allem das Verhältnis aus Hintergrundmusik und Dialogen ist standardmäßig nicht optimal abgestimmt, sodass wir einige manuelle Veränderungen vornehmen mussten.

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Unser letzter Hoffnungsschimmer, der kooperative „Widerstandsmodus“, entpuppt sich derzeit ebenfalls als Flop, zumindest teilweise. Versteht uns nicht falsch! Er kann richtig Laune machen, was besonders an dem gezielten Beobachten und behutsamen Vorgehen liegt, wodurch wiederum eine gute Absprache im Team entstehen kann. Doch aktuell stimmt der Content nicht. Die wenigen Missionen haben zwar durchaus ihren Reiz, können aber keine Langzeitbeschäftigung bieten. Zum Glück haben die Verantwortlichen bereits umfangreichen Nachschub versprochen. Mal schauen, wie sich dieser Part von „Homefront: The Revolution“ entwickeln wird.

Fazit:

Es ist schon richtig ärgerlich. Eigentlich wollen wir dem Open-World-Titel nicht viele Punkte abziehen. Immerhin bringt er richtig coole Ideen mit sich, kann durch ein durchdachtes Ausrüstungssystem glänzen, das den Spieler aufgrund seiner Einfachheit nicht erdrückt und obendrein ist ein echtes Spaßpotenzial vorhanden. Aber die technische Seite von „Homefront: The Revolution“ macht einfach viel zu viel kaputt. Es läuft einfach nicht rund und kann somit nicht richtig zünden. Ganz im Gegenteil. Stellenweise kann der Titel richtig nerven, vor allem dann, wenn die Framerate wieder einbricht. Schade, schade und nochmal schade. Besonders nach dem steinigen Weg der Entwicklung hätten wir uns ein besseres Resultat gewünscht. Nichtsdestotrotz würden wir eine vorsichtige Kaufempfehlung aussprechen. Allerdings muss man noch ein wenig warten und zwar bis die technischen Probleme behoben wurden und Widerstandsmodus mehr Content liefert.

Homefront The Revolution Wertungskasten

Eine zweite Meinung zu “Homefront: The Revolution”

Homefront The Revolution ist ein OpenWorld-FPS, in dem du den Widerstand im Guerillakampf gegen einen militärisch haushoch überlegenen Feind ins Feld führen musst. Die lebendige und dynamische Welt reagiert auf deine Handlungen. Zusammen mit deiner Widerstandszelle kannst du eine Rebellion entfachen und mit Hilfe der Bevölkerung gegen die Besatzung ankämpfen und die Revolution ins Rollen bringen.

Homefront: The Revolution erschien am 17. Mai 2016 in Nordamerika und am 20. Mai 2016 in allen anderen Regionen für Xbox One, das All-in-One-Videospiel- und -Entertainment-System von Microsoft, sowie für PlayStation®4 und Windows PC verfügbar sein. Versionen für Mac und Linux werden ebenfalls derzeit entwickelt.

Homefront The Revolution – Goliath Edition

Die Goliath Edition umfasst neben der Boxversion des Spiels Folgendes:

  • Eine ferngesteuerte Nachbildung einer „Goliath“-Drohne mit echten Lichtern und Sechsradaufhängung. Die von Apex hergestellte Goliath-Drohne ist die furchterregendste Waffe im Anti-Terrorarsenal der KVA.
  • Ein exklusives Steelbook
  • Ein 32-seitiges Artbook mit Konzeptzeichnungen zum Widerstand sowie den technologisch fortschrittlichen Apex-Waffen und -Vehikeln
  • Das „Revolutionary Spirit Pack“ (Weitere Informationen unten)
  • Den Homefront: The Revolution-Expansion Pass, mit dem du Zugriff auf geplante Inhalte erhältst. Weitere Informationen dazu werden zu einem späteren Zeitpunkt bekannt gegeben.

Alle Inhalte für den kooperativen Widerstandsmodus von Homefront, inklusive neuer Missionen, Herausforderungen, Funktionen und zusätzlicher Gegenstände werden kostenlos veröffentlicht, da Dambuster Studios diesen Modus zwölf Monate lang unterstützen möchte.

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3 thoughts on “Homefront: The Revolution – Nur teilweise revolutionär (Review)”

  1. Eine Zeit lang hat’s mich echt gefesselt aber auch nur wenn ich heimlich vorgegangen bin… Doch dank der ständigen Ruckelei, den miserablen gunfights, der grauenhaften Motorrad Steuerung und der gewöhnungsbedürftigen Kletterei hab ich’s dann doch lieber verkauft und mir Overwatch zugelegt…^^

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