Wie Videospiele allmählich mit dem realen Leben verschmelzen

Wer sich früher mit Videospiele beschäftigt hat, wurde schnell als blasser Nerd abgestempelt, der sich in irgendeinem Keller isoliert. Heutzutage sind Videospiele etwas völlig Normales und gehören nicht nur zum Alltag. Sie verschmelzen mit ihm.

Wie Videospiele allmählich mit dem realen Leben verschmelzen

Als ich kürzlich meinen Nintendo 64 wieder zum Laufen gebracht habe, merkte ich nicht nur, was für ein geiles Teil das ist, sondern wie viel sich in den letzten Jahren verändert hat. Der Fortschritt der Technologie hat nicht nur die Grafik auf ein völlig neues Level gehoben, sondern auch komplett neue Gameplay-Mechaniken geschaffen. Sich mit Videospielen zu beschäftigen, ist Fluch und Segen zugleich. Man erlebt zwar eine Entwicklung mit, ist sich dem großen Ganzen aber nur geringfügig bewusst. Das liegt schlichtweg daran, dass die Angelegenheit nicht plötzlich, sondern schrittweise stattfindet.

Während ich also darüber nachgedacht habe, was sich so alles verändert hat, wurde mir bewusst, wie sehr sich Videospiele gewandelt haben. Und jetzt ist nicht die Rede von Grafik und so weiter. Vielmehr geht es mir um die eigentliche Nutzung. Die grundsätzliche Verwendung von Videospielen. Sie sind nämlich längst keine eigenartige Spielereien mehr. Und wir begegnen ihnen längst nicht nur mehr nur vor dem Bildschirm. Über die letzten Jahre hinweg haben sie sich deutlich gewandelt und sind eifrig dabei, mit der realen Welt zu verschmelzen.

Aus technischer Sicht hat sich der Begriff Videospiel nicht verändert. Heute wie auch früher handelt es sich um eine Software, die aus visuellen Inhalten besteht, mit denen wir interagieren können. Für die Spieler ist es dagegen eine spannende Möglichkeit, seine Freizeit zu gestalten. Sich quasi vom Alltag ablenken zu können. Problemlos in fremde Welten einzutauchen. Und für die Entwickler war es einst ein Beweis für die Dinge, die dank der damaligen Technologie möglich waren. Heute werden dagegen Millionen mit Videospielen generiert, sodass Kennzahlen wie Absatzzahlen, Umsatz und Gewinn von zentraler Bedeutung sind.

Actionfiguren bilden den Anfang

Genau hier müssen wir ansetzen. Ich wage nämlich zu behaupten, dass es den Verantwortlichen längst nicht mehr ausreicht, ein Spiel auf den Markt zu bringen. Es müssen weitere Wege geschaffen werden, noch mehr Geld zu verdienen. Die Einführung von DLCs und Mikrotransaktionen helfen dabei sehr, aber auch die Verknüpfung mit der realen Welt ist nichts grundsätzlich Neues. Merchandise-Artikel sind ein guter Ansatz, stellen aber nur eine schlichte Verknüpfung her. Den ersten großen Schritt leite somit die Erfindung von Toys-to-life ein. Man entwarf ein System, das die bereits vorhandenen, physischen Figuren mit dem Videospiel interagieren lassen. Auf diese Weise entwickelte sich das einstige Deko- und Staubfängerobjekt zu etwas, das man aktiv nutzt.

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In den ersten Jahren funktionierte dieser Ansatz sehr gut. So konnte man allein mit Skylanders innerhalb weniger Jahre einen Umsatz von drei Milliarden US-Dollar generieren. Das ist durchaus eine Summe, die sich sehen lassen kann. Andere Beispiele wie Disney Infinity oder Lego Dimensions belegen jedoch, dass Toys-to-life längst nicht mehr so gut funktioniert und sich langfristig wohl auch nicht mehr lohnt. Es müssen bzw. mussten also neue Wege erschlossen werden, damit die Geldquelle nicht versiegt. Wenig überraschend hat man tatsächlich andere Möglichkeiten gefunden.

Nintendo war schon immer innovativ

Dass man sich neben einer Konsole oder einem PC zusätzliche Hardware kaufen kann, ist nicht grundlegend neu. Zur Zeiten der PlayStation 3 veröffentlichte Sony beispielsweise die Move Controller und Nintendo bot uns mit dem Balance Board für die Wii eine neue Art, um mit dem Videospiel zu interagieren. Mit der Einführung von Nintendo Labo begeben wir uns aber auf eine völlig neue Stufe. Zum einen ist es irgendwie verrückt, sich seine Hardware-Erweiterungen aus Pappe zu basteln. Zum anderen nehmen sie Ausmaße an, die längst nichts mehr mit einem einfachen Controller zu tun haben. Eine Angel kann man noch halbwegs nachvollziehen. Schließlich gab es bereits früher waffenartige Gagdets, die Shooter revolutionieren sollten. Wenn man sich mit Nintendo Labo aber ein kleines Klavier oder sogar einen Rucksack zusammenbaut und das dann irgendwie mit einem Videospiel zusammenhängt, wird es spannend.

Nintendo wirbt nicht grundlos mit den drei Begriffen “Bauen”, “Spielen” und “Entdecken”. Wir werden dazu aufgefordert, zunächst etwas mit unseren bloßen Händen zu bauen. Wir erschaffen richtige Objekte, die wir dann in eine Beziehung zu Videospielen setzen und tatsächlich benutzen. Grundsätzlich eine coole Idee, die aber noch nicht unbedingt unseren Alltag spürbar verändert. Eine Verschmelzung mit der Realität ist gegeben, aber halt keine Veränderung.

Die Olympischen Spiele für Finger-Sportler

Bei Weitem anders sieht es aus, wenn wir auf den eSports blicken. Faszinierend fand ich vor allem das PUBG Global Invitational. Das Event fand vom 25. bis zum 29. Juli in Berlin statt und zeigte, wie vielseitig eine eSports-Veranstaltung inzwischen sein kann. Was man früher lediglich via Twitch oder sogar live vor Ort verfolgt hat, hat sich mittlerweile zu einem kleinen Festival gewandelt. Die Mercedes Benz Arena bot seinen Besuchern nicht nur das Aufeinandertreffen der besten PUBG Spieler, sondern auch gleich zwei verschiedene Event Zonen. In diesen gab es Gewinnspiele, Merchandise, eine sogenannte Photo Zone und die Möglichkeit, szenebekannte Influencer zu treffen und sich ein Autogramm zu sichern. Obendrein verfolgte man natürlich noch den eigentlichen eSports-Wettbewerb.

Aber auch abseits der Arena war PUBG präsent. An gefühlt jeder zweiten Plakatwand in Berlin hing eine entsprechende Werbung, an einer Hauswand war ein gigantisches Bild zu sehen und in gleich drei verschiedenen Shopping Centern fanden Live-Marketing-Aktionen statt. Wer in der deutschen Hauptstadt wohnt oder lediglich zu Besuch war, wurde automatisch mit der Angelegenheit konfrontiert. Und genau das ist in meinen Augen ein gutes Beispiel dafür, wie sehr Videospiele mittlerweile mit dem realen Leben verschmelzen.

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Ich gehe stark davon aus, dass auch kommende Events einen ähnlichen Ansatz verfolgen und sich nicht ausschließlich auf den Wettbewerb beschränken werden. Insbesondere die diesjährige ESL One in Hamburg kann diesbezüglich interessant werden. Doch warten wir ab.

Reale und virtuelle Welt werden eins

Was der eSports bereits gut verdeutlicht, kommt noch stärker zur Geltung, wenn wir auf die Virtual Reality oder Augmented Reality blicken. Ein prädestiniertes Beispiel ist Pokemon Go, das auf die erweiterte Realität setzt. Das mobile Spiel verschmilzt wortwörtlich mit dem realen Leben, indem es virtuelle Pokemon in unser direktes Umfeld projiziert. Steht man beispielsweise vor einem See, sieht man auf diesem dann ein animiertes Wasser-Pokemon. Natürlich sind wir technisch noch nicht soweit, dass diese virtuelle Kreation täuschend echt aussieht, darum geht es aktuell aber nicht vorrangig.

Vielmehr zeigt Pokemon Go, dass es in unserer heutigen Zeit egal ist, wo man sich befindet. Wenn man sich aktiv mit Videospielen auseinandersetzen will, kann man das problemlos in die Tat umsetzen. Und auch wenn man diesen Zustand nicht anstrebt, kann die Werbung dafür sorgen, dass man den gesamten Tag zumindest an Videospiele denkt. Ob dies eine besorgniserregende Entwicklung ist, muss an dieser Stelle jeder selbst entscheiden. Auf diesen Sachverhalt möchte ich jetzt nicht näher eingehen. Ich bin mir aber sicher, dass die Verschmelzung von Videospiel und Realität weiter zunehmen wird. Vor allem weil die Unterhaltungsbranche stetig wächst.

 

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4 thoughts on “Wie Videospiele allmählich mit dem realen Leben verschmelzen”

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