Frostpunk – Am Rand der Menschlichkeit (Review)

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Passend zur kalten Jahreszeit spendieren uns die Entwickler von 11 Bit Studios die Konsolenversion von Frostpunk. Wir haben uns in das moralisch verzwickte Abenteuer auf der PS4 gewagt und wollen unsere Eindrücke mit euch teilen.

Kann die Frostpunk Console Edition überzeugen? Wir haben die PS4-Version des Survial- und Aufbauspieles getestet und sind sehr zufrieden.

Dass ein Blockbuster für die Konsole erscheint, ist in den meisten Fällen garantiert. Ein kleineres Spiel, das auf dem PC erfolgreich ist, muss aber nicht zwangsläufig eine entsprechende Umsetzung für die PS4 erhalten. So ist die allgemeine Regel, die zunehmend gebrochen wird. Nachdem Subnautica ein unerwarteter Hit wurde, haben die Verantwortlichen eine Version für die Konsoleros angekündigt und später auch veröffentlicht (zur Review). Mit Frostpunk schlägt man nun genau den gleichen Weg ein. Doch die PS4 ist kein typischer PC mit Tastatur und Maus. Daher stellt sich die Frage, ob Frostpunk ein weiteres Mal überzeugen kann. Wir haben die Antwort für euch!

Beginnen wir in gewohnter Weise mit einem generellen Überblick. Käufer des Spieles können sich auf eine interessante Mischung aus Survial und Aufbauspiel einstellen. Hinzu gesellen sich allerhand moralische Fragen, die auf irgendeine Weise gelöst werden müssen. Doch dazu später mehr. Forstpunk spielt in einem alternativen Szenario gegen Ende des 19. Jahrhunderts (die Jahreszahl beginnt also mit einer 18). Aufgrund eines unvorhersehbaren Kälteeinbruchs bricht die Gesellschaft zusammen und die Menschen sind gezwungen, ihre Heimat zu verlassen. Und genau jetzt kommen wir ins Spiel. Mit einigen Überlebenden und einem gigantischen Ofen sucht unsere Gruppe von Menschen Schutz in einem Krater. Fortan müssen wir versuchen, alle Bedürfnisse zu befriedigen. Das beginnt beim Bau einfacher Zelte sowie der Sicherung des Kohlenachschubs, um Wärme zu garantieren, und endet beim Bau von großen Industriegebäuden.

Was ist wichtiger?

Das Errichten von Gebäuden funktioniert in typischer Weise. Man benötigt Ressourcen, muss etwas Bauzeit einplanen und dann steht beispielsweise eine Krankenstation. Klingt einfach, wären da nicht zahlreiche Hindernisse. So sind die zu Beginn gut zugänglichen Vorkommen von Kohle, Holz und Stahl schnell aufgebraucht und komplexere Anlagen müssen daher. Diese wiederum sind aber nur verfügbar, wenn man sie zuvor erforscht hat, was Personal, Ressourcen und Zeit voraussetzt. Jede Tätigkeit benötigt nämlich auch Personen, die sie ausführen können. Leider haben wir davon nicht immer genügend, sodass immer wieder schwierige Situationen entstehen. Wir benötigen zum Beispiel Holz für eine neue Forschung. Die Zahl an Arbeitern können wir dort aber nicht erhöhen, da sonst Arbeiter beim Kohleabbau fehlen und ohne Kohle fällt der Ofen bald aus. Und wenn unser Wärme bringender Helfer ausfällt, ist die gesamte Angelegenheit schnell erledigt.

Kann die Frostpunk Console Edition überzeugen? Wir haben die PS4-Version des Survial- und Aufbauspieles getestet und sind sehr zufrieden.

Zudem ist zu beachten, dass unser Ofen nur eine bestimmte Reichweite hat, die mittels verschiedener Ringe dargestellt wird. Durch Forschung können wir weitere Ringe freischalten und ein größeres Gebiet mit lebensnotwendiger Wärme versorgen. Entscheiden wir uns dafür, steigt aber unser Verbrauch an Kohle. Bevor wir also keine Mine haben, ist die Erweiterung um einen weiteren Ring beinah Selbstmord. Also lieber bei einem kleinen Gebiet bleiben? Das geht leider nicht, da gewisse Gebäude ab einer bestimmten Temperatur nicht arbeiten können und je kälter ein Bereich ist, in dem sich Menschen aufhalten, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass es zu Krankheiten kommt. Ihr merkt hoffentlich, wie komplex der Aufbau des eigenen Lagers in Frostpunk werden kann. Den Entwickler ist es gelungen, eine motivierende Mischung aus Erfolg und Misserfolg zu erschaffen. Gleichzeitig entsteht ein nachvollziehbares Szenario, denn der Kampf ums Überleben kommt zweifellos zur Geltung.

Es gibt weitere Überlebende!

Sobald ihr in der Lage seid, Forschung zu betreiben, könnt ihr ebenfalls eine Späher ausbilden und diesen auf Expeditionen schicken. Im Umkreis eures Lagers befinden sich mehrere Orte von besonderer Interesse. Dort findet man Ressourcen, nützliche Hilfsmittel und auch Überlebende. Allerdings weiß man im Vorfeld nicht, was man an den jeweiligen Orten findet. Sobald man Licht ins Dunkeln bringt, schaltet man weitere Orte frei, die direkt oder erst im Rahmen einer weiteren Expedition besucht werden. Ihr habt nämlich stets die Wahl, den Späher direkt weiterzuschicken oder ihn zurückzurufen, um die Ressourcen zu erhalten. Überlebende kann man auch den Weg zum Lager weisen. Dann besteht jedoch die Gefahr, dass einige sterben.

So nützlich eine Expedition auch sein kann, sie ist ebenfalls mit einem gelungenen Entscheidungsprozess verbunden. Beispielsweise kann ein Späher die notwendige Kohle liefern, um für weitere Stunden notwendige Wärme zu garantieren. Allerdings sorgte jede Rückkehr dafür, dass die nächste Expedition umso länger dauert. Jedoch bringen uns kurze Reisezeiten nicht viel, wenn die wichtigen Ressourcen nicht ankommen und aus diesem Grund alle Menschen im Lager sterben.

Moralische Fragen

Unser persönliches Highlight von Frostpunk sind die moralischen Entscheidungen, mit denen wir regelmäßig konfrontiert werden. Das Spiel verfügt über zwei Anzeigen: Hoffnung und Unzufriedenheit. Steigt letzteres zu stark, verlassen die Menschen bald unser Lager. Daher ist es logisch, zu versuchen, die Hoffnung nach oben zu bewegen und die Unzufriedenheit möglichst gering zu halten. Wenn beispielsweise mehrere Menschen über einen längeren Zeitraum keinen Schlafplatz haben, melden sie sich bei euch und erwarten eine Antwort. Ihr könnt nichts tun, was natürlich keine positive Veränderung der angesprochenen Werte nach sich zieht. Also ist das Versprechen, Unterkünfte zu bauen, der deutlich bessere Weg. Am allerbeste ist aber, zu garantieren, dass jeder einen Schlafplatz erhält. Diese Versprechen müssen dann eingehalten werden, um den gewünschten Effekt zu erzielen.

Kann die Frostpunk Console Edition überzeugen? Wir haben die PS4-Version des Survial- und Aufbauspieles getestet und sind sehr zufrieden.

Zu diesen noch einfachen Entscheidungen kommen weitere hinzu. Wenn beispielsweise die erste Person stirbt, muss spätestens dann ein Gesetz erlassen werden, um den Umgang mit Leichen zu regeln. Ein Friedhof wäre eine Möglichkeit, dieser benötigt jedoch Platz, Ressourcen und Arbeitskräfte. Ein anderer Weg wäre, die Leichen im Eis zu vergraben und sie somit frisch zu erhalten, um später eventuell Nahrung zu haben. Dass die Hoffnung dadurch nicht steigt, ist sicherlich nachvollziehbar. Weitere moralische Fragen, die geklärt werden müssen, sind Kinderarbeit und der Umgang mit gewaltbereiten Menschen. Da uns die Entwickler nie vorschreiben, was der richtige Weg ist, verfügt Frostpunk über einen hohen Wiederspielwert. Schaden ist, dass sich festgelegte Gesetze nicht ändern lassen. Einmal den Weg innerhalb eines Gesetzesbaumes eingeschlagen, muss man diesen auch weitergehen. Das macht die Entscheidungen aber umso schwerer, was wiederum die Wichtigkeit dieser untermalt.

Hervorragend umgesetzte Steuerung

Wenn man ein PC-Spiel auf die Konsole bringt, ist es keine Seltenheit, dass die Steuerung darunter leitet. Ein Controller besitzt deutlich weniger Eingabemöglichkeiten als eine Maus und Tastatur. Mit Frostpunk haben die Entwickler jedoch bewiesen, dass dieser Umstand kein Hindernis sein muss. Über ein Radialmenü kann man schnell alle wichtigen Funktionen ausführen, einem Gebäude lassen sich ohne größere Umstände weitere Arbeiter zuweisen bzw. abziehen und auch im Baumodus gibt es keine Probleme. Die gewünschten Gebäude werden auf ein Raster gesetzt und sind daher schnell am vorgesehenen Ort platziert.

Danach taucht sofort ein Icon auf, das uns auf den Bau einer Straße hinweist. Manchmal ist diese nicht notwendig, im Fall der Fälle lässt sich durch Anklicken des besagten Icons schnell ein Zugang zum Gebäude anlegen. Auch hier gibt es keine Benachteiligung, wenn man anstatt Maus und Tastatur zu einem Controller greift. Ärgerlich ist jedoch, dass es lediglich vier Zoomstufen gibt. Daher ist man beschränkt. Den Überblick behält man aber dennoch.

Reibungslose Performance

Schauen wir abschließend auf die technischen Details. Wie die Unterüberschrift erahnen lässt, läuft Frostpunk stets flüssig. Während unser Testphase haben wir keine Bugs, Grafikfehler oder sonstige Probleme feststellen können. Gut in Szene gesetzt ist der dynamische Tag- und Nachtwechsel. Auch ohne einen Blick auf die Ingame-Uhr weiß man ungefähr, wie spät es ist, was übrigens Auswirkungen auf die Arbeitsleistung hat. Zwar gab es kleinere Fehler bei den Texten – so ist manchmal von Tasten einer Tastatur die Rede – spürbare Einschränkungen entstehen dadurch aber nicht. Vor allem weil die richtige Taste des DualShock 4 Controllers schnell gefunden ist. Gesprochene Dialoge gibt es in Frostpunk nicht, sodass sich der Sound lediglich auf eine musikalische Untermalung der Geschehnisse beschränkt. Da dieser stets gelungen ist und leise im Hintergrund läuft, können wir zu diesem Punkt nichts Weiteres sagen. Kurzum: es passt alles.

Fazit

Frostpunk konnte bereits auf dem PC beweisen, was es kann und auf der PS4 ist es den Entwicklern erneut gelungen, den ganz besonderen Charme der Survival-Aufbausimulation einzufangen. Moralische Fragen, der Kampf ums Überleben und die Neugier nach Dingen hinter der nächsten Brücke harmonieren perfekt und kreieren ein ansprechendes Gesamtwerk. Durch einen Endlosmodus und allen zuvor veröffentlichten Content-Updates kommen die Konsolenspieler in den Genuss einer umfassenden Version. In Kombination mit dem hohen Wiederspielwert begünstigt dieser Faktor, dass man zahlreiche Stunden in der erbarmungslose Kälte verbringen kann. Hier und da lassen sich zwar einige Kleinigkeiten finden, die zu beanstanden sind, letztendlich bleiben es aber Kleinigkeiten. Aus diesem Grund können wir euch das Spiel empfehlen!

Frostpunk Console Edition

8.4

Steuerung

8.5/10

Grafik

8.2/10

Umfang

8.7/10

Sound

8.0/10

Atmosphäre

8.9/10

Story

8.0/10

Positiv

  • Weitreichende Entscheidungen
  • Hoher Wiederspielwert
  • Gelungene Atmosphäre
  • Leichter Einstieg und forderndes Endgame

Negativ

  • Nur wenige Zoomstufen
  • Kein Zurück bei Gesetzen

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