Es geht wieder los – Killerspiele sollen Amokläufer inspirieren

Nach den Ereignissen in München entfacht Bundesinnenminister Thomas de Maizière erneut die Debatte um die sogenannten Killerspiele. Videospiele mit einer Gewaltdarstellung beeinflussen die Entwicklung von Jugendlichen und können Amokläufer bei ihren Taten inspirieren.

Call_Of_Duty_Advanced_Warfare_Karte_2

Eigentlich hat man gedacht, dass diese Diskussion bereits abgeschlossen ist und der Vergangenheit angehört. Scheinbar ist das nicht der Fall. Denn Thomas de Maizière fordert nach dem jüngsten Amoklauf in der bayrischen Landeshauptstadt eine stärkere Debatte um Videospiele, um sogenannte Killerspiele. Der Grund für diese Forderung sei der Umstand, dass man auf der Festplatte des Täters gewaltverherrlichende Spiele gefunden hätte. Von Seiten de Maizière heißt es unter anderem wie folgt:

„[Es ist klar, dass das] unerträgliche Ausmaß von gewaltverherrlichenden Spielen im Internet auch eine schädliche Wirkung auf die Entwicklung von Jugendlichen hat. Das kann kein vernünftiger Mensch bestreiten.“

Damit wird eine Diskussion wieder zum Leben erweckt, die seit dem Amoklauf von Winnenden im Jahr 2009 nicht mehr innerhalb der breiten Öffentlichkeit geführt wurde. Dass man aber auch damals zu keinem Ergebnis kam, liegt wohl an den fehlenden Beweisen, die derartige Thesen bestätigen können.

Keine empirische Daten

Tatsächlich sind die Auswirkungen von Videospielen, besonders derartige, die solcherlei Taten bewirken könnten, mehr als unklar. Es gibt zahlreiche Studien auf diesem Gebiet, von denen einige behaupten, gewaltverherrlichende Spiele würde eine Ursache darstellen. Andere wissenschaftliche Untersuchen konnten jedoch keinen entsprechenden Zusammenhang herstellen. Eine Person, die an der Universität Duisburg-Essen zur Wirkung von Computerspielen forscht, ist Medieninformatiker Maic Masuch. In Bezug auf die Forderungen von de Maizière betonte auch Masuch, dass kein vernünftiger Wissenschaftler das mit einer solchen Sicherheit behaupten könne. Folglich könne das auch kein Minister sagen, schlussfolgert der Medieninformatiker. Des Weiteren stellt er klar, es fehlen empirische Grundlagen, um die geäußerten Thesen zu untermauern. Alles in allem gibt es scheinbar für jede Studie, die bescheinigt, dass Videospiele zu Gewalt führen, auch mindestens eine Untersuchung, die das widerlegt. So auch eine Langzeitstudie der Universität Bielefeld, die zum folgenden Ergebnis kommt:

„Der Konsum von Gewaltmedien führt erwartungsgemäß zu keiner direkten Verstärkung der Gewaltdelinquenz, allerdings zu einer Verstärkung von Einstellungen, die gewalttätiges Verhalten befürworten.“

Aber allein die Verbreitung von Produkten aus der Videospiel-Industrie sollte nachvollziehbare Beweisen gegen eine direkte Einflussnahme liefern. Zwar ist bereits ein Amoklauf zu viel, dennoch ist die Anzahl insgesamt sehr gering. Bei einer Reise durch das Zuhause der Deutschen würden sich nämlich in unzähligen Fällen Computerspiele finden lassen. Wenn man darüber hinaus noch spekulieren würde, wie häufig man hierbei auch auf gewaltverherrlichende Titel treffen würde, müsste es logischerweise täglich Meldungen über furchtbare Taten geben. Dem ist zum Glück aber nicht so, was im Grunde auch verständlich ist. Denn die Branche wächst nicht grundlos so enorm. Videospiele ermöglichen dem Spieler in eine virtuelle Welt einzutauchen, in der er Dinge machen kann, die im normalen Leben nicht möglich wären.

Das können bereits recht banale Aktivitäten sein, wie mit einem Motorrad über eine Rennstrecke zu fahren. Aber auch Reisen in andere Welten faszinieren immer wieder Spieler. Der Markt ist inzwischen so vielfältig, dass es scheinbar alles gibt, was man sich nur vorstellen kann. Logischerweise gibt es da auch Videospiele mit gewaltverherrlichenden Szenarien.

Minecraft_Wallpaper

Ist Minecraft böse?

Die Spieler sind aber in der Lage, die virtuelle von der realen Welt zu unterscheiden. Wer also in „Grand Theft Auto 5“ ständig damit beschäftigt ist, Autos zu klauen, wird im echten Leben nicht plötzlich auf die Idee kommen, die Fahrzeuge seiner Nachbarn rechtswidrig zu entwenden. Wer regelmäßig „Call of Duty“ spielt, geht nicht unerwartet auf die Straße und beginnt auf fremde Personen zu schießen. Wer in „Counter Strike“ die Terroristen spielt, wird doch auch nicht automatisch Terrorist und platziert irgendwo Bomben. Aber auch das viel gelobte „Minecraft“ verherrlicht Gewalt. Oder wie würde man den Umstand beschreiben, bei dem die Figur des Spielers mit einem Schwert auf Kreaturen wie Zombies oder Spinnen einschlägt?

Sollten Videospiele tatsächlich einen derartigen Einfluss haben, müssten die Redakteure der unzähligen Internetseiten, die über Spiele berichten, pausenlos Gewalt verbreiten. Der direkten Zusammenhang zwischen Amokläufen und Computerspielen scheint wohl etwas weit hergeholt zu sein. Natürlich können viele Titel auch die Entwicklung vor allem von Kindern und Jugendlichen beeinflussen. Nicht umsonst fertigt die Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle, kurz USK, für jedes Produkt aus dieser Branche, das in Deutschland auf den Markt kommt, ein entsprechendes Alterskennzeichen an. Diese werden gemäß § 14 JuSchG erstellt. Dennoch liegen die Ursachen für Gewalttaten wohl nicht direkt bei den Videospielen.

Was ist mit dem sozialen Umfeld?

Es spielen hierbei nämlich unzählige Aspekte eine Rolle. Allein das soziale Umfeld hat enorme Auswirkung auf die Entwicklungsphase von heranwachsenden Menschen. Wie sind die Leistungen in der Schule? Wie hoch ist der Druck, der vom Elternhaus ausgeht? Wie ist die Beziehung zu den Eltern generell? Hat die Person viele Freunde oder wird sie vielleicht gemobbt? Diese Liste könnte man in die gefühlte Unendlichkeit fortsetzen. Es ist zusammenfassend wohl sogar etwas dreist, die Schuld allein auf Videospiele schieben zu wollen. Sie könnten lediglich als Katalysator eingestuft werden, von denen es im Leben eines Menschen aber noch unzählige weitere geben kann. Des Weiteren sind wir so vielfältig, dass man in dieser Hinsicht nicht gerade in der Lage ist, etwas zu verallgemeinern. Gleiches gilt auch für Videospiele.

Ein großes Merkmal von ihnen ist nämlich ihre Interaktivität, wodurch ein Shooter nicht gleich ein Shooter ist. Spiele unterscheiden sich voneinander, auch wenn sie dem gleichen Genre angehören. Auch gibt es Titel, deren Intensität von Gewalt abhängig von der Spielweise des Spielers selbst ist. So ist es immer wieder möglich, einen bestimmten Abschnitt in einem Videospiel still und heimlich abzuschließen, ohne eine einzige Person zu töten. Alternativ kann man aber auch blind losstürmen und alles wegballern, was einem in den Weg kommt. Diese Vielfältigkeit macht die Branche so spannend.

Jäger_BildZwar wurde es nicht gefordert, aber wenn man die sogenannten Killerspiele, wie auch immer diese definiert werden, verbieten würde wollen, dann müssten darüber hinaus viele weitere Aktivitäten untersagt werden. Beim Paintball verschießt man lediglich Farbkugeln, dennoch schießt man auf Menschen. Ist das nicht gewaltverherrlichend? In den zahlreichen Schützenvereinen schießt man zwar nicht auf Menschen, dennoch werden hier echte Waffen benutzt. Ist hier kein Zusammenhang herstellbar? Geschossen wird auch in zahlreichen Sportarten, die auch als olympische Disziplinen zählen. Dann müsste man diese vielleicht auch verbieten? Und nicht zu vergessen sind die Jäger, die in Deutschland den Wildbestand kontrollieren sollen. Hier kommen auch Schusswaffen zum Einsatz!

Es sind eh alle zu fett

Der Inhalt von Videospielen besteht nicht immer nur aus hübschen Blümchen. Es kommt auch ständig zu Gewalt. Das sollte uns allen klar sein. Dennoch sollte man sich abgewöhnen, einen Zusammenhang zwischen Computerspiel als Ursache und Gewalt als daraus resultierender Wirkung herstellen zu wollen. Man sollte vielmehr darüber nachdenken, dass es vielleicht Ursachen gibt, die einen deutlich größeren Einfluss haben. Außerdem besagt eine Studie, über die die Kollegen von Der Postillon bereits 2011 berichtet haben, dass vier von fünf Killerspiele-Spielern zu fett für ein Amoklauf seien. Von den Gamern scheint demnach wohl keine Gefahr auszugehen.

 

 

Teilen
onpost_follow

3 thoughts on “Es geht wieder los – Killerspiele sollen Amokläufer inspirieren”

  1. mein gott ist nur ein spiel die leute die nicht wissen was real ist und virtual eckeln mich an meine fresse mal ganz ehrlich ich bin schon 11 jahre lang in der EGO SHOOTER SZENE und bin auch noch nie amok gelaufen mein gott bald wird ja alles verboten

  2. Boah so ein Bullshit was die sich immer ausdenken. Egoshooter bringen Terroristen raus… Need for Speed bringt Raser raus… wer Doktor Bibber spielt denkt sofort er wäre ein Arzt oder wie? Man die sollen sich mal mit den wirklichen Ursachen wie psychischen Problem etc. auseinandersetzen..

Kommentar verfassen

Loading Facebook Comments ...