Battleborn – Die Borderlands-LoL-Mischung auf dem Prüfstand (Review)

Es ist wieder soweit. Gearbox Software spendiert uns ein neues Spiel, das kunterbunt und durchgedreht daherkommt. Nein, wir sprechen hier nicht von einem „Borderlands“, wobei genau davon auch eine gehörige Portion in „Battleborn“ steckt, genauso wie eine Ladung MOBA. Und obwohl das vielversprechend klingt, reicht es schließlich nicht für den großen Erfolg. Spaß macht es dennoch.

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Klären wir zunächst die Frage: Was ist „Battleborn“? Hierbei handelt es sich um einen Team-Shooter, der sich um die Rettung des letzten Sterns der Galaxis vor einem mysteriösen Übel dreht. Als Spieler schlüpft man in die Rolle einer Bande von abgedrehten Badass-Helden, von denen insgesamt 25 verschiedenen Charakteren zur Auswahl stehen. Anschließend geht man dann entweder auf computergesteuerte Gegner oder aufeinander los. Das Interessante hierbei ist die Vielfältigkeit der einzelnen Helden, doch dazu später mehr. Widmen wir uns zunächst dem Inhalt.

Eins steht schon mal fest. „Battleborn“ hat viel zu bieten. Neben einem PvP-Modus kommt der Spieler in den Genuss einer Koop-Kampagne, die man mit bis zu vier weiteren Kollegen in Angriff nehmen kann. Doch bevor man sich überhaupt auf irgendeine der beiden Möglichkeiten stürzen kann, muss man den Prolog bewältigen, was keineswegs lästig ist. Immerhin gibt es hierdurch eine gratis Einweisung in die Steuerung und obendrein findet eine Einleitung der hübschen Story statt, die zwar nicht unbedingt tiefgreifend ist, dafür aber vor schrägen Humor strotzt. Aber bevor wir überhaupt den Controller nutzen können, blicken wir auf ein liebevoll gestaltetes Intro.

Hand aufs Herz. Auch wenn man anfangs vielleicht versucht, durchzublicken, wer gegen wen kämpft, warum sie kämpfen und was für einen Sinn manche Handlungen überhaupt machen, wird man schnell merken, dass die Story von „Battleborn“ im Grunde gar keine entscheidende Rolle spielt. Sie ist vielmehr ein kleines, amüsantes Feature, was keineswegs bedeutet, dass man den Koop-Modus außer Acht lassen sollte. Man kann innerhalb der Missionen nämlich den gewählten Charakter leveln und obendrein neue, spielbare Weggefährten, die übrigens auf die Bezeichnung „Battleborn“ hören, freischalten und diese anschließend auch im PvP-Modus nutzen. Darüber hinaus wird somit die Möglichkeit geboten, unterschiedliche Charaktere auszuprobieren und gegebenenfalls seine persönliche Technik für den Kampf zu verbessern. Abgesehen von kaum auftretenden, kurzen Rucklern läuft der Koop-Modus gut über die Bühne und macht im Großen und Ganzen eine solide Figur.

battleborn-bild-9Unbedingt mehr Inhalt verlangen, braucht man nicht. Denn mit dem PvP-Modus wird dem Spieler eine Langzeitbeschäftigung geboten. Auf langer Sicht handelt es sich hierbei sowieso um den interessanteren und vor allem vielversprechenderen Part im Spiel. An dieser Stellen sollten wir vielleicht auf einen oft getätigten Vergleich eingehen. „Battleborn“ wird in diesem Bereich nämlich gern mit dem kommenden „Overwatch“ verglichen. Doch während sich das Werk von Gearbox Software besonders durch die MOBA-Elemente auszeichnet, ist die vermeintliche Alternative eher ein typischer Arena-Shooter. Vor allem darauf aufbauend sind wir der Meinung, dass die beiden Titel eigentlich in keiner direkten Konkurrenz stehen sollten, was trotz unserer Ansicht aber der Fall ist. Doch kommen wir zurück zur „Battleborn“ und seinen PvP-Modus.

Die teambasierte Action umfasst insgesamt drei unterschiedliche Modi, in denen bis zu 10 Spieler online in 5-gegen-5-Matches antreten können. In „Capture“ stehen sich die verrückten Heldenteams in einem Capture The Flag gegenüber und müssen, wie es sich für diesen Klassiker gehört, einzelne Ziele auf der Karte einnehmen und halten, um Punkte zu sammeln und letztendlich als Sieger hervorzugehen. Der Haken an der Sache sind die klein gehaltenen Maps, die dafür sorgen, dass man trotz verhältnismäßig geringer Anzahl an Spielern nahezu ununterbrochen auf Gegner trifft. Dass die entsprechenden Ziele nicht lang in der Hand des einen Teams bleiben, ist da wohl keine große Überraschung. Shooter-Experten wissen sehr gut, dass derartige Modi in Kombination mit einem kleinen Areal extrem viel Action versprechen und genau das ist hier der Fall. Entsprechend kurz sind jedoch auch die einzelnen Partien. Doch während dieser Modus eine typische Spielvariante für das Shooter-Genre darstellt, begeben wir uns mit „Überfall“ auf eine Ebene, die wohl vor allem „League of Legends“ Spieler anspricht. Denn hier werden die einzelnen Teams durch Wellen von KI-kontrollierten Schergen ergänzt und müssen mit deren Hilfe sowohl die feindliche Basis zerstören als auch die eigene beschützen. Ein typisches MOBA, das unserer Meinung nach auch das Herzstück von „Battleborn“ darstellt. Vergleichbar ist auch der dritte Modus. In „Schmelze“ müssen wir unsere Schergen nämlich im wahrsten Sinne des Wortes in den Tod schicken. In der Kartenmitte befindet sich eine Brennkammer, in die sich die kleinen KI-Freunde stürzten und jeweils einen Punkt generieren. Das Team mit den meisten Punkten gewinnt.

BATTLEBORN (5)Die Formel für einen glorreichen Sieg ist die abgestimmte Wahl der einzelnen Charaktere. Jeder besitzt nämlich individuelle Waffen und Fähigkeiten, die natürlich alle Vor- und Nachteile mit sich bringen. Ein Heiler kann zwar maßgeblich über den Erfolg der Truppe entscheiden, besonders angriffslustig sollten diese allerdings nicht sein. Sollte man dennoch in die Offensive gehen, wird man schnell merken, dass man in dieser Hinsicht nicht viel bieten kann. Man sollte sich also eher im Hintergrund halten und fleißig seine Mitspieler unterstützen. Das Schöne an den Battleborn ist außerdem, dass es sowohl Fern- als auch Nahkämpfer gibt. Es herrscht also eine Mischung aus Gewehren, Schwertern, irgendwelchen magischen Kugel, die durch die Luft fliegen, und so weiter. Dank einer guten Balance entstehen für den Spieler aufgrund dieses Mischmaschs allerdings keine Benachteiligung. Nach einer gewissen Zeit wird man jedoch merken, dass einige Charaktere einfach keine Chance gegen einen bestimmten anderen haben. Glücklicherweise haben diese wiederum große Probleme im direkten Kampf mit einem der übrigen Helden. Alles in allem haben die Entwickler von Gearbox Software hier ein harmonisches System erschaffen.

Wo wir schon bei Systemen sind: Besonders lobenswert ist das neuartige Helix-Levelsystem. Während man in Shootern wie „Call of Duty“ in den einzelnen Partien Erfahrungspunkte sammelt und hiermit gegebenenfalls neue Ausrüstung für die nächste Runde freischaltet, funktioniert es bei diesem Titel etwas anders. Jeder Charakter steigt in „Battleborn“ zwar auch im Rang auf, einen entscheidenden Einfluss auf die einzelnen Spiele hat das nicht unbedingt. In einem Match kann man nämlich bis zur zehnten Stufe aufsteigen und hierdurch neue Fähigkeiten freischalten bzw. verbessern. Auf der nächsten Karte fängt man dann aber wieder bei null an. Bei jedem Levelaufstieg kann der Spieler zwischen zwei, manchmal sogar drei unterschiedlichen Boni wählen, die natürlich bei jedem Helden anders sind. Aufgrund der im Ganzen betrachtet recht umfangreichen Möglichkeiten, kann jeder Spieler innerhalb einer Partie auf die aktuell gültige Situation reagieren und durch die Wahl eines Bonus alles komplett verändern. Das bringt nicht nur frischen Schwung, sondern auch taktische Tiefe mit sich. Leider kann letzteres nicht perfekt aufblühen, da aktuell leider eine eher schlechte Kommunikation im Team herrscht. Sollte man nicht mit Freunden in die Partie starten, zieht man sein Ding auf dem virtuellen Schlachtfeld im Endeffekt allein durch.

Umso wichtiger ist es, sich im Vorfeld zu überlegen, welche Funktion man übernehmen will, was vor allem im Modus „Überfall“ von Bedeutung ist. Wenn alle fünf Spieler blind auf die feindlichen Wellen von Schergen einschlagen, bringt dies letztendlich recht wenig. Es geht nämlich nicht darum, die gegnerischen Spieler möglichst oft zu besiegen, sondern die beiden Wächterbots der anderen Seite zu vernichten. Als Hilfsmittel kann man hierbei, wie auch in den anderen beiden Modi, auf stationäre Geschütze, Heilstationen und Bewegungs-Beschleuniger zurückgreifen. Diese müssen jedoch erst gebaut und können danach verbessert werden. Hierfür benötigt man Splitter, die sich überall auf der Karte sammeln lassen. Ein ebenfalls vorteilhaftes Instrument für den Sieg sind die sogenannten Leibeigenen-Söldner, die man im Modus „Überfall“ zunächst besiegen muss, damit diese danach für das eigene Team kämpfen. Nutzt man diese Möglichkeit im richtigen Moment, kann das maßgeblich das Gefecht beeinflussen – vorausgesetzt, es herrscht eine gute Kommunikation. Egal welcher Modi, ein Problem hat „Battleborn“ allerdings. Es wird nämlich schnell recht unübersichtlich, was hauptsächlich an den zahlreichen Spezialeffekten und auch an den Schergen liegt. Vor allem Nahkämpfer könnten hierdurch kleinere Probleme beim Kampf bekommen.

Abseits der Schlachten dreht sich dann alles um die Entwicklung der Charaktere. In der Kommandozentrale lassen sich Skins und Spott-Sprüche auswählen, Talente bearbeiten und natürlich auch Statistiken einsehen. Darüber hinaus findet man hier einen In-Game-Shop, der zum Glück ohne Mikrotransaktionen auskommt. Durch gesammelte Punkte lassen sich hier Lootpacks mit Ausrüstungsgegenständen kaufen, von denen man drei wählen und in den Gefechten nutzen kann. Jedoch benötigt man für die Aktivierung die verteilten Splitter auf der Karte. Dank dieser Anpassungsmöglichkeiten kann man die Charaktere individuell auf seinen Kampfstil auslegen, was letztendlich natürlich für mehr Vielfalt auf dem virtuellen Schlachtfeld führt. Das heißt also, befindet sich im gegnerischen Team der gleiche Battleborn, muss das nicht zwangsläufig bedeuten, dass dieser genauso stark ist wie man selbst.

Battleborn_Incursion_3P_Minions_01Ein Kritikpunkt ist derzeit aber die Suche von Spielern. Man muss gelegentlich schon bis zu einer Minute warten, bis man entsprechende Kollegen findet. Das ist zwar noch alles akzeptabel, jedoch werden Spieler mit Kommandorang 5 oftmals mit Spielern Rang 35 zusammengewürfelt. Also die Anfänger kämpfen häufig gegen erfahrende Gamer, was sich natürlich auf das Gefecht auswirkt und nicht unbedingt viel Spaß verspricht.

In Hinsicht auf die Grafik kommt „Battleborn“ mit einem Comic-artigen Style daher, den man bereits aus der „Borderlands“-Reihe gewohnt ist. Dennoch sind sie von der Aufmachung her nicht ein und dasselbe, was wohl an der extrem bunten Darstellung liegt. Darüber hinaus wirkt „Battleborn“ alles in allem etwas detaillierter. Nichtsdestotrotz lassen sich hin und wieder matschige Texturen finden, die sich jedoch an solchen Stellen befinden, wo der Spieler sowieso nicht unbedingt hinschauen würde und daher wohl den Zweck haben, das Spiel flüssig zu halten. Der Koop-Modus kann darüber hinaus mit einer Menge Humor sowie einer guten Synchronisation punkten.

Fazit:

„Battleborn“ stellt eine actionreiche Mischung aus Shooter und MOBA dar, wobei letzteres klar überwiegt. Das Schöne hierbei ist die vereinfachte Komplexität, sodass auch Anfänger schnell zurechtkommen. Schräger Humor und eine kunterbunte Spielwelt sorgen darüber hinaus für ein gutes Gesamtbild. Hier und da gibt es zwar noch kleinere Kritikpunkte, doch im Großen und Ganzen verspricht „Battleborn“ eine große Portion an Spaß sowie teambasierte Action mit einer tiefgründigen Taktik. Nichtsdestotrotz ist der Titel doch eher speziell, sodass sich langfristig wohl nur eine kleinere Community integrieren wird. Zum großen Erfolg reicht es daher also nicht, was keineswegs vom Kauf abschrecken sollte.

 

Battleborn Wertungskasten

„Battleborn“ ist eine ehrgeizige Genre-Fusion, umgesetzt von den Entwicklerteams des begeistert aufgenommenen Rollenspiel-Shooter-Hybriden Borderlands 2. Das Spiel kombiniert stylische Grafik und intensive First-Person-Action mit dem branchenführenden kooperativen Kampf à la Gearbox und einem umfassenden Aufgebot verschiedener Helden. „Battleborn“ spielt in der fernen Zukunft eines imaginären Sciencefiction-Universums, in dem die Spieler eine storybasierte Koop-Kampagne sowie kompetitive Multiplayer-Matches erleben.

„BATTLEBORN“ erschien am 3. Mai 2016 für die PlayStation 4, Xbox One und für den PC.

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