ALIEN ISOLATION (Review) | Mir stockt der Atem

Es gibt einige Dinge, die sich seit den 80er Jahren nicht geändert haben – das futuristische Art-Design von damals sieht auch heute noch cool aus, das Alien ist noch genauso angsteinflößend und im Weltraum hört dich auch nach wie vor niemand schreien.

Alles begann mit einem Kinofilm
1779 bringt Regisseur Ridley Scott den Science-Fiction-Horrorfilm „Alien“ in die Kinos und kreiert damit einen der visuell beeindruckendsten Filme seiner Zeit. Außerdem legte er mit „Alien“ den Grundstein für eine sehr erfolgreiche Reihe von Science-Fiction Filmen mit Sigourney Weaver als Ellen Ripley in der Hauptrolle. Weaver war übrigens die erste Frau, die im Kino einen Durchbruch in Genre der Actionfilme schaffte. Dieses Jahr feiert der erste Film sein 35 Jubiläum mit einem ganz besonderen, von Sega entwickelten Survival-Horror-Spiel – ALIEN ISOLATION. Das Spiel greift nicht nur das Art-Design und einige bekannte Figuren des Films auf, sondern führt ihn regelrecht fort.

Die Geschichte von Ellen und Amanda Ripley
15 Jahre sind seit den tragischen Ereignissen auf der Nostromo vergangen. Eine bis dahin unbekannte Lebensform, das Alien, ist auf einem fremden Planeten an Bord des Schiffes gelangt und hat die Besatzung einen nach dem anderen getötet. Nur Ellen Ripley, als einzige aus ihrer Crew übrig geblieben, überlebt. In ALIEN ISOLATION spielen wir Ellen Ripleys Tochter, Amanda. Sie hat, nach all den Jahren in denen ihre Mutter als verschwunden gilt, noch immer die Hoffnung, dass sie noch am Leben ist. Dann wird ihr die Information zugespielt, dass der Flugschreiber der Nostromo, dem Schiff auf dem ihre Mutter Offizier war und sich das tragische Ereignis zugetragen hat, nicht mit ihm zerstört wurde, sondern jetzt gefunden wurde. Man hat ihn auf die Raumstation Sevastopol gebracht, um ihn zu untersuchen. Amanda ergreift die erstbeste Gelegenheit, um mit einem Team zur entlegenen Raumstation zu reisen und Hinweise auf den Verbleib ihrer Mutter zu finden. Als sie dann aus dem Kälteschlaf erwacht, kommt alles ein bisschen anders als erhofft. Die Raumstation Sevastopol ist in einem schlechteren Zustand als gedacht und zerfällt zunehmend. Ein Großteil der Bevölkerung ist geflohen oder tot und die wenigen Überlebenden sind fast wahnsinnig vor Angst, weil das Alien in den Gängen der Station wütet.

Wir steuern Amanda in der Ego-Perspektive durch die finsteren Gänge der Raumstation Sevastopol und merken sehr schnell, dass etwas nicht stimmt. Zuerst wirkt die Station verlassen doch dann stoßen wir auf Zeichen der Zerstörung und dass sie fluchtartig verlassen wurde. Als wir die ersten in Leichensäcke gehüllten Körper finden wird klar, hier ist etwas ganz und gar nicht in Ordnung. Zu allem Unglück wird ein Teammitglied schwer verletzt und von Amanda getrennt. Sie ist also ganz auf sich alleine gestellt und muss versuchen am Leben zu bleiben, medizinisches Material zu finden, zurück zu ihrem Team zu finden und sich von den verängstigten Bewohnern fern zu halten, die auf alles schießen, was sich bewegt.

Gameplay – Das Prinzip der Angst
Als Redakteur muss ich mich fragen, wie entsteht die Angst, die ich beim spielen empfinde. Tatsächlich ist die Angst in ALIEN ISOLATION allgegenwärtig, aber immer dann am stärksten, wenn das Alien nicht zu sehen ist. Das sind Momente in denen ich der unglaublich gut gelungen Geräuschkulisse lausche. Man muss fast so weit gehen zu sagen, Hauptperson sind weder Amanda noch das Alien, sondern die Raumstation Sevastopol. Die dichte Atmosphäre entsteht durch das gelungene Zusammenspiel des Art-Designs, der Beleuchtungseffekte und den Geräuschen. Die Station lebt, sie atmet, sie stöhnt, sie bricht stellenweise auseinander und lässt mich als Spieler ständig innehalten und lauschen. Was war das für ein Geräusch? War das das Alien? Ein Großteil der Zeit verbringe ich in ALIEN ISOLATION geduckt, oft sogar versteckt unter einem Tisch oder in einem Schrank. Wer überleben will muss nicht nur leise und klug sein, sondern seine Wege planen und jede Möglichkeit zum verstecken nutzen. Entwickler Sega hat seine Versprechungen wahr und den Xenomorph so furchteinflößend und unberechenbar gemacht, wie nur möglich. In anderen Spielen können wir Gegner beobachten und Ihre Verhaltensmuster und Wege lernen – nicht so die des Alien. Es ist intelligent und stellenweise wirklich gemein. Momente der Angst entstehen also auch, wenn wir in einer dunklen Ecke hocken und panisch auf den grün flimmernden Monitor unseres Motion-Trackers blicken und einen Punkt auf uns zukommen sehen. Der Motion-Tracker ist eins der wichtigsten Tools, die Amanda auf ihren Streifzügen durch die Sevastopol findet. Er zeigt jede Bewegung in der näheren Umgebung auf seinem Bildschirm an. Schlau wie das Alien ist, bewegt es sich allerdings nicht immer. Manchmal versteckt es sich nur und wartet… wartet, bis wir uns sicher fühlen, uns zu laut bewegen oder irgendetwas unbedachtes tun – und schlägt dann zu.

Horror für alle Sinne – Sehen, hören und spüren
So erleben wir während der ersten Schritte in der Station das gleiche Grauen wie Amanda. Wir wissen, dass es schlimmes passiert ist, aber nicht was. Wir wissen, dass ein Feind in den Gängen lauert, aber nicht wann er sich zeigt. Mit einem Gefühl aus Faszination durch die unheimlich dichte Atmosphäre, nackter Angst und der Bewunderung des Art-Designs schleichen wir so durch die Station. ALIEN ISOLATION ist ein Survival-Horror-Spiel und wir merken sehr schnell, wie schwierig das Überleben ist, wenn ein uns nicht nur körperlich völlig überlegener Feind jagt. Der eigentliche Horror des Spiels entsteht allerdings in den Momenten, in denen wir das Alien nicht sehen und nicht von ihm gejagt werden. Hier leistet die Geräuschkulisse von ALIEN ISOLATION brillante Arbeit. Wenn sich das Alien durch die Lüftungsschächte in den Decken oder in den Wänden bewegt klingt das einfach großartig.

Tolles Art-Design wohin das Auge schaut
Grafisch orientiert sich ALIEN ISOLATION wie bereits gesagt am „Alien“ Film von Ridley Scott. Es greift den Charme der alten Science Fiction perfekt auf und transferiert ihn ins Videospiel. Ob das nun die alten Röhrenmonitore, die Schalttafeln mit unzähligen Knöpfen, die Gänge der Raumstation voller Rohre und Anzeigen oder die Beleuchtung der Sevastopol ist. Alles wirkt stimmig, wie aus einem Guss und dank knackig scharfer Texturen, toller Licht- und Raucheffekte verdammt realistisch. Dabei stiehlt die Raumstation dem toll entworfenen Alien fast die Show. Das Alien wirkt dank der tollen Animationen sehr raubtierhaft und gefährlich. Mal schleicht es leise einen Gang entlang, mal poltert es fauchend in einen Raum hinein und mal lauert es kopfüber und sabbernd in einem Lüftungsschacht. Es sieht absolut klasse aus und jagt uns eine Heidenangst ein – bei jeder Begegnung.

Gameplay – Waffen und Ausrüstung
Im Laufe des Spiels sammeln wir neben dem Motion-Tracker aber allerhand nützliches Equipment und Waffen, die uns allerdings nur gegen andere Menschen oder Syntheten (Roboter) helfen können. Das Alien können wir zwar im weiteren Verlauf des Spiels mit einem Flammenwerfer kurz in die Flucht schlagen, aber nie ernsthaft verletzten oder gar besiegen. Gegen die menschlichen Widersacher ist unsere Ausrüstung aber mehr als nützlich. Neben einer Pistole finden wir auch einen Elektroschocker und verschiedene Teile aus denen wir Bomben und Geräuschmacher zur Abwechslung craften können. Sowohl die Handhabung der Waffen über ein Waffenrad, als auch das Craften im Menü funktionieren intuitiv und problemlos. Der Einsatz einer Waffe will allerdings gut überlegt sein, denn das Alien reagiert sensibel auf Geräusche durch ausgelöste Schüsse oder Explosionen. Das wir das auch taktisch einsetzen können, müssen wir im Laufe des Spiels lernen. Zu Amandas Ausrüstung gehört auch ein Gerät um Türen zu hacken. Das einfache Minispiel funktioniert so, dass wir in einem kurzen Zeitrahmen aus einer Liste von Symbolen ein Symbol nachbauen müssen. Nach kurzer Eingewöhnung spielt sich auch das sehr leicht und erstaunlich spaßig. Türen mit höherer Sicherheitsabfrage haben eine komplizierte Abfolge von Symbolen und sind dementsprechend schwieriger zu knacken.

Leveldesign und Speicherpunkte
Die Gänge und Ebenen der riesigen Sevastopol sind verzweigt und weitläufig. Eine Karte hilft bei der Orientierung. An bestimmten Terminals können wir unserer Karte Abschnitte hinzufügen, um sie zu updaten und schon zu wissen, was es an welchen Orten zu holen gibt, bevor wir sie erkunden. Die nützliche Karte zeigt nämlich auch die überaus wichtigen Computer-Terminals zum speichern des Spiels an. Wer sich anfangs noch über die teilweise recht nah beieinander liegenden Speicherpunkte wundert, wird später mehr als dankbar sein, wenn das Alien ihn jagt. ALIEN ISOLATION ist in den meisten Fällen schlauchig und lässt einen nur einen vorbestimmten Weg von A nach B gehen, weil andere Zugänge verschüttet, oder inaktiv sind. Fairerweise muss man zugeben, dass das Spiel mit Backtracking arbeitet und man besuchte Orte häufig mehrfach aufsuchen muss. Mit neuem Equipment sind nun aber auch alternative Wege möglich. Fühlt sich das Spiel also zu Beginn noch sehr schlauchig und einengend an, wird es später zunehmend offener, weil wir uns an bereits besuchte Orte erinnern und alternative Wege nutzen können, um dem Alien aus dem Weg zu gehen. Neben den normalen Gängen der Raumstation kann Amanda auch in Lüftungs- und Wartungsschächte klettern, um sich zu verstecken oder Konfrontationen aus dem Weg zu gehen.

Fazit – Angst haben kann auch Spaß machen
ALIEN ISOLATION ist ein großartiges Spiel, das aber nicht für jeden geeignet ist. Insbesondere Alien- und Science Fiction Fans werden voll auf ihre Kosten kommen und sich an dem tollen Art-Design des Spiels nicht satt sehen können. Die unglaublich dichte Atmosphäre die uns auch nach vielen Stunden im Spiel noch die Nackenhaare sträubt, entschädigt auch für das Backtracking und die Passagen, in denen das Alien scheinbar so unfair agiert, dass wir sie mehrfach spielen müssen. ALIEN ISOLATION will dabei gar nicht frustrieren, sondern motivieren. Wer sich auf die Versteck-Spiele des Alien einlässt wird irgendwann lernen, wann es wie reagiert, auch wenn es nie zu 100% vorhersehbar reagiert. Irgendwann lernen wir nur die Zeichen und Geräusche zu deuten und wissen, ob es sich entfernt und es sicher ist, unser Versteck zu verlassen. Auch Situationen, in denen wir eine Konfrontation provozieren, uns rechtzeitig verstecken und das Alien so auf menschliche Gegner jagen, machen unheimlich viel Spaß. Klar sein muss jedem nur, dass er eine Menge Geduld aufbringen muss, und nicht wie in einem First-Person-Shooter durch die Sevastopol marschieren kann. Verstecken und weglaufen gehören hier zum Pflichtprogramm, haben aber auch selten so viel Spaß gemacht und waren selten so gut inszeniert!



7 thoughts on “ALIEN ISOLATION (Review) | Mir stockt der Atem”

  1. Meiner Meinung nach eines der besten Spiele auf der GamesCom dieses Jahr, wo ich es anspielen durfte.
    Trotz meiner Begeisterung war ich vorsichtig und habe bisher den Kauf nicht gewagt, da ich einfach zu ungeduldig bin und mich das Spiel leicht frustrieren hätte können.
    Trotzdem schön zu sehen, dass wir bei Survival-Horror nicht nur zu Indie Games schauen müssen.

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