THE VANISHING OF ETHAN CARTER (Review) | Emotionale Detektivgeschichte

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„Es gibt Männer wie mich. Männer, mit besonderen Fähigkeiten. Sie bekommen Rechnungen, Vorladungen und Empfehlungen, wie jeder andere Mensch – aber manchmal, bekommen sie einen ungewöhnlichen Brief. Dieser, war in vielerlei Hinsicht ungewöhnlich. Er kam von Ethan Carter aus Wisconsin, der Handschrift nach zu urteilen, von einem kleinen Jungen. Ich vermutete Fanpost und legte den Brief in eine Schublade, aber irgendwie schaffte es dieser verdammte Brief, immer wieder aufzutauchen. Also öffnete ich ihn. Ethan steckte offenbar in Schwierigkeiten und bat um meine Hilfe. Mich beunruhigte, was der Junge alles über mich und meine Fähigkeiten wusste. Hatte ich Angst? Ja, vielleicht. Weil ich nicht wusste, was mich in Wisconsin erwartet – und weil ich nicht wusste, was Ethan Carter zugestoßen ist. Mein Name ist Paul Prospero, ich bin Detektiv und das ist mein letzter Fall.“
(Paul Prospero, am Abend vor seinem Aufbruch nach Red Creek Valley, Wisconsin)


THE VANISHING OF ETHAN CARTER ist ein First-Person Adventure, entwickelt von dem Indiestudio The Astronauts in Polen, das im Herbst 2014 zunächst für den PC erschien. Schon damals versprach der Entwickler, das Spiel auch für die PlayStation 4 heraus zu bringen. Seit dem 15. Juli ist das nun Spiel als Download für 20 € erhältlich und wir haben es für euch getestet. Ob es, ähnlich wie für den PC, wieder eine Retail-Version geben wird, ist zum Zeitpunkt dieses Reviews noch nicht klar.


Die Suche nach Ethan – Die Geschichte von THE VANISHING OF ETHAN CARTER

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Ethan Carter ist verschwunden und Privatdetektiv Paul Prospero reist nach Red Creek Valley um nach dem Jungen zu suchen. THE VANISHING OF ETHAN CARTER versteht sich als ein Adventure, in dem wir in erster Linie eins tun – schöne Dinge anschauen. Insbesondere die herbstlichen Landschaften sind wunderschön und detailreich gestaltet. In diesem First-Person-Adventure sehen wir durch Pauls Augen und erkunden die Spielwelt auf der Suche nach Spuren von Ethan. Glücklicherweise haben der Junge und seine Familie überall Spuren hinterlassen, anhand denen wir nach und nach aufdecken, was dem Jungen zugestoßen ist.


Ganz starke Atmosphäre

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THE VANISHING OF ETHAN CARTER schafft es ohne große Schreckmomente eine unglaublich starke Atmosphäre zu erzeugen. Wir sind immer in Erwartung, dass etwas passiert, aber der meiste Horror, findet dabei tatsächlich nur in unserem Kopf statt. Die düstere Stimmung und die wunderschöne Umgebung ergeben einen tollen Kontrast und schafft Emotionen. Das Schicksal der wenigen Menschen mit denen wir zu tun haben, berührt uns umso stärker, da die Spielwelt ansonsten komplett verlassen ist. Mit seiner spannenden Handlung, der starken Atmosphäre und dem subtilen Horror reiht es sich in eine Reihe mit Spielen wie GONE HOME, ALAN WAKE oder auch einer Fernseh-Serie wie TWIN PEAKS ein.


Erkunden der Spielwelt & Rätsel lösen

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Ein wichtiges Gameplay-Element, ist das Rekonstruieren von Tatorten. Paul ist mit übersinnlichen Fähigkeiten ausgestattet und kann, nachdem wir einen Ort gründlich genug untersucht haben, herausfinden, was passiert ist. Dazu sortieren wir Bilder vom Tatort, die geisterhaft in der Landschaft entstehen, chronologisch nach ihrem Hergang. Machen wir das in der richtigen Reihenfolge, kann Paul bis ins kleinste Detail rekonstruieren, was sich an einem Ort zugetragen hat und welche Personen involviert waren. Dieses Detektiv-Gameplay spielt sich denkbar einfach, alles was wir brauchen ist eine genaue Beobachtungsgabe und ein bisschen Köpfchen. In diesen Momenten fühlen wir uns selber wie ein Detektiv, großartig!

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Der Teufel steckt bekanntlich im Detail und um die ganze Wahrheit aufzudecken, ist es manchmal nötig einen Ort wieder genauso herzurichten, wie er zum Tatzeitpunkt ausgesehen hat. Wenn Paul ein besonders wichtiges Objekt fehlt, kann er mit einer kurzen Vision herausfinden, wo es versteckt wurde. Mal müssen wir so ein Werkzeug, oder eine alte Öllampe finden und sie an ihren alten Platz zurück bringen.

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Dann wiederum bietet THE VANISHING OF ETHAN CARTER wieder Rätsel, die sich vollkommen anders spielen. Sie alle sind durch Logik und genau Beobachtung zu lösen. Dazu ist es nötig, die wunderschöne Spielwelt bis in jeden Winkel zu durchsuchen. Die Welt ist groß und kann von Anfang an frei erkundet werden. Einsame Waldwege, Wiesen, Brücken, eine Talsperre, verlassene Häuser, Eisenbahnwaggons, eine alte Kirche samt Friedhof… die Schauplätze sind vielseitig und interessant. Gleich zu Beginn sagt das Spiel, dass es einen nicht bei der Hand nimmt. Das ist eine große Stärke, aber zugleich ein Problem bei der Orientierung – nicht immer wird klar, wo wir mit Paul als nächstes hin müssen, um neue Hinweise zu finden. So wird der ein oder andere Laufweg schon einmal etwas länger, aber zum Glück gibt es unzählige schöne Details, die uns ohnehin immer wieder vom eigentlichen Weg ablenken. Wirklich viel tun abseits der Wege kann man abgesehen vom anfänglich erwähnten Anschauen, leider nicht. So lässt sich das Gameplay auf etwa neun bis zehn „größere“ und in der Welt versteckte Rätsel reduzieren.


Die Technik von Ethan Carter

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Auf der PC-Version von THE VANISHING OF ETHAN CARTER werkelte im Hintergrund noch die Unreal Engine 3, die überarbeitete PS4-Version wird nun von der neuen Unreal Engine 4 zum Leben erweckt. Das ohnehin schon schöne Spiel, sieht damit auf der PlayStation sogar nochmal besser aus, als auf dem PC. Besonders plastische Felsen, schärfere Texturen und fantastische Lichteffekte sorgen für Fotorealismus. Das verlangt der PlayStation aber einiges ab. Beim Testen kam es zu gelegentlich zu kleinen Rucklern in der Bildrate, eines ansonsten wirklich sehr flüssig laufenden Spiels.

Die Photogrammetrie

Für den Fotorealismus des Spiels ist übrigens eine Technik verantwortlich, die sich „Photogrammetrie“ nennt. Dazu wird ein Objekt bei neutraler Beleuchtung aus möglichst vielen Perspektiven und Winkeln fotografiert. Eine Software berechnet, wo im dreidimensionalen Raum diese Fotos hingehören und kreiert anhand der Vorlagen zunächst ein sehr einfaches 3D-Modell. Im weiteren Bearbeitungsprozess, wird ein finales und höchst detailiertes Modell berechnet und mit einer Textur versehen. Dieser Prozess ist langwierig und benötigt einige Rechenpower, aber das Ergebnis kann sich absolut sehen lassen und zeigt, wie fotorealistisch Spiele sein können.


Unser Fazit

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THE VANISHING OF ETHAN CARTER ist ein Adventure, das jeder mal gespielt haben sollte und wenn nur, um zu sehen, was die PlayStation 4 grafisch leisten kann. Wer sich darüber hinaus noch für Detektiv- und Mystery-Geschichten begeistern kann, kann wirklich bedenkenlos zugreifen. Bemängeln müssen wir nur die etwas kurze Spielzeit, den geringen Wiederspielwert und wenig zu tun abseits der Rätsel. Nach dem großen Finale und einem gelungenen Storytwist, kann man das Spiel natürlich noch einmal spielen, um eine andere Perspektive auf die Ereignisse zu haben.

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