FIFA 12 Review

Review by Rob

… das alljährliche FIFA-Update steht an mag sich der eine oder andere gedacht haben, aber der Neuling aus dem Hause EA Sports ist mehr als das. Das Spiel ist eine positive Weiterentwicklung von einem bereits (für mich: sehr) guten FIFA 11, und dürfte in diesem Jahr wohl unter meinen ins gesamten “Top 5”-Games zu finden sein.

# Grafik:
EA hat das Rad nicht neu erfunden, soviel muss klar sein. Aber die Spielerdarstellungen wirken insgesamt wesentlich besser als beim Vorgänger, und ich habe auch den Eindruck, dass die Zuschauerkulisse aufpoliert wurde. Hier ist vom optischen her der Unterschied zum Vorgänger kaum merklich, ABER: Das Bett, in dem das Spiel liegt, hat EA äußerst ansprechend gemacht. Kleine Einspieler vor Spielbeginn, nach verpassten Chancen oder Toren lassen das Spiel in einem besseren Licht scheinen, als es beim Vorgänger der Fall war. Ob in diesem Bereich in 12 Monaten aber soviel an der Grafik hätte geschraubt werden können, weiß ich nicht, warum also EA einen Vorwurf daraus machen?

# Kommentare:
Eine der Baustellen, die ich bei FIFA 12 ausmachen kann. Die Auswahl der Kommentatoren ist die eine Sache, hier könnte man sich doch etwas mehr Emotionen wünschen. Zum Vergleich: Die Kommentatoren in der Demo haben mich wesentlich mehr gefesselt/ mitgerissen, als es Breuckmann und Buschmann tun, aber das ist Geschmackssache. Die andere Sache sind die Kommentare an sich – die sind nämlich gefühlt alle aus FIFA 11 übernommen, und mit dem einen oder anderen Spruch ergänzt worden. Auch das mag Geschmackssache sein, aber hier sehe ich, wie gesagt, einen berechtigten Kritikpunkt am Spiel.

# Gameplay:
#.1 Tactical Defending – Hier eine gerechte Beschreibung zu liefern, ist doch etwas schwierig. Bei der Demo klappte es relativ gut, im Spiel selber dann gar nicht. Statt Spielspaß war bei mir eher Frust angesagt, aber das Spiel nur deshalb zu verreißen wäre zu kurz gedacht, es liegt sowohl am Spiel wie es auch am Spieler liegt. Das Problem liegt darin, dass man von FIFA 10 und FIFA 11 verwöhnt wurde, da man nur eine Taste gedrückt halten musste. Der Wechsel zum neuen System kommt recht abrupt, es gibt nur als Auswahlmöglichkeiten “mit” bzw. “ohne”, aber leider nicht “semi” oder “mit Hilfe”, um den Spieler mit KI-Unterstützung an das neue System heranzuführen.
“PC bzw. Konsolenspiele fördern das Reaktionsvermögen” wird gelegentlich behauptet – und Tactical Defending trainiert eben genau dieses Reaktionsvermögen. Je mehr man spielt, desto eher bekommt man ein Gefühl für den richtigen Einsatz der gegebenen Möglichkeiten – Realismus und mehr Freiheit auf Kosten einiger bitterer Lehrstunden durch die KI bzw. den Onlinegegner. Auf der anderen Seite: EA hat auf das Konzept “learning by doing” gesetzt-und so funktioniert menschliches Lernen außerhalb der virtuellen Welt ja schließlich auch.

#.2 Precision Dribbling – Um ehrlich zu sein, ich weiß nicht einmal ob ich es schon bewusst verwendet habe. Prinzipiell muss ich aber sagen, dass das Dribbling enorm verbessert wurde und richtig Spaß macht. Allerdings ist mein Eindruck der, dass sich die KI zum Teil dem Spiel verweigert – ein Ärgernis, dass auch schon im Vorgänger zu beobachten war.

#.3 Impact Engine – Sie ist da, sie macht das Spiel lebendiger und auch realistischer in fast allen Spielsituationen. Ob allerdings (so passiert) in einem Spiel zwei Spiele sich das Knie verstauchen und einer die Rippen bricht – mir würde auf die Schnelle kein reales Spiel einfallen wo das passiert ist. Auf der anderen Seite – ist ja auch “nur” ein Spiel ;). Leider wirkt die Engine in manchen Situationen noch unausgereift – hoffentlich bessert EA da noch einmal nach.

Was beim Gameplay noch auffällt ist der Schwierigkeitsgrad. FIFA 12 prüft zu Beginn die FIFA 11 Trophäen und behauptete in meinem Fall, ich sei ein erfahrener Spieler. Nun bin ich gewiss kein unerfahrener oder sehr schlechter Spieler, aber dass ich ungefragt auf “Weltklasse” gestartet bin hat mich irritiert – vor allem, weil ich erst vor ein paar Stunden den Grund für meine andauernde Niederlagenserie im Schwierigkeitsgrad gesucht habe.
“Profi” ist schon echt knackig zum Einstieg, “Halb-Profi” dann auf der anderen Seite für mich persönlich nicht zu fordernd. Das Spiel macht noch Spaß, wirkt aber dann Phasenweise schon zu einfach. Wie gesagt – unangenehm fällt die eigene KI auf, die häufig nicht wirklich mitspielt. Sehr gelungen finde ich die gegnerische KI, die Fehler zum größten Teil ordentlich bestraft, man wird zur durchdachten, überlegten und koordinierten Spielweise erzogen. Ob sich das bei einem Onlinegegner, der nur “kick and rush” Kontertaktiken fährt noch auszahlt vermag ich nicht zu beurteilen.

# Spielmodi:
Das althergebrachte System. Ein Onlinemodus zu dem ich noch nichts sagen kann, da ich erst in zwei Wochen wieder dem heimischen Internet frönen kann, aber von dessen Neuerungen ich mir viel erhoffe. Leider wird (aber ich kann mich auch sehr gut irren!) wohl wieder so sein, dass man Online fast nur auf Barca, Arsenal, ManU, Real, Chelsea, Spanien und die DFB-Auswahl treffen wird – langweilig, wenn man auch mal mit Außenseitern/ Exoten spielen will.
Offline ist alles dabei – Karriere, be a Pro, Freundschaftsspiele, Turniere, das Standardprogramm mittlerweile. Da wird nichts falsch gemacht, der Karrieremodus wurde ordentlich verbessert meiner Meinung nach, da gibt es keinen Anlass zur Kritik.

FIFA 12 – ein gelungenes Spiel. Warum dann nur 4 Sterne bei Spielspaß und Bewertung? Darum:

Ich hab mich gefragt (und ich tue es immer noch), wohin EA will. Der Casual Gamer, der gerne mal Fußball zockt und FIFA mag, steht hier vor einem Problem. Wer nur Abends mal eben 2-3 Runden zocken will, tut sich mit dem Tactical Defending sehr schwer. Klar, man kann die Steuerung umstellen – was macht aber besagter Casual Gamer, wenn er gerne online zockt? Oder in meinem Fall – man selber zockt schon häufiger und arbeitet sich in die Steuerung hinein, aber wenn man mal mit Freunden zockt?
Ehrliche Frage, da ich es nicht weiß: Kann im Offlinemodus bei einem 1 vs 1 ein Spieler mit Tactical Defending spielen, und einer ohne?
EA stellt hier die Fans meiner Ansicht nach vor die Wahl – entweder ihr zieht mit, und müsst (wie alle anderen) lernen wie die Neuerung funktioniert, ob ihr die Zeit habt euch da Stunden hinzusetzen (unterschiedliches Lerntempo etc.), oder ihr habt nur Offline den alten Spielspaß. Das aber ist ein Ansatz, den ich persönlich für fragwürdig halte, denn damit kann man sich unter Umständen evtl. auch langjährige Fans vergraulen. Aber das ist nur meine Meinung, und vielleicht liege ich ja auch falsch.


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