RISEN 3 TITAN LORDS – Kurzgeschichten-Wettbewerb

Anfang Juni verrieten Piranha Bytes, die Entwickler von RISEN 3, dass sie einen Kurzgeschichten-Wettbewerb veranstalten werden. Thematisch sollte die Kurzgeschichte von einer Patrouille auf Taranis, auch Donnerinsel genannt, handeln. Auch ich habe mich mit einer Kurzgeschichte beteiligt, das Thema aber zugegebenermaßen frech etwas freier interpretiert, aber ein Versuch war es wert. Gewonnen habe ich leider nicht. Dem Gewinner winkt übrigens nicht nur Ruhm und Ehre, seine Geschichte wird auch im Spiele-Handbuch abgedruckt und er gewinnt eine Special Edition von RISEN 3. Für alle Fans der Reihe, Freunde von Fanfictions und alle Interessierten, veröffentliche ich meine Geschichte hier ganz exklusiv auf ps4info. Ich wünsche Euch viel Spaß beim Lesen!

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Die Wahrheit über Taranis

Als es langsam Abend wurde, fanden sich die Wächter im Hof der großen Magier-Festung ein und ließen sich an den bereits brennenden Lagerfeuern nieder. Sie brieten Fleisch über dem Feuer, tranken Bier, spielten Karten und tauschten sich über die Ereignisse des Tages aus. Ein Knabe trat neugierig an das Lagerfeuer heran, als würde er dazu gehören.

Na Junge, du schon wieder?“, fragte ein junger Mann lachend. „Willst du wieder alte Geschichten über Taranis von noch älteren Männern hören?“

Ach, halt doch dein Maul!“ schimpfte eine der älteren Wachen.

Is schon okay, Junge. Hör nich auf die beiden Streithähne und setz dich zu uns“, rief ein anderer Mann erheitert und drückte dem Jungen eine Schale mit Gürteltierauflauf in die Hand.

Ich schätze, du wills eh nich hören, was heut auf unserer Patrouille passiert ist, oder?“, fragte er und rieb sich das unrasierte Kinn. „Ich nehms dir nicht übel. Weißt du auch warum?“

Der Knabe setzte sich ans Feuer und sah erstaunt von seinem Essen auf. „Nein, warum?“

Weil nämlich gar nix passiert ist auf Patrouille. Stinklangweilig wars!“, lachte er laut und nahm einen kräftigen Schluck aus seinem Bierkrug. Enttäuschung machte sich auf dem Gesicht des Jungen breit.

Kein Grund, so ein Gesicht zu machen, junger Mann. Dir gehen die Fragen doch nie aus – was für eine Geschichte willst du stattdessen hören?“, fragte eine Wache.

Der Junge überlegte kurz und fragte dann „Warum wird Taranis auch ,Donnerinsel genannt?“

Das, mein Lieber, ist eine vortreffliche Frage! Nun, wie dir vielleicht schon aufgefallen ist, werden die Küsten von Taranis immer wieder von mysteriösen Stürmen und Unwettern heimgesucht, die niemand erklären kann. Das häufigste Phänomen sind mächtige Gewitterstürme und furchteinflößende Blitze. Unsere Herren Magier graben hier nicht nur nach Kristallen, weißt du? Sie erforschen auch die Insel und diese Wetter-Anomalien. Ich schätze, sie gaben Taranis den Namen ,Donnerinsel wegen der immerwährenden Gewitter.“

Eine andere Wache ließ sich am Feuer nieder und brachte eine Reihe frisch gefüllter Krüge. Das sorgte für einen kurzen Jubelausbruch. Als alle Kehlen befeuchtet waren, ergriff wieder jemand das Wort.

Unwetter? Phänomene? Alles nur Quatsch wenn du mich fragst. In den Wäldern von Taranis lebten früher mal Eingeborene. Ein ganz finsteres Volk war das, sage ich dir. Man hat Altäre und Opferstätten gefunden.“

Und Voodoo-Puppen!“, steuerte jemand bei.

Genau. Und wenn du mich fragst, sind die schuld. Die haben das Wetter verhext oder diese Insel. Wer weiß das schon? Den Namen ,Donnerinsel hat Taranis auf jeden Fall verdient. Diese Gewitterstürme sind ganz bestimmt ihr Werk!“

Jaja, diese Eingeborenen mag es mal gegeben haben, aber wir haben seit Jahren keine mehr gesehen!“, warf jemand ein. „Ich weiß, warum man Taranis auch ,Donnerinsel nennt. Diese Kristalle im Boden von Taranis beherrbergen eine Menge Magie. So viel, dass manche von ihnen sehr instabil sind. Bei unsachgemäßem Gebrauch oder Transport fliegt einem so ein Kristall schon mal um die Ohren! Diese Goblins in den Minen sind aber auch derartig ungeschickt. Jedenfalls sind diese verdammten Steine hier für eine Menge Ärger verantwortlich. Und wenn sie mal wieder explodieren, sind sie verflucht laut. Frag ihn!“, sagte er und zeigte mit einer Hähnchenkeule auf eine andere Wache. „Er kann auf dem rechten Ohr kaum noch hören. Wenn ein Name zu dieser unheilvollen Insel passt, dann ,Donnerinsel!“

Es war dunkel geworden im Lager und Fackeln erhellten die Wege. Für reichlich Alkoholnachschub war gesorgt. Inzwischen war ein ganzes Fass herbeigeschafft worden und die Stimmung wurde ausgelassener.

Pass auf. s is alles totaler Blödsinn. Soll ich dir sagen, warum Taranis auch ,Donnerinsel genannt wird?“, fragte der unrasierte Kerl und rieb sich wieder das Kinn. Der Alkohol verfehlte seine Wirkung nicht und er nuschelte inzwischen stärker als zuvor. „Früher, also lange lange bevor Taranis besiedelt wurde – is wirklich verdammt lang her – haben sich hier Piraten niedergelassen. Glaubs oder nich! s war Grund un Boden, der niemandem gehörte. Es gab keine Gesetze und somit wars ein Paradies für Piraten. Sie nutzten die Insel als Lager für ihre Beute, vergruben Schätze, trieben Handel – s war türlich nur ein Schwarzmarkt, wo sie ihr geklautes Zeug verscherbelten. Und jetzt kommt der wichtigste Teil!“ Er musste kurz hicksen und nahm trotzdem einen weiteren kräftigen Schluck aus seinem Krug. „Sie bauten hier mehrere Schnapsbrennereien und brannten ihren eigenen Schnaps, bekannt als ,Donnerbräu. Der is weit über die Grenzen von Taranis bekannt und sorgte wohl für den Namen ,Donnerinsel. Den habn sie dann einfach übernommen.“

Je später es wurde und je ausgiebiger die Wachen ihren Feierabend begossen, desto verrückter wurden die Geschichten. Doch das war dem Knaben egal. Er sog alles mit vor Neugier weit aufgerissenen Augen in sich auf. Er liebte alte Geschichten, auch wenn er nicht zu sagen vermochte, was der Wahrheit entsprach und was vielleicht nur Seemannsgarn war.

Ich werde euch erzählen, was sich vor vielen Jahren wirklich auf Taranis zugetragen hat.“, begann einer der ältesten Männer am Feuer. Er hatte eine Pfeife angezündet und sie tanzte lustig in seinem Mundwinkel während er sprach. „Vor vielen Jahren, da waren wir alle noch gar nicht geboren, da lebten bereits Menschen auf Taranis. Zu jener Zeit gab es hier auch einen mächtigen Drachen. Der Drache mied die Siedlungen der Menschen und die Menschen fürchteten den Drachen. Kaum jemand hat ihn je zu Gesicht bekommen. Dann, eines Tages, griffen die Titanen die Insel an. Die Menschen waren verzweifelt und die wenigen Soldaten, die sie aufbringen konnten, waren schnell besiegt. Doch in dem Moment, als alle Hoffnung schwand…“, er machte eine dramatische Pause, „erhob sich der mächtige Drache hoch über der Insel und stürzte sich in den Kampf. Die Schlacht dauerte mehrere Tage und der Drache konnte die Titanen nicht besiegen, ihnen am Ende aber so sehr zusetzen, dass sie sich zurückzogen und nicht wieder gesehen wurden. Der Drache erlitt schwere Verletzungen im Kampf und starb an einem der nächsten Tage. Vermutlich hat er nicht einmal die Menschen verteidigt, sondern nur die Insel auf der er lebte, aber an dem Tag hat er viele Leben gerettet. Trotzdem waren die Menschen unheimlich dankbar und verehrten den Drachen als einen Helden. Noch heute kann man seine lauten und donnernden Schreie manchmal in den Felsen dieser Insel hören. Um ihn zu ehren, gaben die Menschen Taranis den Namen ,Donnerinsel.“

Stille. Stille am Lagerfeuer. Entweder dachten die Männer darüber nach, welche der gehörten Geschichten nun wirklich der Wahrheit entsprach, oder sie hatten keinen Zweifel daran, dass ihre eigene Theorie die einzig richtige war. Manchen von ihnen hatte die Drachengeschichte aber tatsächlich ein Lächeln und hier und da sogar eine kleine Träne aufs Gesicht gezaubert. Die Geschichte mit dem Drachen hatte dem Knaben mit Abstand am besten gefallen und war bei weitem nicht so gruselig wie die von explodierenden Kristallen oder Eingeborenen mit Voodoo-Puppen. Er wurde aus seinen Gedanken gerissen, als er die wütende Stimme seiner Mutter hörte, die hinter ihm stand.

Hier steckst du also, junger Mann“, sagte sie zornig und stemmte die Hände in die Hüften. „Ich habe dich schon überall gesucht!“ Sie musste allerdings einen Teil des Gesprächs mitbekommen haben, denn sie fügte in einem etwas versöhnlicheren Tonfall hinzu: „Es herrscht gleich ein furchtbares Donnerwetter, wenn du nicht bald im Bett bist!“

Die Männer grölten vor Lachen. Er verabschiedete sich und lief, begleitete von seiner Mutter, zu einem der Wohnhäuser. Er würde in dieser Nacht bestimmt gut schlafen und einen ganz besonderen Traum haben – vielleicht sogar einen aufregenden von Piraten oder Drachen.

Den ganzen Abend lang hatte niemand die beiden Gestalten bemerkt, die verborgen im Schatten, an einer Hauswand lehnten. Der Jüngere von den beiden schüttelte ungläubig den Kopf und lachte: „Die haben keinen blassen Schimmer, was damals wirklich passiert ist, oder?“

Pah, sie werden die Wahrheit über Taranis noch früh genug erfahren!“, antworte Mendoza schroff.

(Kurzgeschichte von Alexander Bermel)

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