Spintires: Mudrunner – Ab durch den Schlamm! (Review)

“Spintires: Mudrunner”. Das klingt auf den ersten Blick nicht gerade nach einer Simulation, wo mit Lastwägen herumhantiert wird. Schon seit geraumer Zeit üben Simulatorspiele wie ein Landwirtschaftssimulator oder ein Bussimulator eine gewisse Faszination aus. Das hier vorgestellte Videospiel reiht sich in diese Faszinationen ein. Ein kurzer Artikel soll euch einen Eindruck geben, was ihr euch unter “Spintires: Mudrunner” vorzustellen habt.

Spintires: Mudrunner

Ich habe ein Problem. Ein Problem, welches in dem Augenblick begann, als ich wusste, dass ich “Spintires: Mudrunner” anspielen werde. Mit Simulatoren, in denen man mit Kränen, Bussen, Flugzeugen oder eben wie hier Lastwägen durch die Gegend schippert, habe ich es nicht so zugegebenermaßen. Daraus resultiert die besondere Herausforderung und auch Verantwortung, das Spiel deshalb nicht einfach im schlechten Licht dastehen zu lassen. Der Titel ist am 31. Oktober des letzten Jahres erschienen und neben der PS4 auch für den PC sowie die Xbox One erhältlich.

Aller Anfang ist schwer

Und das gilt auch für “Spintires: Mudrunner”. Keine Sorge, zu Beginn werden wir durch ein Tutorial geführt. Dieses dauert zwar nicht lange und geizt vielleicht mit etwas ausführlichem Wissen, aber man kann sich die Spielelemente durch Learning by Doing aneignen. In dem Tutorial wird uns gezeigt, wie man einen Lastwagen mit Holz belädt. Ein paar Spielelemente eben noch und das war es dann. Das Problematische ist aber nicht, dass wir uns so manches noch aneignen müssen, etwa wie man die Scheinwerfer einschaltet bei Nacht. So etwas lässt sich ja nachsehen unter der Steuerung im Menü. Das eigentlich Problematische ist, dass im Tutorial zum Beispiel nicht erklärt wird, wie man am besten einen LKW mit Anhänger rückwärts einparkt. Vielleicht bin ich zu dumm. Aber ich hatte gewaltige Schwierigkeiten damit, als ich mich an eine Mission heranwagte. Hier heißt es eindeutig: viel Geduld haben. Ein Meister ist noch lange nicht vom Himmel gefallen.

Nettes Gefühl von Bauarbeiter

Da sitzt er also, unser Mann, in dem Führerhaus. Und wartet darauf, dass wir den Befehl geben, die Handbremse zu lösen, damit es dann auch sogleich losgehen kann. Das Gefühl, wenn ein so großer Brummi gesteuert werden muss, ist schon nett umgesetzt. Vor allem, da man sich das Leben als Hardcore – Simulator – Spieler freiwillig schwerer machen kann. Ein Beispiel gefällig? Es ist ein himmelweiter Unterschied, welche Kameraeinstellung man verwendet. Ihr könnt euren Kraftprotz von außen her sehen und mit der Kamera um ihn herum schwenken. Das ist die softe Variante. Alternativ begebt ihr euch in die Fahrerkabine und seid quasi wirklich der Fahrer. Das bedeutet aber unweigerlich auch sehr eingeschränkte Sicht. Nach hinten seht ihr nichts. Logisch. Ihr müsst aus dem Fenster gucken, um abschätzen zu können. Durch diese Kameraperspektive gestalten sich die banalsten Dinge plötzlich als nicht geringe Herausforderung. So musste ich in einer Situation zwischen zwei Autos hindurchfahren. Da kommt schnell der Anspruch auf, keinen Kratzer durch das Schadensmodell abzubekommen. Langsam und vorsichtig tastet man sich immer ein Stück weiter, bis schließlich die Erleichterung da ist: Geschafft!

Spintires: Mudrunner

Grafisch herrscht Herbst hier

Im Download offenbarte das Spiel keine zwei Gigabyte. Zu viel sollte man sich also nicht von der Optik erwarten. Am auffälligsten war für mich noch der Schlamm. Die Räder drehen sich durch oder der LKW kommt nur langsam vorwärts. Die Reifen bekommen ihre Spuren hinterlassen, wenn sie mit Dreck besudelt sind. Kleine Schlammbröckchen wirbeln durch die Luft. Doch insgesamt haut das alles nicht vom Hocker. Eher unterdurchschnittlich präsentiert sich die Spielwelt. Das alles wäre aber nicht tragisch, wenn es da nicht eine Sache gäbe. Würde man die Vögel nicht zwitschern hören und der Motor des Lastwagens plötzlich absterben, man käme sich vor wie in Silent Hill. Andere Autos, Lastwägen oder Menschen? Fehlanzeige. Niemand begegnet uns. Die Straßen präsentieren sich grau und trist. Die Spielwelt ist totenstill. Hier wurde aus meiner Sicht das meiste Potential verschenkt.

Mud – Runner

Was bedeutet Mud auf Deutsch? Richtig, Schlamm. Und von dem gibt es reichlich in “Spintires: Mudrunner”. Eine Warnung sei deshalb sogleich an alle “Need for Speed” – Enthusiasten ausgesprochen: hier werdet ihr nicht mit 200km/h unterwegs sein. Ganz im Gegenteil. Der Spieler in Person des LKW – Fahrers ist schon froh, wenn sich das Gefährt überhaupt bewegt. Die Differentialsperre sowie der Allradantrieb können zwar Abhilfe leisten, dass das Fahrzeug nicht so leicht stecken bleibt, aber nichtsdestotrotz ist hier viel Geduld angesagt. Häufig seid ihr auf schlammigen Wegen unterwegs, an denen man teils zweifelt, ob man sie wirklich als Straßen bezeichnen kann. Abhilfe hierbei schafft auch die Seilwinde. Diese könnt ihr nicht nur vorne am Motor anbringen, sondern auch hinten. Je nachdem, wie ihr festsitzt, wie ihr am besten aus dem “Schlammassel” rauskommt und wo der rettende Baum als Ankerpunkt sich befindet, wählt ihr einen geeigneten Knotenpunkt.

Wie eine Schildkröte mit Gestank

Bei all dem Benzin,welches dabei verbraucht wird und den Hindernissen, denen man sich in den Weg stellt, dauert so etwas seine Zeit, bis die ersten Holzstämme abgeliefert sind. Richtig gelesen: es wäre kein wirklicher Simulator, hätte das Fahrzeug unendlich viel Benzin im Tank. Deshalb heißt es regelmäßig an der Tankstelle vorbeischauen. Das aber kann euch den Todesstoß versetzen in puncto Geduld. Es dauert nämlich seine Zeit, bis ihr von der Werkstatt zu dem Holzstammvorrat und dann zu dem Sägewerk fahrt. Einen großen Anteil der eigentlichen Fahrzeit tuckert ihr durch die Einöde und zählt die gefühlten Stunden, bis ihr endlich euer Ziel erreicht habt. Auf dem Weg dorthin habt ihr die Möglichkeit, an anderen Brummis vorbeizufahren und sie somit für euch freizuschalten. Ob die Fahrt signifikant spannender wird, wenn die Nacht hereinbricht, darf zumindest angezweifelt werden. Die Sicht ist dementsprechend eingeschränkt und macht aus der Schlammherausforderung eine noch größere Tortur. Auch im positiven Sinne gemeint.

Die Challenge wartet auf dich

Neben dem Einzelspielermodus warten noch Challenges auf euch. Diese Aufgaben erweisen sich als sehr schwierig. Bereits die erste wartet auf, einen Anhänger eines LKWs rückwärts einzuparken. Das Sternesystem sorgt für einen gewissen Wiederspielwert. Fahrt ihr etwa immer schön auf der rechten Seite der Straße und erleidet keinen Schaden, gibt es einen Bonus. Ersteres aber ist aufgrund der bereits erwähnten trostlosen Umgebung fast schon lächerlich. Gegenverkehr gibt es schließlich nicht. Da die Challenges nur einen einzigen Schwierigkeitsgrad aufweisen, macht das die Sache nicht gerade einfacher. Der Einzelspielermodus wartet da immerhin mit einem anfängerfreundlicheren Modus auf uns. Zu erwähnen sei noch der Mehrspielermodus, bei dem ihr euch gegenseitig helft und eure Kollegen aus dem Matsch ziehen könnt. Alles in allem wird das Gefühl, einen großen Lastwagen zu fahren, aber passabel herübergebracht. Typische Geräusche eines LKWs, wie man sie bei Baustellen als Fußgänger oft hört, sind nett integriert.

Fazit

Ohne lange Umschweife versuche ich, zusammenzufassen, für wen sich ein Blick auf “Spintires: Mudrunner” lohnt und wer besser die Finger davon lassen sollte. “Spintires: Mudrunner” gefällt dir, wenn du mit Simulationen bereits positive Erfahrung hast. Für dich ist Geduld kein Fremdwort und du liebst zwar selten vorkommenden, aber dann schönen Nervenkitzel. Wenn der Lastwagen die gefährliche Stelle passiert hat, und das in der Kameraperspektive des Fahrers, stellt sich so etwas wie Stolz bei dir ein. “Spintires: Mudrunner” gefällt dir nicht, wenn du Action brauchst und alle Fahrzeuge unter 100km/h für dich stehen. Lange Autofahrten haben dich schon immer aufgeregt und von tristen Umgebungen wirst du schnell aggressiv.

Spintires: MudRunner

6.6

Grafik

4.0/10

Sound

6.0/10

Gameplay

7.0/10

Umfang

8.0/10

Steuerung

8.0/10

Positiv

  • Learning by Doing
  • herausfordernd
  • nettes Bauarbeitergefühl
  • weckt unter Umständen den großen Ehrgeiz

Negativ

  • Kann in Frust ausarten
  • durchwachsene Optik
  • leblose Umgebungen
  • langatmige Fahrten

Offizielle Produktbeschreibung

Spintires: MudRunner ist die ultimative Version des erstmals auf Konsole erhältlichen Millionenhits ‘Spintires’. Steuere unglaubliche Geländefahrzeuge und rase durch raue Landschaften, nur mit einer Karte und einem Kompass zur Hilfe! Das umfassende Upgrade des Spiels bringt eine neue Sandbox-Karte, die alle 5 bekannten Gebiete enthält, eine völlig überarbeitete Grafik, neuer Challenge-Modus mit 9 eigenständigen Karten, 13 neue Fahrzeuge und vieles mehr.

Wähle aus 19 Geländefahrzeugen mit speziellen Eigenschaften und eigenem Zubehör. Erfülle deine Aufgaben auch unter extremen Bedingungen in rauen Landschaften mit dynamischem Tag-Nacht-Rhythmus. Überwinde Schlamm, reißende Flüsse und andere Hindernisse, die dank ausgeklügelter Physik-Engine auf realistische Weise auf Gewicht und Bewegung deines Fahrzeugs reagieren. Setze deine Karte, deinen Kompass sowie die Fahrkünste von dir und bis zu drei weiteren Spielern im Coop-Mulitplayermodus ein.

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