Mafia 3 – Ein unterhaltsamer Gangster-Epos ohne Innovation (Review)

Endlich ist es da! “Mafia 3” aus dem Hause 2K Games spendiert den Spieler ein epischen Gangster-Epos, das mit einer vielfältigen und offenen Spielwelt überzeugen soll. Doch wie gut ist der Titel? Haben wir hier möglicherweise den besten Open-World-Titel des Jahres?

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Mit “Mafia 3” stürzt der Spieler ein weiteres Mal in eine Welt voller Kriminalität. Hierbei schlüpft er in die Haut von Lincoln Clay, der nach Jahren des Kampfes in Vietnam zurück in seine Heimat New Bordeaux kehrt. Schnell merkt er, dass er seiner kriminellen Vergangenheit nicht entfliehen kann. Und so gerät er inmitten eines Konfliktes, der letztendlich blutig endet. Denn die italienische Mafia löscht seine gesamte Ersatzfamilie aus. Voller Wut und dem Verlangen, sich zu rächen, gründet er schlichtweg eine neue Mafiosi-Familie und beginnt seine Feinde erbarmungslos zu jagen. Im Mittelpunkt stehen heftige Feuergefechte, brutale Nahkampfaktionen und rasante Fahrten durch die Stadt.

Eins plus Eins macht Eins?

Was beim neuesten Projekt von Hangar 13 hervorsticht, ist die Präsentation. So wird eine grundlegende Geschichte aus gleich zwei zeitlichen Perspektiven erzählt. Zum einen erlebt der Spieler selbst die Handlung im Jahr 1968 und zum anderen gibt es in regelmäßigen Abständen Szenen aus einer Gerichtsverhandlung, die zu einem späteren Zeitpunkt stattfindet und sich eben mit den Ereignissen von 1968 beschäftigt. Hinzu gesellen sich Interviews mit Zeitzeugen. Dazu gehören beispielsweise ein pensionierter Priester, der in seinem Leben immer wieder mit Lincoln zu tun hatte, oder ein leitender Polizist, der Ermittlungen gegen den Protagonisten führte. Alles in allem darf sich der Spieler quasi über eine Art Dokumentation freuen, in der über den Racheakt von Lincoln aufgeklärt wird. Abseits dieser Kombination aus zwei Sichtweisen ist das eigentliche Gameplay reich an Zwischensequenzen, die liebevoll gestaltet sind und für eine abgerundete Präsentation sorgen. Vor allem derartige Szenen lassen die Story greifbar werden und sorgen für einen wiedererkennbaren Wert von “Mafia 3”.

Die Entwickler haben aufgrund der Story vollkommen auf einen Mehrspieler-Part verzichtet. Man wollte den Fokus komplett auf die Geschichte rund um Lincoln richten und vorrangig seine Entwicklung in den Vordergrund stellen. Und somit wird es wie in den Vorgängern nicht möglich sein, zusammen mit anderen Spielern die virtuelle Spielwelt unsicher zu machen. Störend ist dieser Umstand aber keineswegs. Immerhin scheinen packende Solo-Erfahrungen immer weniger in der Videospielbranche vertreten zu sein.

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Willkommen in New Bordeaux

“Mafia 3” ist ganz klar ein Open-Worl-Titel, der ein gutes Feeling vermittelt. Man kauft es dem Spiel einfach ab, sich in einer vergangenen Zeit zu bewegen. Das liegt vor allem an den passenden Fahrzeugen und natürlich auch stark an der Kleidung der anzutreffenden Bürger. Auch wenn sich die Entwickler unmissverständlich vom Rassismus distanzieren und ihn nicht unterstützen, gehört er einfach zum Bild der 60iger Jahre in den USA und ist aus diesem Grund auch eindeutig zu spüren. Immer wieder hört man feindliche Äußerungen gegenüber Schwarzen und auch das allgemeine Benehmen von Menschen mit weißer Hautfarbe ist meist herablassend. Allerdings ist genau das ein Grund dafür, warum “Mafia 3” so authentisch wirkt. Ebenfalls lobenswert: Wenn es regnet, laufen viele Personen mit einem Regenschirm durch die Straßen. Kleinigkeiten, die aber nicht vernachlässigt werden sollten. Doch eine Spielwelt zeichnet sich nicht nur durch seine Atmosphäre aus.

In Hinsicht auf die Größe der begehbaren Umgebung hat man zweifelsohne schon weitläufigere Landschaften gesehen. Nichtsdestotrotz ist sie okay. Genügend Platz, um sich auszutoben, ist vorhanden. Zusätzlich besteht die Karte aus verschiedenen Bereichen. So gibt es sumpfige Areale oder einen relativ großen Stadtbezirk. Etwas schade ist dagegen, dass die Stadt teilweise etwas lieblos daherkommt und allgemein recht wenig los ist. Umso ärgerlicher empfindet man eine verstopfte Straßenkreuzung. Zum einen, weil plötzlich extrem viele Fahrzeuge anzutreffen sind und zum anderen, weil es sich hierbei scheinbar um einen Fehler der KI handelt. Obwohl für manche Autos die Straße frei ist und sie fahren könnten, warten sie und blockieren somit alles. Das kann gehörig nerven, vor allem wenn man gerade jemanden verfolgt und dieser ebenfalls warten, bis es weitergeht. Nur geht es nicht weiter.

Potenzial verschenken die Entwickler bei den Freizeitmöglichkeiten. Zwar lassen sich überall verschiedene Geschäfte antreffen, die man auch betreten kann, aber außer das Stehlen vom Bargeld aus der Kasse ist nichts Weiteres möglich. Entspannt ein alkoholisches Getränk in einer Bar zu sich zu nehmen, wäre doch eine elegante Angelegenheit. Stattdessen kann man einfach nur die anderen Menschen beobachten und belauschen. Auch das Einkleiden seines Charakters, wie man es sehr gut aus “Grand Theft Auto 5” kennt, ist im Gangster-Epos von 2K Games nicht möglich. Hier hätten wir uns mehr gewünscht.

Erst nerven, dann ärgern.

Der Rachfeldzug gestaltet sich als äußerst aufwendig. Nach und nach greifen wir die Macht in einzelnen Bezirken an uns und erledigen wichtige Personen, die Schlüsselpositionen der italienischen Mafia einnehmen. Doch bevor man einen bestimmten Bereich der Stadt unter die eigene Kontrolle bringen kann, muss man zunächst den Umsatz der Kriminellen reduzieren, quasi die illegalen Geschäfte sabotieren. Ist das geschafft, lässt sich der Boss blicken. Eine Chance, die Lincoln natürlich gern annimmt und ein wenig mit ihm “redet”. Im Endeffekt wird die Polizei mit einer Menge an Aufräumarbeiten beschäftigt sein. Diese Abfolge – Sabotieren, Töten, Übernehmen – zieht sich durch das gesamte Spiel. Glücklicherweise sorgen eine stets wechselnde Kulisse, die bereits erwähnte Präsentation und kleinere Abweichungen beim Grundprinzip dafür, dass die gesamte Angelegenheit nicht zu eintönig wird. Eine gewisse Vielfalt ist also vorhanden.

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Aber auch nach der Übernahme eines Bezirkes ist die Arbeit nicht getan. Denn das illegale Geschäft muss gepflegt werden. Und so stehen immer wieder bestimmte Nebenmissionen zur Verfügung, die bei erfolgreichem Abschluss der Profit erhöhen. Profit, den die Unterbossen verdienen und einen gewissen Anteil davon an euch abgeben. Apropos Unterbosse. Von diesen gibt es insgesamt drei, denen man je nach Belieben die übernommenen Areale zur Verwaltung zuordnen kann. Jedoch wird Feingefühl vorausgesetzt. Denn die Beziehung muss gepflegt werden, ansonsten machen sich die Geschäftspartner selbstständig und lösen eine Art Revolte im Stadtgebiet aus, um selbst die Kontrolle zu übernehmen. In diesem Fall empfiehlt es sich selbstverständlich, den ehemaligen Partner aufzusuchen und mit ihm zu “reden”. Zusammenfassend handelt es sich bei diesen Geschäften um ein interessantes Feature, das vor allem die Spielzeit deutlich erhöht.

Zeit für den Kampf

Gewalt ist ganz normal in “Mafia 3”. Wer nicht das macht, was er soll oder zur falschen Zeit am falschen Ort ist, bekommt eine Kugel in den Kopf. Lincoln ist aufgrund seiner militärischen Ausbildung der perfekte Mann für diese raue Welt und erledigt somit problemlos mehrere Gegner. Allerdings sollte man sich hüten, direkt in die Schusslinie zu laufen. Denn besonders zum Anfang des Spieles kann ein Treffer mit der Schrotflinte für enormen Schaden sorgen. Also empfiehlt es sich, auf Stealth zu setzen. Feindlich gesinnte Mafiosi lassen sich heimlich problemlos und vor allem brutal umlegen. Logischerweise sollte ein derartiger Angriff über die Bühne gehen, ohne alle anderen Widersacher zu alarmieren. Bedauerlicherweise ist dies einfacher als gedacht. Auch wenn mehrere Gegner in unmittelbarer Nähe stehen, kommt stets nur einer angelaufen, wenn man hörbar Pfeift. Und obwohl die anderen das Takedown eigentlich sehen müssten, bekommen sie es in den seltensten Fällen tatsächlich mit. Aus diesem Grund stellen die Kämpfe selten eine wirkliche Herausforderung dar.

Endlich eine deutsche Synchronisation!

Was die Open-World-Kracher von Rockstar Games scheinbar nie schaffen, macht “Mafia 3” mit Bravour (und auch schon Teil2). Es gibt eine Synchronisation in verschiedenen Sprachen, darunter auch in Deutsch. Gleiches trifft für den je nach Bedarf aktivierbaren Untertitel zu. Hierfür können wir die Entwickler von Hangar 13 loben! Aber auch abseits der Sprachausgabe macht der Titel eine gute Figur. Okay, in seltenen Fällen war die Lautstärke eines Gesprächspartners plötzlich verhältnismäßig leise, ansonsten sind die Dialoge aber einwandfrei. Was man an dieser Stelle vielmehr in den Vordergrund rücken sollte, ist der Soundtrack. Eine umfangreiche Liste aus lizenzierten Songs steht für das Mafia-Abenteuer zur Verfügung. Selbstverständlich alle aus der damaligen Zeit. Das schraubt die Authentizität noch um einiges nach oben.

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Aber bezüglich der Technik gibt es auch eine Kehrseite. Zwar überzeugt der akustische Part auf ganzer Linie, bei der Grafik sind dafür gemischte Gefühle vorhanden. Denn man muss ganz klar sagen, dass “Mafia 3” keinen neuen Standard der Grafik einführt. Stattdessen ist es eher von einer Qualität, die okay ist. Sie ist nicht schlecht, aber auch nicht hervorragend. Halt einfach okay. Ein großes Sorgenkind sind Spiegel. Denn diese stellen in den meisten Fällen nicht originalgetreu dar, was sich tatsächlich vor ihnen abspielt. Und auch der Rückspiegel beim Autofahren kann ein wenig Nachbesserung vertragen. Er offenbart nämlich, wie schnell das direkte Umfeld außerhalb des Sichtfeldes verschwinden. Während sich die Spielwelt vor dem Spieler rechtzeitig generiert und einen weiten Blick ermöglicht, entschwinden sie scheinbar doppelt so schnell hinter einem. Das sind so die Kleinigkeiten, die beweisen, dass “Mafia 3” ruhig ein wenig zusätzlichen Feinschliff vertragen kann. Hoffentlich leisten kommende Updates hierbei ihre Arbeit sorgfältig.

Umso interessanter ist aber auch die Frage, wie gut sich die PlayStation 4 Pro in diesem Gesichtspunkt schlagen wird. Denn die leistungsstärkere Konsole sollte einige weitere Möglichkeiten mit sich bringen. Passend zum Launch werden die Entwickler ein entsprechendes Update nachreichen. Erst dann werden wir sehen, inwiefern “Mafia 3” wirklich von der PlayStation 4 Pro profitieren kann.

Fazit:

Wir müssen eindeutig sagen, dass “Mafia 3” weder neue Maßstäbe innerhalb der Videospielbranche noch innerhalb der “Mafia”-Reihe selbst liefert. Vielmehr hätten die Entwickler an einigen Stellen noch Optimierungen durchführen sollen. Auch bei der Interaktion mit der Spielwelt hätte ruhig mehr möglich sein dürfen. Nichtsdestotrotz liefern Hangar 13 eine solide Leistung ab, in der vor allem eine erstklassige Inszenierung der Geschehnisse hervorsticht. Darüber hinaus macht der Titel besonders zu Beginn extrem viel Spaß und ermöglicht einen unterhaltsamen Aufbau eines Gangster-Imperiums. Eine klare Kaufempfehlung gibt es zwar nicht, für den ein oder anderen Spieler ist “Mafia 3” dennoch einen Blick wert.

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Offizielle Spielbeschreibung

Eine neue Familie aus der Asche der Vergangenheit
Errichte ein neues Verbrecherimperium, auf deine ganz eigene Art und Weise, indem du entscheidest, welche deiner Lieutenants du beförderst und welche du fallen lässt…

New Bordeaux. Entdecke ein nachempfundenes 1968er New Orleans
Tauche ein in eine riesige, abwechslungsreiche und zwielichtige Welt, die von Gangstern und korrupten Beamten beherrscht wird, reich ausstaffiert mit den optischen und akustischen Details und der emotional aufgeheizten sozialen Stimmung, die typisch waren für
eines der turbulentesten Jahre der amerikanischen Geschichte.

Ein widerwilliger und tödlicher Anti-Held
Werde zu Lincoln Clay, einem Waisenjungen und Vietnamveteranen, der nur noch Rache nehmen will; Rache an der italienischen Mafia, welche die schwarzen Gangster brutal ermordet hat, die für Lincoln die einzige Familie in seinem Leben waren.

Wähle deinen Weg zur Rache und errichte dein eigenes Verbrecherimperium
Suche dir deinen eigenen Spielstil aus, irgendwo zwischen brutaler Gewalt mit wüstem Geballer und heimlichen Attentaten aus dem Verborgenen. Setze Lincolns militärische Ausbildung ein und sammle vertrauliche Informationen, um die Mafia zu Fall zu bringen. Errichte ein neues Verbrecherimperium, auf deine ganz eigene Art und Weise, indem du entscheidest, welche deiner Lieutenants du beförderst und welche du fallen lässt …


 

 

Gewinnspiel

Mir freundlicher Unterstützung von 2k Games, verlosen wir eine Mafia 3 Jacke und keine Sorge, da ist kein Blut dran 😉

Schreibt einfach einen Kommentar warum gerade ihr diese Jacke gebrauchen könntet und lasst (wichtig) einen Like auf Facebook da (siehe Link)

Das Gewinnspiel endet schon am kommenden Freitag (21.10) 20 Uhr, der Gewinner wird kurz danach ermittelt.

Wir wünschen euch viel Spaß

Runde 2 folgt eine Woche später

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Und der Gewinner ist

Steffen Meyer

 

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25 thoughts on “Mafia 3 – Ein unterhaltsamer Gangster-Epos ohne Innovation (Review)”

  1. Verdammt schade, dass es nicht der erhoffte Knaller ist. Habe es mir zwar schon gekauft werde aber noch ein paar Patches abwarten.
    Finde euren Test aber sehr gelungen.

    1. Ich hatte mir auch etwas mehr erhofft. Aber es ist unterhaltsam, also wäre es nicht passend, wenn ich mich deswegen extrem aufregen würde. Und vielen Dank für das Feedback!

  2. Ich könnte die jacke sehr gut gebrauchen da ich eine jacke bräuchte und diese jacke sehr cool aussieht und von mafia III ist was ihr die coolheit gibtaußerdem mag ich auch gerne mafia III

    1. Liebe Andrea,

      Dein Sohn braucht vermutlich wirklich keine Jacke mehr da Du an jedem Gewinnspiel teilnimmst was irgendwo im Internet zu finden ist. Lass den Preis doch lieber jemanden der wirklich Spaß daran hat und es nicht nur auf Ebay verscherbeln möchte.

  3. Die Jacke gehört eindeutig zu mir da ich schon seit einiger Zeit nach ner Jacke in dem Style suche und wenn sie dann von Mafia ist…um so geiler!!
    Außerdem muss die Jacke zu mir, da ich ansonsten im Lincoln Clay Style vorbei kommen müsste und mir holen muss was mir steht ??

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