Lootboxen – Erstklassiges Feature oder dreiste Abzocke?

Lootboxen sind aktuell ein heißes Thema, das wir nicht links liegen lassen wollen. Und so haben auch wir einen Artikel für euch vorbereitet, mit dessen Hilfe wir kritisch auf die kleinen Kisten mit der wertvollen Beute schauen wollen.

Lootboxen

In den letzten Tagen kam es vermehrt zu ausführlichen Diskussionen, ob Lootboxen eine Art von Glücksspiel darstellen würden. Mittlerweile liegt sogar ein Statement der Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle, kurz USK, vor, auf das wir in den folgenden Zeilen noch näher eingehen werden. Für weiteren Schwung sorgen die Pay-2-Win-Vorwürfe in “Star Wars Battlefront 2”. Die im Titel enthaltenen Kisten bringen uns nämlich nicht nur kosmetische Gegenstände, sondern auch beispielsweise Waffen, sodass ein deutlicher Vorteil entstehen kann. Zwar hat DICE bereits angekündigt, das System zu überarbeiten, dennoch bleiben die Vorwürfe bestehen. Nähere Details gibt es übrigens hier.

Aber warum veröffentlicht im Moment jede zweite Videospielseite einen Bericht über dieses Thema? Zum einen, weil viele Seiten eigentlich zu einem Unternehmen gehören. Darum gibt es oft Überschneidungen bei den Inhalten. Zum anderen aber auch, weil die Lootboxen wirklich eine verdammt heiße Thematik sind. Das liegt nicht nur an den Glückspiel-Vorwürfen und Pay-2-Win-Kritiken, sondern auch an der Tatsache, dass sehr viele AAA-Produktionen auf dieses System setzen. Neben dem angesprochenen Projekt von DICE findet man die Beutekisten auch in den kürzlich veröffentlichten Spielen “Destiny 2” und “Mittelerde Schatten des Krieges”. Des Weiteren verfügt das kommende “Assassin’s Creed Origins” über die Möglichkeit, nützliche Items auf diese Weise zu bekommen. Und auch das weiterhin beliebte “Overwatch” sollte diesbezüglich genannt werden. Ein Großteil der Spieler kommt also mit ihnen in Berührung.

Eine verdrehte Welt

Lootboxen kennen wir eigentlich aus einem anderen Segment des Videospielmarktes. Ein Großteil von Free-2-Play-Titeln setzen auf dieses System, um irgendwie Einnahmen generieren zu können. Schließlich fließt durch den Verkauf kein Geld in die Kassen und ohne finanzielle Mittel kann man kein Spiel entwickeln sowie einen langfristigen Support bieten. Daher kann man es sehr gut nachvollziehen, dass die Entwickler diesen Weg gehen. Sofern durch die Kisten kein Pay-2-Win entsteht, ist das auch alles vollkommen in Ordnung und stellt eigentlich keinen Grund dar, irgendetwas zu kritisieren. Jeder Spieler kann selbst entscheiden, ob er durch das Spielen an die Lootboxen kommt oder lieber mittels Echtgeld welche erwirbt und somit den normalen Werdegang beschleunigt. Diese optionale Möglichkeit dient zur Zeit übrigens als eine gern genutzte Begründung, um den Einsatz von Lootboxen in Vollpreis-Titeln zu rechtfertigen.

Wie die oben genannten Beispiele zeigen, findet nämlich eine Ausdehnung statt. Die Beutekiste sind nicht mehr ausschließlich im Free-2-Play-Bereich präsent, sondern inzwischen überall. Und jetzt sind wir an den Punkt angelangt, wo unsere Toleranz verschwindet. Die Begründung, dass man irgendwie die Kosten decken muss, kann jetzt nicht mehr benutzt werden. Schließlich bezahlen die Spieler bereits, um lediglich in den Besitz des Videospieles zu kommen. Es ist durchaus verständlich, dass man hierbei von einer Abzocke spricht. Die Entwickler wollen ihre Produkte nämlich gewinnbringend ausquetschen und jeden möglichen Euro herausziehen.

Lootboxen

Ein Blick in die Vergangenheit macht den Sachverhalt anschaulicher. Früher hat man für ein Spiel bezahlt und dann war es das. Dank Internet ist es möglich, auch nach der Veröffentlichung neue Inhalte zu liefern und so entstanden DLCs, die natürlich Geld kosten. Einerseits nachvollziehbar, da eben zusätzlich Entwicklungskosten entstehen. Anderseits steht der Inhalt nicht immer in einem angemessenen Verhältnis zum verlangten Kaufpreis. Nun geht man noch einen Schritt weiter und bietet obendrein die Lootboxen an, wodurch noch mehr Geld in die Kasse gespült wird.

Da die Spieler nicht völlig blöd sind und so etwas merken, sind die Entwickler und Publisher noch vorsichtig. Bei “Star Wars Battlefront 2” sollen weitere Inhalte kostenlos nachgereicht werden. Über kurz oder lang ist eine Etablierung von Beutekisten und Erweiterungen aber äußerst denkbar. Insbesondere wenn man überlegt, dass man 60 Euro für ein Spiel bezahlen soll und dann noch zusätzlich 50 Euro für den Season Pass sowie weitere 50 Euro für Mikrotransaktionen fällig werden, ist das einfach nur zum Kotzen.

Glücksspiel oder nicht?

Eine Antwort auf diese Frage können wir euch gegenwärtig nicht geben. Allein diese Thematik ist extrem komplex. Für einige Spieler sind Lootboxen ganz klar Glücksspiel. Man soll Geld ausgeben und dafür erhält man zufällig irgendwelche Inhalte. Bei einem Glücksspielautomaten sei es ähnlich. Man werfe Geld hinein und es entstehe ein zufälliges Ergebnis, so die Begründung der Spieler. Viele sind sogar erbost darüber, weil die Kisten diesen Zustand verschleiern. Es sei nicht jedem bewusst, welche Ausmaße das annehmen könne, wird argumentiert. Andere sehen es gelassener. Man bekomme doch stets Inhalte und so gewinne man immer. Im Grunde ist das auch die Antwort der USK. Hier ein Ausschnitt aus dem offiziellen Statement.

“Als Glücksspiel gelten dem Gesetz nach Spiele, bei denen Spieler*innen gegen ein Entgelt eine Gewinnchance erwerben und der Gewinn ganz oder überwiegend vom Zufall abhängt. Lootboxen, die gegen ein Entgelt immer ein zufällig generiertes Item vergeben, gelten nach üblicher Auffassung bisher nicht als Glücksspiel.”

Wir müssen zugeben, dass man diese Begründung nachvollziehen kann. Leider vernachlässigt man dabei etwas. Und zwar die Chancen, wirklich gute und nützliche Items zu erhalten. Die Kollegen von PCGamesN sind dafür bekannt, mehrere Lootboxen in “Overwatch” zu öffnen und das Ergebnis grafisch festzuhalten. In 500 Kisten verstecken sich insgesamt 2.000 Items, wovon lediglich 151 episch und 51 legendär sind. Mal ehrlich: alles was unter diesen beiden Kategorien liegt, interessiert uns Spieler doch eh nicht.

 

Erst süchtig machen, dann abzocken

Zudem bekommen die Spieler anfangs viele Kisten gratis hinterhergeworfen, quasi als ein Willkommensgeschenk. Darüber hinaus spielt man anfangs oft etliche Missionen, die uns Lootboxen bringen. Wir haben zu Beginn also eine Vielzahl an Beutekisten, die wir aufgeregt öffnen und Gefallen an der Sache finden. Im späteren Verlauf wird es aber schwieriger, sie durch einfaches Spielen zu erhalten. Das Bedürfnis, sie weiterhin zu öffnen, bleibt aber bestehen. Und so überlegt man, sie gegen ein Entgelt zu erwerben. Eine ähnliche Vorgehensweisen nutzen Drogendealer, um ihr Zeug an die Leute zu bringen. “Die erste Tüte mit Crystal Meth schenke ich dir, ist geiles Zeug. Probier es ruhig mal aus.” Dass die Droge beim ersten Konsum süchtig macht, erzählt aber niemand. Und schon ist man sozusagen gefangen.

Wir sind doch selbst schuld…

Jetzt kann man natürlich argumentieren, dass die Spieler selbst die Schuld tragen. Die großen Publisher probieren immer neue Dinge aus und was gut läuft, wird auch langfristig etabliert. Würde niemand die Lootboxen nutzen, würde es sie auch nicht geben. Hin und wieder kritisiert man zwar, wie sie in das Spiel eingebaut sind, im Großen und Ganzen nimmt man sie aber an. Wenn wir ehrlich sind, können wir das auch verstehen. Es macht nämlich wirklich sehr viel Spaß, solche Kisten zu öffnen. Es zaubert uns einfach ein Lächeln ins Gesicht, wenn uns etliche Items entgegenfliegen. Ob diese episch oder legendär sind, ist in diesem Moment völlig egal. Umso größer ist natürlich die Begeisterung, wenn die Items tatsächlich äußerst nützlich und selten sind.

Nichtsdestotrotz sollte man nicht alles hinnehmen. Da die Spieler aber dafür bekannt sind, sich aufzuregen, aber nicht wirklich etwas dagegen zu unternehmen, tragen sie unserer Meinung nach wirklich eine Mitschuld. Aber auch die Entwickler und Publisher sollten die Spieler nicht schamlos ausnutzen. Wie so oft haben wir auch hier eine wechselseitige Beziehung. Keine Seite kann ohne die andere etwas erreichen. Ein ehrlicher Dialog wäre somit optimal und eigentlich auch zwingend notwendig.

Gut oder böse?

Jetzt haben wir viel über Lootboxen geschrieben, die entscheidende Frage aber immer noch nicht geklärt. Sind sie nun eine Abzocke? Oder eher eine Art Erweiterung? Aktuell können wir uns leider nicht festlegen. Beutekisten können ein wunderschönes Feature darstellen, gleichzeitig aber enorme Gefahren mit sich bringen. Das Thema ist enorm komplex und lässt sich um Längen noch vertiefend betrachten. Zudem können wir uns darauf einstellen, dass uns die Angelegenheit in Zukunft weiterhin beschäftigen wird. Auch wenn wir euch kein endgültiges Fazit bzw. Wertung bieten können, hoffen wir dennoch, einen interessanten Einblick gewährt zu haben. Im Idealfall haben wir auch zum Nachdenken angeregt. Abschließend wollen wir euch einen Rat geben. Schaut stets genau hin und seid euch bewusst, was die Lootboxen mit sich bringen. Insbesondere Eltern sollten vorsichtig sein und sehr genau hinschauen, was ihre Kinder spielen.

Was ist eure Meinung? Wir freuen uns über jeden Kommentar und diskutieren gern mit euch! Nutzt einfach die Kommentarfunktion und schon geht es los.

 

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13 thoughts on “Lootboxen – Erstklassiges Feature oder dreiste Abzocke?”

  1. Mimimimimiiiiiiiiii…

    Stand schon so schön in dem Artikel: Jeder kann selbst entscheiden ob er kauft oder nicht, PUNKT!
    Gibt nichts was man mit Geduld nicht ebenfalls erreicht. Und um auf das Thema Waffen wie in BF2 zu kommen: Ist nicht zwangsweise ein Vorteil, eine Superwaffe in den Hände einer Pfeife ohne Skill bringt einen scheiß.
    Sollen die Leute doch kaufen wenn sie es brauchen und damit ihren Spaß steigern wollen/können, ich spiel dann halt ne Woche länger und bin aufm gleichen Stand. Einziger Punkt wo ich zustimmen muss: Das Kostenverhältniss ist wirklich oft daneben für den gebotenen Inhalt

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