No Man’s Sky – Absturz oder Höhenflug? (Review)

Der Weltraum Erkundungshit „No Man’s Sky“ gehört zu den am meisten gehypten Spielen der letzten Zeit. Der oft verschobene Releasetermin sowie der relativ hohe Anschaffungspreis führten jedoch zu einer immer kritischeren Haltung der Spieler. Nun ist der Titel endlich seit einigen Tagen erhältlich.

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Der oft verschobene und lang erwartete Erkundungshit „No Man’s Sky“ aus der Entwicklerschmiede um die Mannen von Hello Games ist nun endlich seit einigen Tagen erschienen. Auch wir haben uns in ein Raumschiff gewagt und mit der Erkundung der unzähligen Planeten und nahezu unendlichen Weiten begonnen. Ob „No Man’s Sky“ zum Höhenflug ansetzt oder doch eher eine Bruchlandung hinlegt, erfahrt ihr hier in unserem Test. Aufgrund der extremen Größe des Weltalls und den schier unzähligen Möglichkeiten stellt dieser Test nur eine Vorab-Bewertung dar. Daher werden wir nach einer gewissen Zeit ein Update zum Thema Langzeitmotivation liefern.

Was ist „No Man’s Sky“?

Während viele Spieler bereits das Weltall unsicher machen, stellt sich der ein oder andere die Frage, wo „No Man’s Sky“ überhaupt einzuordnen ist. Hierbei handelt es sich um einen Titel, bei dem das Erkunden und Herstellen von Verbesserungsgegenständen im Vordergrund stehen. Ebenso müssen wir im Stil eines Survival-Spiels auf die verschiedenen Witterungsbedingungen, wie Hitze, Kälte oder Strahlung achten, damit wir bei unseren Erkundungstouren nicht das Zeitliche segnen. Das Spielprinzip ohne echte Story ist am ehesten mit dem Aufbauspiel „Minecraft“ zu vergleichen. Zu den beeindruckensten Features gehören zum einen der Übergang vom Weltraum zu den verschiedenen Planeten, welcher nahtlos und ohne Ladezeiten verläuft. Zum anderen die prozedurale Generierung, mit derer die Gestaltung Planetenoberflächen durch einen Algorithmus, die Flora und Fauna immer wieder neu berechnet, um eine nahezu unglaubliche Abwechslung der Beschaffenheit der Planeten zu liefern. Mal befindet ihr euch auf einem kargen, radioaktiv verseuchten Planeten ohne jegliche Fauna und Flora, ein anderes Mal auf einer dicht bewaldeten Dschungeloberfläche mit unzähligen, teilweise monströs wirkenden Lebewesen. Als wages Ziel gibt uns der Titel das „Erreichen des Zentrums des Universums“ an die Hand. Auf welchem Wege wir das machen, oder ob wir dieses Ziel komplett ignorieren, bleibt dem Spieler überlassen.

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„No Man’s Sky“ läuft zwar auf Online-Servern, ist jedoch momentan noch als Singleplayer konzipiert. Theoretisch ist es möglich, andere Spieler zu treffen, was aber durch die enorme Größe des Weltraums fast unmöglich ist. Die Wahrscheinlichkeit, einen anderen Spieler zu treffen, liegt nach Aussage der Entwickler bei weniger als einem Prozent. Einen PvP- oder Koop-Modus sowie eine Spielersuche gibt es ebenso nicht. Hier wurde unserer Meinung nach viel Potenzial, besonders im Hinblick auf die Langzeitmotivation, verschenkt.

Flieger, grüß mir das Universum

Zu Beginn erwachen wir auf einem uns unbekannten Planeten und bemerken, dass unser Raumschiff stark beschädigt neben uns liegt. Unser erstes Ziel ist es nun, die Oberfläche nach geeigneten Ressourcen abzusuchen, um unser Fluggefährt zu reparieren und den Planeten zu verlassen. Dabei müssen wir mit unserem Multiwerkzeug auf die gesuchten Materialien zielen und diese per Laserstrahl abbauen. Weiter fungiert es auch als Waffe gegen Lebewesen oder Wächterdrohnen, die je nach Planet feindlich gesinnt sein können. Ebenso können wir direkt zu Beginn entscheiden, ob wir dem „Weg des Atlas“ folgen möchten, oder das Universum ohne jegliche Hilfe erkunden wollen. Folgen wir dem mysteriösen Atlas, bekommen wir einige Eckdaten der „Story“ angezeigt und haben somit eine Art Leitfaden durch die unendlichen Weiten des Universums.

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Ihr fragt euch, warum das Wort „Story“ in Anführungszeichen steht? Weil eine klassische Story in dem Sinne nicht vorhanden ist. Als einziges Ziel wird uns das „Erreichen des Zentrums des Universums“ mit auf den Weg gegeben. Wir können aber jeder Zeit entscheiden, ob wir die Reise zum Mittelpunkt beginnen, beziehungsweise fortsetzen wollen, oder wir einfach von Planet zu Planet reisen, um jene einfach nur zu erkunden. Zusätzlich werden kleinere „Storyfetzen“, die oft die Rahmenbedingungen des Universums beleuchten, eher kryptisch durch das Hacken von Terminals oder Aktivieren von Monolithen erzählt. Vorteil dieser spielerischen Freiheit ist, dass wir frei entscheiden können, wie wir das Weltall erkunden wollen und wir so von Anfang an die Möglichkeit haben, unsere eigene Geschichte zu gestalten. Im direkten Bezug dazu kann die Entscheidung einer fehlenden Story aber auch ein Nachteil sein, in dem auf lange Sicht kein direktes Ziel vor Augen ist und somit „Erfolgserlebnisse“, zum Beispiel beim Abschließen einzelner Storymissionen, ausbleiben. Im schlechtesten Fall hat dieser Umstand negative Auswirkungen auf die Langzeitmotivation des Titels. Wir empfanden die offene Gestaltung jedoch als sehr angenehm und konnten uns trotz der offenen Gestaltung gut zurecht finden. Kleine Randnotiz: Durch den Algorithmus, auf den wir weiter unten noch genauer zu sprechen kommen, ist der Startplanet bei jedem Spieler unterschiedlich und somit einzigartig.

Scannen, Craften, Verbessern

Im Verlauf des Spiels erkunden wir immer mehr Planeten und Sternensysteme, die uns immer näher an den Mittelpunkt des Universums bringen. Hierbei steht vor allem das Sammeln von Ressourcen im Vordergrund. Diese werden zum Beispiel als Treibstoff für unser Schiff und unseren Überlebensanzug benötigt, wie auch zum Herstellen von Upgrades, wie einem stärkeren Schutzschild oder eines stärkeren Lasers für unsere Waffe. Da nahezu jeder Gegenstand sammelbar ist, macht das Erkunden der Planeten nicht zuletzt wegen der abwechslungsreichen Gestaltung der Oberfläche großen Spaß. Ebenso besuchen wir Außenposten, in denen Vertreter der verschiedenen Alienrassen, wie der Gek, Vy’keen oder Korvax sitzen und zum Handeln bereitstehen. Auch können wir nach abgestürzten Raumschiffen suchen, um diese wieder flottzumachen und auch zu übernehmen, oder erforschen alte Monolith-Ruinen, die uns die Sprache der Alienrassen lernen lassen, um in Gesprächen besser verstehen zu können, was genau von uns verlangt ist.

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Ob und was wir tun, ist hierbei erneut völlig uns überlassen. Hin und wieder finden wir in den Außenposten auch Terminals, die sich durch das Lösen einiger Zahlenrätsel hacken lassen und uns so weitere interessante Orte auf dem jeweiligen Planeten offenbaren. Witzige Nebenbeschäftigung: Schon zu Beginn besitzen wir einen Scanner, mit dem wir die Umgebung und Lebewesen analysieren können. Haben wir das gemacht, können wir sowohl Lebewesen als auch Pflanzen bis hin zu kompletten Planeten umbenennen und mit der Community teilen. Ihr wollt also einen Planeten nach euer Mutter benennen? Nur zu! Als netten Bonus bekommt ihr hierfür sogar sogenannte „Units“, die als Ingame-Währung in „No Man’s Sky“ fungieren und zum Handeln mit Ressourcen und zum Kauf von Raumschiffen benötigt werden. Bei all dem Sammelwahn darf das Verbessern der eigenen Ausrüstung natürlich nicht vergessen werden. Denn nicht jeder Planet besteht aus Luft und Liebe. Oft finden wir uns in radioaktiven oder vergifteten Umgebungen wieder, in denen zusätzlich noch extrem hohe oder niedrige Temperaturen herrschen können. Auch das Auftreten von Stürmen erschwert uns manchmal das Überleben, was ein Aufwerten der Ausrüstung unumgänglich macht. Das Aufwerten erfolgt mit Hilfe von Bauplänen, die überall auf den Planeten oder Raumstationen verteilt sind. Das Gameplay an sich ist zwar nach einer gewissen Zeit sehr repetitiv, dennoch wurde uns aber besonders durch die unterschiedlichen Planeten und Lebewesen nie wirklich langweilig. Dennoch besteht die Gefahr von Eintönigkeit bei fortlaufender Spielzeit. Hier sind die Entwickler gefragt, um mit sinnvollen Erweiterungen, die allesamt kostenlos angeboten werden, den Spielspaß auch langfristig zu gewährleisten

Die Technik- Die zwei Seiten der Medaille

Zu den größten Überraschungen im Vorfeld der Veröffentlichung des Titels gehört der Festplattenspeicher, welcher bei ca. 6 GB liegt. Dieser Umstand ist auf die prozedurale Generierung zurückzuführen. Ein Algorithmus berechnet hier die verschiedenen Planetenoberflächen und gestaltet diese immer wieder neu. Das betrifft ebenso die Flora und Fauna. Demnach gibt es keine „vorgefertigten“ Areale, die einen größeren Speicherplatz benötigen würden. Ebenso sorgt der Algorithmus dafür, dass jeder Spieler andere Planeten mit komplett unterschiedlichen Umweltbedingungen bereist und somit jeder einzelne Spieldurchlauf einzigartig ist.

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Weiter läuft „No Man’s Sky“ auf der PlayStation 4 mit nativen 1080p und 30 Bildern pro Sekunde. Speziell bei der Bildwiederholungsrate kann es aber zu Problemen kommen. Beim erstmaligen überfliegen der Planetenoberflächen haben wir das ein oder andere Mal einen deutlichen Einbruch der Framerate festgestellt. Jedoch fand dieses Phänomen fast ausschließlich nur in dieser Spielsituation statt und auch nur für einen kurzen Zeitraum und auch nicht bei jedem Anflug. Dieser Umstand hängt weniger mit der Grafikeinheit, als vielmehr mit der Prozessorleistung zusammen, da in dieser Situation die Umgebung berechnet wird. Viel gravierender sind die noch häufig vorkommenden Spielabstürze, welche die PlayStation für mehrere Sekunden vollständig lahmlegt, um euch letztlich nach Erscheinen einer Fehlermeldung ins Dashboard zurückwirft. Durch faire Speicherpunkte geht euer Fortschritt eher selten verloren, dennoch muss an diesem Punkt unbedingt nachgebessert werden. Die Verantwortlichen von Hello Games sind sich dieser Probleme bereits bewusst und arbeiten derzeit an einem Patch. Ansonsten läuft die Weltraumerkundung äußerst flüssig. Vor allem der nahtlose Übergang vom Weltall zu den Planeten ist beeindruckend und verläuft reibungslos. Der comicartige Grafikstil mit seinen grellen und bunten Farben ist zwar etwas gewöhnungsbedürftig, hat uns aber insgesamt gut gefallen und ist passend zum Spiel.

60€ für ein Indie-Singleplayer-Spiel?

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Ursprünglich wurde die Weltraumerkundung als Indie-Spiel der Entwickler von Hello Games programmiert. Sony erkannte zum damaligen Zeitpunkt das Potenzial und stieg in den Entwicklungsprozess mit ein. Als Ergebnis bekam der Titel eine größer angelegte Werbekampgane und wurde im Zuge dessen wie ein Triple-A Titel behandelt. Dies spiegelt sich auch im doch etwas hoch angesetzten Verkaufspreis von 60€ wieder, welcher bei vielen Spielern für Ärger und Unverständnis sorgte. Auch wir hatten beim Durchstreifen der verschiedenen Sternensysteme nie das Gefühl, einen Triple-A Titel zu spielen. Die spartanische Präsentation sowie das gesamte, repetitive Spieldesign ließ den Indie-Kern immer wieder aufblitzen. Ein Verkaufspreis um die 30€ wäre demnach eine angemessenere Preiskategorie gewesen.

Absturz oder Überflieger?

„No Man’s Sky“ lässt uns zum jetzigen Zeitpunkt mit einem zwiespaltigen Gefühl zurück. Einerseits macht das Erkunden der Planeten wirklich viel Spaß und die prozedurale Generierung lässt jeden Planeten einzigartig erscheinen und ließ uns oft mit staunenden Blicken die Umgebung erkunden. Andererseits ist das Gameplay auf Dauer eher eintönig und der fehlende Multiplayer wie auch eine fehlende Story können bei dem ein oder anderen in fehlender Langzeitmotivation enden. Ebenso ist der hoch angesetzte Kaufpreis von 60€ in diesem Zusammenhang eher abschreckend. Dennoch können wir Liebhabern von Aufbau- und Survival-Spielen, wie „Minecraft“ oder “ 7 Days To Die“, eine Kaufempfehlung aussprechen, sofern der Anschaffungspreis kein Hindernis darstellt. Die Entwickler haben bereits angekündigt, dass neue Spielelemente, wie Basenbau oder eine Spielersuche, ihren Weg in das Weltraumabenteuer finden können. Wann und in welchen Umfang die Neuerungen kommen werden, ist jedoch noch nicht bekannt. Deswegen raten wir allen Unentschlossenen, lieber noch ein wenig zu warten, bis entweder der Kaufpreis gesunken, oder neue Spielinhalte veröffentlicht werden. Alles in allem ist „No Man’s Sky“ ein solider Erkundungstitel, der auf jedenfall einen Blick wert, aber zum jetzigen Zeitpunkt nicht der erhoffte Überflieger ist.

No Man’s Sky Wertungskasten

 

„No Man’s Sky“ ist ein Spiel, in dem man selbstständig ein unvorstellbar riesiges Universum erforschen kann. Während seiner Erkundungsreisen wird der Spieler hierbei immer wieder auf Orte treffen, die individuelle Merkmale besitzen und somit eine völlig andere Vorgehensweise voraussetzen. Nach einer Releaseverschiebung soll der Titel seit dem 10. August für die PlayStation 4 erscheinen. Erst jüngst wurde bekannt, dass die Disc-Version lediglich 6 GB Speicher benötigt.

Ihr wollt die unendlichen Weiten des Weltalls erforschen, wisst aber nicht wo ihr anfangen sollt? Unser Einsteiger-Guide hilft euch, den richtigen Weg zu finden.

Produktbeschreibung des Herstellers

Ein Spiel mit einzigartigem Umfang und Schöpfungskraft, das ganz im Stil klassischer Science Fiction eine überwältigende Vision von Abenteuer Vorstellungskraft bietet. Du kannst in No Man’s Sky eine schier unendliche Anzahl von Welten erforschen und dabei wahrlich einzigartige Planeten und Lebensformen entdecken.

Dringe in die fernsten Tiefen des Weltalls vor, um dem unwiderstehlichen Ruf eines Geheimnisses im Zentrum der Galaxie zu folgen und die wahre Natur des Kosmos zu ergründen. Deine Reise ist voller Gefahren, voll mit feindlichen Kreaturen und verschlagenen Piraten. Du musst dein Schiff, deinen Raumanzug und deine Waffen immer weiter verbessern um zu überleben.

Egal ob du dich entscheidest zu kämpfen, zu handeln oder den Weltraum friedlich zu erforschen, Sei dir bewusst, dass alle deine Entscheidungen Konsequenzen haben werden, während du dir deinen Weg durch No Man’s Sky bahnst.

No Man’s Sky Mini Png

 

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2 thoughts on “No Man’s Sky – Absturz oder Höhenflug? (Review)”

  1. Muss leider sagen das mich das Spiel sehr entäuscht hat. Nicht nur vom spielerischen sondern leider auch vom Preis, denn 60€ ist für die tazechlichen spielerischen Umfang nicht gerechtfertigt. Meiner Meinung nach.
    Übringens: sehr coole App

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