Weg von der tristen Triple-A-Masse – Auch „kleinere“ Spiele bringen Spaß!

Die sogenannten Triple-A-Titel gibt es inzwischen wie Sand am Meer. Ob Rennsimulation, Shooter oder Action-Adventure – die List potenzieller Kandidaten kann je nach den eigenen Vorlieben recht lang ausfallen. Allerdings braucht es nicht immer ein Projekt der großen Publisher,um wirklich Spaß zu haben.

Früher waren Videospiel im Grunde recht banal gestrickt. Man hatte beispielsweise eine runde Strecke, ein Kart sowie ein paar kleine Extras und das war alles. Aus heutiger Sicht vielleicht zu wenig, dennoch reichte dies damals aus, um für einen amüsanten Zeitvertreib zu sorgen. Heute soll die Strecke genauso wie das Original aussehen, es muss eine authentische Boxengasse mit unzähligen Möglichkeiten geben und die Grafik ist selbstverständlich bombastisch. Allerdings sind derartige Anforderungen durchaus akzeptabel. Immerhin befindet sich die Technik in einem stetigen Wandel und Innovation findet in regelmäßigen Abständen statt, sodass man gewisse Aspekte einfach voraussetzen kann und auch darf. Dennoch sorgen eben diese Voraussetzungen für einen Anstieg der Kosten. Und so verschlingt ein AAA-Titel für die Planung, Entwicklung und auch für den Vertrieb zweistellige Millionenbeträge.

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Das wiederum sorgt dafür, dass vor allem die großen und finanzkräftigen Publisher den Markt dominieren und letztendlich auch bestimmen können. Umso erfreulicher ist es, wenn auch kleine Publisher und Entwicklungsstudios ein Videospiel abliefern, das in sich stimmig ist und genau das liefert, was man sich wünscht. Ein gutes Beispiel hierfür ist das von Perfect World Entertainment und Cryptic Studios stammende „Star Trek Online“, dessen Erstveröffentlichung zwar schon im Februar 2010 stattfand, die entsprechende Version für die PlayStation 4 jedoch erst im September 2016 folgte.

Das gute, alte Free-2-Play

Gut, wir sollten vielleicht noch betonen, dass die Verantwortlichen von „Star Trek Online“ schon eine gewisse Größe aufweisen und bereits andere Videospiele auf den Markt gebracht haben. Mit anderen Worten formuliert, es handelt es sich hierbei nicht um ein dreiköpfiges Team, das aus irgendeiner Hinterhofgarage agiert. Nichtsdestotrotz stehen sie nicht auf einer Stufe mit Branchengrößen wie Ubisoft, Electronic Arts oder Take Two, unter deren Flagge Entwickler wie DICE oder Rockstar Games stehen. Aber seit der Gründung im Jahr 2008 war Perfect World Entertainment für den Vertrieb von Spielen wie „Neverwinter“, „PWI“ und eben auch „Star Trek Online“ verantwortlichen. Kennern sollte in diesem Zusammenhang auffallen, dass die US-Amerikaner den Fokus auf Online Multiplayer Games gelegt haben. Ein typisches Merkmal von MMOs ist das Free-2-Play-Prinzip, von dem auch „Star Trek Online“ profitieren kann. Denn die PlayStation 4 Version ist nicht nur vollkommen kostenlos erhältlich, man kann auch nahezu keine gewinnbringende Vorteile erwerben.

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Das ist nämlich die typische Schattenseite von Free-2-Play. Viele Spiele werben mit der gratis Anschaffung des Grundspieles und zwingen die Gamer beinah penetrant, sich durch Echtgeld gewisse Ingame-Gegenstände, Boosts oder Ähnliches zu kaufen. Möchte man dieses Angebot nicht in Anspruch nehmen, merkt man jedoch recht schnell, dass man gegen andere Spieler, die sich eben die Vorteile gekauft haben, in keinster Weise eine Chance hat. Das Gameplay macht dann in den seltensten Fällen wirklich Spaß und eine große Abzocke ist die gesamte Angelegenheit obendrein.

Womit verdient man dann das Geld? Ein Blick in den PlayStation Store verrät, dass es mehrere Pakete gibt, die Bares verlangen. Bis zu 79,99 Euro kann man für ein einziges Pack ausgeben, das im Gegenzug den Zugang zu unzähligen Inhalten gewährt. Aber wie bereits angedeutet, muss man sich nicht verpflichtet fühlen, diesen Content zu erwerben, da man ihn auch innerhalb des Titels freischalten kann. Einen entscheidenden Vorteil erhält man hierdurch aber nicht bzw. der Spieler verfügt nach dem Kauf nur über einen minimalen Vorteil – zumindest ist das unser Eindruck. Für uns ist das beinah die ehrlichste und benutzerfreundlichste Form des vielseitig in den Himmel gelobten Free-2-Play-Prinzips.

Keine wirkliche Innovation?

Doch bevor wir uns weiter in die Thematik vertiefen, sollten vielleicht ein paar grundlegende Details zum Spiel genannt werden. In der offiziellen Beschreibung wird „Star Trek Online“ sinngemäß wie folgt charakterisiert. Mit einem selbst erstellten Charakter erlebt man zahlreiche Abenteuer in den unendlichen Weiten, erkundet fremde Welten und sucht nach neuen Lebensformen sowie Zivilisationen. Begleitet wird die gesamte Angelegenheit durch mehrere Storys, die insgesamt aus über 125 Episoden bestehen und sowohl im Weltall als auch am Boden angesiedelt sind. Auf der Seite der Föderation, der Romulanische Republik oder der Klingonische Verteidigungsstreitmacht kämpft man sich in epischen Raumschlachten zum Sieg und führt ein Außenteam auf unbekannte Welten.



Zwar klingt das alles nach einem recht guten Sci-Fi-Spiel, sonderlich innovativ scheint es aber nicht zu sein. Nichtsdestotrotz kann „Star Trek Online“ auf ganzer Linie überzeugen, was nicht nur an dem bereits erwähnten Free-2-Play-Prinzip liegt, sondern auch an zahlreiche weiteren Features. So wird allein die Atmosphäre äußerst großgeschrieben. Besonders die Spieler, die mit den gleichnamigen Serien und Filmen vertraut sind, merken recht schnell, dass die Entwickler die filmischen Umsetzungen genauestens studiert und mit sehr viel Liebe zum Detail das Star Trek Universum auf ein Videospiel übertragen haben. Dank unzähliger Originalstimmen wird dieser Umstand noch erheblich bekräftigt, was allerdings an der englischen Sprachausgabe liegt. Spieler brauchen sich aber keine Sorgen zu machen, gewisse Sachverhalte nicht zu verstehen. Denn sämtliche Dialoge sind durch Texte in deutscher Sprache übersetzt und auch die einzelnen Menüs verfügen über eine passende Übersetzung, sodass das Navigieren problemlos über die Bühne geht.

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DAS! Nein lieber DAS! Oder besser DAS?

Betrachtet man das Angebot des Videospielmarkts in seinem großen Ganzen, ist es recht auffällig, dass viele erfolgreiche Titel über Customization, also das Anpassen von unterschiedlichen Dingen, verfügen. Nicht ohne Grund besitzen beispielsweise aktuelle Shooter wie „Battlefield 1“, „Call of Duty: Infinite Warfare“ und „Titanfall 2“ eben derartige Möglichkeiten. Allein in „GTA Online“ kann man täglich neue mehr oder weniger geschmackvolle Kreationen von Charakteren und Fahrzeugen bewundern. Kurzum: Die Spieler scheinen es einfach zu lieben – und auch wir freuen uns immer wieder über derartige Features. „Star Trek Online“ kann natürlich auch mit Customization punkten. Im Verlauf des Spieles erhält man in gefühlt regelmäßigen Abständen neue Raumschiffe, die aufgrund einer großen Auswahl an unterschiedlichen Items nach Belieben angepasst werden können.

Auch wenn sich die Optik nicht verändern lässt, kann man den eigenen Weltraumflitzer mittels neuer Waffen, Antriebe, Schilde und vieles mehr verbessern. Darüber hinaus hat man als Captain den Befehl über eine 5-Mann starke Brücken-Crew, die man individuell gestalten und mit unterschiedlichen Ausrüstungsgegenständen ausstatten kann. Und wie sollte es anders sein. Selbstverständlich kann man auch seine eigene Spielfigur anpassen. Dazu zählt zum Beispiel das Festlegen des Geschlechtes oder der Rasse. Hinzu gesellen sich einige kosmetische Optionen.

In kürzlich von uns durchgeführten Umfragen gaben die Befragten an, der Umfang eines Videospieles hätte eine enorme Auswirkung auf den Spielspaß und ist demnach einst der wichtigsten Elemente überhaupt. Dank der riesigen Welt und den zahlreichen Missionen kann „Star Trek Online“ auch in dieser Hinsicht die Bedürfnisse der Spieler erfüllen. Eine Spielzeit von 100 Stunden kann problemlos erreicht werden und auf Grund einer entsprechender Langzeitmotivation ist es keineswegs unwahrscheinlich, tatsächlich diesen Wert irgendwann vorweisen zu können. Damit gehört „Star Trek Online“ zumindest in dieser Hinsicht zu einer Gruppe von Spielen wie „Fallout 4“, „The Witcher 3“ oder auch die „Borderlands“-Ableger. Besonders behilflich sind die Ingame-Events, die auf elegante Art und Weise verdeutlichen, dass die Entwickler den Titel auch nach dem Release weiterhin eifrig unterstützen. Der Clou an der gesamten Sache: Man gewährt den Spielern die Möglichkeit, eigene brandneue Missionen und Geschichten zu erschaffen, die man mit Freunden und der ganzen Star-Trek-Online-Community teilen kann. Allerlei Werkzeuge und Funktionen setzen der Kreativität keine Grenzen.

Besonders in der heutigen Zeit ist ein derartiges Verhalten Gold wert. Es scheint mittlerweile zum Standard geworden zu sein, dass man nach der Markteinführung noch die Fehler behebt und einige DLCs veröffentlicht, um zusätzliches Geld generieren zu können. Nach etwa einem Jahr endet dann der aktive Support und neue Projekte – möglicherweise sogar ein Nachfolger – rücken in den Fokus. Das ehemalige Spiel versinkt dann im erbarmungslosen Meer der Videospiele und gehört recht schnell der Vergangenheit an. Auch wenn es anfangs noch eine gewisse Anzahl an Spielern gibt, sinkt auch deren Zahl immer weiter ab. Das Ende spiegelt sich abschließend in Form der Serverabschaltung wider. Eigentlich schade. Es lässt sich jedoch darüber streiten, wer für das beschriebene Verhalten verantwortlich ist. Sowohl die Publisher bzw. Entwickler als auch die Spieler selbst könnten hierfür die Schuld tragen. Doch das ist eine komplett andere Thematik. Kommen wir lieber auf „Star Trek Online“ zurück und blicken erneut auf die Geschichte des Online Multiplayer Games.

Die vielleicht beste Konsolen-Portierung

Wie bereits zu Beginn dieses Artikels erwähnt, fand die Erstveröffentlichung bereits im Jahr 2010 statt. Es dauerte also ganze sechs Jahre, bis eine passende Version für die Konsole auf den Markt kam. Das ist zweifellos eine lange Wartezeit. Sonderlich überraschend ist es zwar nicht, aber damit haben wir nicht wirklich ein Problem, was nicht daran liegt, dass wir ohnehin nur von „Star Trek Online“ schwärmen. Vielmehr ist es der Fakt, dass es scheinbar die beste Konsolen-Portierung aller Zeiten ist. Die Steuerung wurde effektiv übertragen und vor besonders aus technischer Sicht scheint die PS4-Version besser abzuschneiden als auf dem heimischen Rechner, was für sich allein bereits eine ansehnliche Leistung darstellt.

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Abschließend wollen wir noch auf einen Fakt blicken, den wir immer wieder gern betonen. Ein wirklich gutes Videospiel braucht keine extrem detaillierte Grafik. Vor allem die Indie-Entwickler zeigen immer wieder, dass eine gestochen scharfe Optik nicht die Grundvoraussetzung für den angestrebten Spielspaß darstellt. Und so beweist auch „Star Trek Online“ diesen Sachverhalt. Denn man muss klipp und klar sagen, dass der Multiplayer-Titel keine Auszeichnung für beispielsweise das Grafik-Highlight des Jahres erhalten kann. Vielmehr ist die Leistung diesbezüglich eher solide. Nichtsdestotrotz kann das Videospiel einfach fesseln und man spielt es daher liebend gern – völlig egal wie detailliert die Figuren, Raumschiffe und so weiter gestaltet sind.

Achtet auf die Videospiel-Perlen!

Fassen wir die gesamte Angelegenheit abschließend einmal zusammen. „Star Trek Online“ ist nicht auf der ganzen Linie perfekt – wie und da kann definitiv noch etwas verbessert werden – dennoch handelt es sich hierbei um ein Videospiel, das schlichtweg einfach nur Spaß macht. Es weist eine große Spielwelt auf, bietet zahlreiche Beschäftigungs- sowie Anpassungsmöglichkeiten und ist äußerst authentisch gestaltet. Gleichzeitig zeigt es, dass es nicht immer ein AAA-Titel von den ganz großen Unternehmen der Videospielbranche sein muss, um eine Begeisterung bei den Spielern auszulösen. Und daher raten wir euch, schaut gelegentlich ruhig gezielt an den Blockbustern vorbei und schenkt kleineren Titeln eure Aufmerksamkeit. Der Videospielmarkt ist voller versteckter Perlen.

 

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11 thoughts on “Weg von der tristen Triple-A-Masse – Auch „kleinere“ Spiele bringen Spaß!”

  1. Als Münchner Trekkie hol ich mir jetzt eine PS4 nur für dieses eine Spiel. Auf PC bin ich seit 7 Jahren dabei und habe seit dem Lifetime Account keinen Euro ausgeben müssen. Allein wenn man bedenkt, dass man Spitzen Schiffe zu Weihnachten oder Sommer- Event geschenkt bekommt und dass die Kauf-Sachen meistens eh nur was hübscheres, aber selten effektiver als erspieltes ist, dann ist das free-2-play Modell echt perfekt (Zumal man die Kauf-Sachen locker erspielt kriegt). Mein Tipp: Sucht euch eine Flotte/Gilde mit PC Erfahrung. Es gibt einen Haufen Tricks, die ingame kaum Erwähnung finden, sie euch eure Mitspieler aber gerne veraten.

  2. Ihr nehmt Star Track Online als Beispiel? Das Spiel ist einfach Grotten schlecht gemacht!
    Achja und wenn ihr das nicht hinbekommt mit eurer Internetseite, das ich jedesmal die Frage gestellt bekomm ob ich nicht die scheiß App laden will von euch gibt es nen dislike. Das nervt einfach tierisch

  3. So, jetzt haben wir den Salat. Wegen deinem Beitrag zocke ich das Spiel seit mehreren Tagen fast Tag und Nacht und meine anderen, noch teils eingeschweißten AAA-Games müssen warten 🙂
    Star Trek Online hat zwar seine Macken und ich bin auch schon über ein paar Bugs gestolpert, sodass ich Missionen nicht abschließen konnte, aber letzten Endes ist es für ein gratis Spiel ziemlich gut gemacht. Bisher spiele ich es allerdings eher wie ein normales Singleplayer-Game, ich bin ja gespannt ob der „Online-Anteil“ noch zunimmt. Bin jetzt gerade mit der ersten Kampagne durch.

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