F1 2017 – Raffiniert verbessert und beinah perfekt (Review)

Codemasters geht mit einem neuen Renntitel an den Start und beweist auf gekonnte Weise, wie ein Spiel in diesem Genre sein muss. Wir haben uns „F1 2017“ genauer angeschaut und wollen euch unsere Eindrücke natürlich nicht vorenthalten.

F1 2017

In diesem Jahr dürfen sich Rennspiel-Fans auf eine Vielzahl an neuen Titeln freuen. Dazu zählt natürlich in erster Linie „Gran Turismo Sport“, aber auch „Project CARS 2“ sollte man auf dem Radar haben. Hinzu kommen weitere Projekte wie beispielsweise „WRC 7“. Obwohl „F1 2016“ ein ansehnliches Ergebnis erzielen konnte, scheinen nicht alle Rennspiel-Enthusiasten die Fortsetzung im Auge behalten zu haben. Definitiv zu Unrecht. Denn der diesjährige Ableger hat aus den „Fehlern“ der Vergangenheit gelernt und alles besser gemacht.

Die Spieler profitieren auch in diesem Jahr von den offiziellen Lizenzen, dank denen alle offiziellen Fahrer, Teams, Boliden und Strecken der Saison 2017 zum Repertoire von „F1 2017“ gehören. Hinzu kommen zwölf ikonische Wagen der letzten 30 Jahre. Zudem haben die Entwickler den Multiplayer verbessert und die Kampagne umfangreich erweitert. Im Großen und Ganzen handelt es sich sogar um das umfangreichste offizielle F1-Videospiel, das bisher auf dem Markt ist. Soweit so gut. Schauen wir nun aber auf die Details.

Zeit für Vollgas!

Ein Rennspiel steht und fällt mit dem Fahrmodell. Fühlt es sich falsch an oder funktioniert es einfach nicht, kann man den Spieler auch nicht überzeugen. Dem ist sich auch Codemasters bewusst und hat daher erst gar keine Mängel zugelassen. Aufregend ist vor allem der nochmals verbesserte Kontakt zwischen Reifen und Fahrbahn. Dadurch lassen sich die Boliden mit noch mehr Wucht durch die Kurve jagen und das mit einer extrem hohen Geschwindigkeit. Hat man sich nach ein paar Runden ein gutes Gefühl dafür angeeignet, macht das verdammt viel Spaß. Der gelungene Grip sorgt nicht nur für Vergnügen, er erzeugt auch das Gefühl, die Boliden leichter unter Kontrolle zu haben. Wir würden zwar nicht unbedingt sagen, dass der Titel leicht zu spielen ist, Anfänger sollten aber recht schnell klarkommen.

Anspruchsvoller wird es bei Regen. Selbst wenn man Fahrhilfen aktiviert hat, muss man gegen einen verlängerten Bremsweg und gegen Aquaplaning kämpfen. Somit wird „F1 2017“ nicht nur herausfordernder, es wirkt auch realistischer. Dabei behilflich ist das sehr gelungene Gefühl für die Geschwindigkeit. Man kauft es dem Titel schlichtweg ab, gerade mit um die 300 Kilometer pro Stunde über die Zielgerade zu fahren. Zusammenfassend dürfen wir uns erneut über eine gelungene Mischung aus Simulation und Arcade freuen. Was überwiegt, ist abhängig von den aktivierten Fahrhilfen. So ist der Titel für Anfänger und Veteranen geeignet. Alles in allem haben wir also ein in sich stimmiges Grundgerüst.

F1 2017

Rollenspiel trifft Rennspiel?

Das Herzstück von „F1 2017“ ist wie im Vorgänger der Karrieremodus. Hier sucht man sich zu Beginn ein beliebiges Team aus und legt dann sofort los. Sollte man direkt bei den ganz Großen einsteigen wollen, muss man sich allerdings auf anspruchsvollere Ziele einstellen. Die Präsentation fällt in diesem Modus mal wieder verdammt gut aus. Zwischen den Rennen finden wir uns an verschiedenen Orten wieder, wo man sich eine Vielzahl an Informationen aneignen kann. Man sieht seine Ziele, den Stand im Kampf mit dem Rivalen, einige Neuigkeiten und so weiter. Schön anzusehen sind vor allem die Gespräche mit Personen wie dem Entwicklungsleiter, der euch nützliche Updates gibt. Im Endeffekt ist die Präsentation in dieser Hinsicht also vollkommen gelungen und auch zweifellos lobenswert. Man kann sich übrigens auch wieder einen eigenen Charakter erstellen. Das ist zwar ganz nett, aber nicht wirklich von Bedeutung. Nichtsdestotrotz ein schönes Feature.

Abseits der Strecke gibt es aber noch etwas zu erledigen. Während der gesamten Saison arbeitet man nämlich zusammen mit seinem Team am eigenen Rennboliden. Das beginnt beim Probieren neuer Reifenmischungen und endet in der Weiterentwicklung kompletter Fahrzeugteile. Auffällig ist insbesondere das spürbar überarbeitete Forschungs- und Entwicklungssystem, das aufgrund seiner Komplexität jetzt sehr an ein Rollenspiel erinnert. Über 100 unterschiedliche Punkte besitzt der Tech-Baum von „F1 2017“, der sich in verschiedene Bereiche aufteilt. Da die anderen Teams ebenfalls am eigenen Baum werken, entwickelt sich eine taktische Komponente von maßgeblicher Bedeutung. Vor allem aus dem Grund, dass man selbst den Anschluss nicht verlieren möchte.

Es sollte nicht überraschen, dass man für das Forschungs- und Entwicklungssystem spezielle Punkte benötigt. Diese erhält man hauptsächlich in den einzelnen Trainings-Programmen. In diesen muss man beispielsweise die Ideallinie möglichst effektiv fahren oder versuchen, so wenig Sprit wie möglich zu verbrauchen. Das sorgt nicht nur für Abwechslung, die Trainingseinlagen vor der Qualifikation ergeben somit auch deutlich mehr Sinn und es wird ein Anreiz geschaffen, sie zu absolvieren. Man lernt nicht nur die Strecke kennen, sondern kann zugleich etwas für seinen Rennboliden unternehmen. Falls das alles etwas zu unübersichtlich ist, können sich die Neulinge dank zahlreicher Tutorials nützliche Informationen aneignen.

Strafen müssen sein

Egal ob wir in der Karriere unterwegs sind oder einfach nur ein beliebiges Rennen fahren, „F1 2017“ bietet mal wieder ein Strafsystem. Codemasters hat dieses Mal aber spürbar an die Spieler gedacht. So bringt das Schneiden von Kurven nur dann negative Folgen mit sich, wenn es sich um ein schweres Vergehen handelt. Zwar ist das nicht so richtig realistisch, aber dafür bleibt der Spielspaß erhalten. Einen Frei-Fahrt-Schein hat man hierdurch aber nicht. Wer aggressiv über die Strecke rast und keine Rücksicht auf die anderen Fahrer nimmt, muss mit Konsequenzen rechnen. Das System ist aber ohne Zweifel nachvollziehbar und wirkt meistens fair. Gelegentlich wird zwar der Spieler bestraft, wenn die KI-Fahrer einem ins Heck ballern, das lässt sich aber verkraften.

Die Schwierigkeit der Gegner lässt sich nun deutlich präziser einstellen. Während man im Vorgänger die Wahl zwischen sieben verschiedenen Stufen hatte, kann man in „F1 2017“ auf eine Skala zurückgreifen, die bis Stufe 110 reicht. Natürlich ist der Unterschied zwischen beispielsweise 56 und 57 nicht zu spüren, dennoch ermöglicht dieses Feature eine deutlich feinere Abstufung. Und je schwieriger es wird, desto härter wird der Kampf ums Podium. In den unteren Stufen orientiert sich die KI an der Ideallinie. Irgendwann wagen sie aber auch sehr riskante Überholmanöver, die stellenweise sogar etwas überraschend sind. Für eine Herausforderung haben die Entwickler demnach gesorgt.

F1 2017

Die guten Klassiker

Wie bereits weiter oben angesprochen, beinhaltet das Rennspiel zwölf ikonische Boliden aus den letzten 30 Jahren. Um diese geschickt einzubauen, haben die Entwickler sogenannte Einladungsevents erschaffen. In diesen nimmt man in einem bestimmten Klassiker Platz und muss eine vorgegebene Aufgabe erfüllen. So gilt es innerhalb einer festgelegten Zeit eine gewisse Anzahl an KI-Fahrer zu überholen – um jetzt nur ein Beispiel zu nennen. Insgesamt stehen 20 verschiedene Events zur Verfügung, in denen ihr unter anderem den Williams FW 14B oder den Red Bull Racing RB6 von 2010 fahren könnt. An sich ist das eine schöne Sache, die vor allem für Abwechslung und obendrein für eine kleine Auflockerung sorgt. Besonders amüsant: Obwohl die Namen der KI-Fahrer überwiegend fiktiv sind, tauchen gelegentlich bekannte Größen wie Michael Schumacher auf.

Mit weniger Action muss man im Online-Part rechnen. Aufgrund einer geringen Anzahl an Spielern war es echt schwer, volle Server zu finden oder überhaupt ein Spiel zu starten. Somit können wir diesbezüglich auch recht wenig sagen. Man kann aber eine private Lobby erstellen, wo dann mehrere Einstellungsmöglichkeiten gegeben sind. Im Endeffekt ist das aber nur nützlich, wenn man genügend Spieler kennt, die auch mitspielen möchten.

Solide Leistung

Kommen wir abschließend zur Technik, die ein ordentliches Ergebnis abliefert. Sehenswert sind die detailreichen Fahrzeuge und die gelungenen Licht- sowie Schatteneffekte. Zusätzlich ist der Regen ansprechend animiert, sodass ein passendes Feeling aufkommt, sollte die Sonne mal verschwinden. „F1 2017“ bietet obendrein ein überarbeitetes Schadensmodell und kann nebenbei gesagt mit einem tollen Abnutzungssystem der Reifen überzeugen. Auf ganzer Linie überzeugen, kann der optische Aspekt allerdings nicht. Wie so oft wirkt die Umgebung abseits der Strecke kaum lebendig und eher langweilig, was bei einem Rennspiel aber beinah zum Standard gehört. Eine völlige Katastrophe sind die Animationen vieler Gesichter. Hier müssen die Entwickler im nächsten Ableger definitiv nachbessern. Ein totaler Reinfall ist die Angelegenheit aufgrund dessen jedoch nicht.

F1 2017

Soundtechnisch sieht es dann aber wieder gut aus. Die Motorengeräusche sind imposant und auch sonstige Effekte wirken realistisch. Es wird also ein gutes Bild vermittelt, was letztendlich für ein authentisches Erlebnis sorgt. Zudem erwähnenswert sind die Kommentatoren. Mit Heiko Wasser und Stefan Römer sind nämlich zwei bekannte Gesichter bzw. Stimmen aus der realen Formel-1 mit an Bord. Sie melden sich nicht nur mit passenden, sondern auch mit recht interessanten Anmerkungen zu Wort.

Fazit

Mit „F1 2017“ geht Codemasters weiter auf die Perfektion zu. Sicherlich wäre es etwas übertrieben, wenn wir sagen würden, der Titel wäre das beste Rennspiel aller Zeiten. Dennoch kann man hier nicht wirklich etwas verkehrt machen. Man hat alle offiziellen Lizenzen, zahlreiche Anpassungsmöglichkeiten, eine motivierende Karriere und und und. So richtige Mängel konnten wir während unserer Testphase nicht feststellen. Lediglich gab es hier und da ein paar Kleinigkeiten, die man noch verfeinern könnte, allerdings ist das ein Beanstanden auf hohem Niveau. Wer also ein erstklassiges Rennspiel sucht, kann bei „F1 2017“ bedenkenlos zuschlagen. Und auch wenn man bereits den Vorgänger besitzt, ist der Titel einen Blick wert.

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