GOD OF WAR III Remastered (Review) | Die perfekte Rache?

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Nach nunmehr fünf Jahren darf Kratos seinen Rachefeldzug gegen den Göttervater Zeus und den Olymp auch auf der PlayStation 4 antreten. GOD OF WAR III erschien 2010 als ein Exklusivtitel für die PlayStation 3 und sollte die Rache-Trilogie des wütenden Spartaners würdevoll abschließen. Das Spiel war ein großer Erfolg für Sony und den Entwickler Santa Monica Studios, was wohl der ausschlaggebende Grund für die Überarbeitung und Wiederveröffentlichung einer Remastered-Version war. Außerdem, so kursieren einige Gerüchte, soll dieses Spiel die Wartezeit auf ein gänzlich neues GOD OF WAR Spiel verkürzen.


GOD OF WAR III Remastered kann man spielen, auch ohne die Vorgänger zu kennen. Ein gewisses Vorwissen ist allerdings nützlich, um Zusammenhänge zu verstehen. Vor allem die komplexen Verhältnisse der Menschen und Götter, die eine wichtige Rolle spielen, wer von ihnen noch lebt, oder getötet wurde, wer noch auf Zeus‘ Seite ist und wer Kratos‘ Rache unterstützt – all diese erfährt nur, wer auch die ersten beiden GOD OF WAR Abenteuer gespielt hat.

Die Zusammenfassung am Anfang von GOD OF WAR III ist leider mehr als dürftig. Darum haben wir für diese Review eine kurze Zusammenfassung der beiden Spiele für euch verfasst. Wer möchte, kann diese lesen, um sich besser zurecht zu finden. Wer die Vorgänger selben spielen möchte, liest sie besser nicht, denn es gibt einige Spoiler!

Geist von Sparta – Die Geschichte von GOD OF WAR
Kratos ist Heerführer der spartanischen Armee. Als er eine Schlacht gegen Barbaren zu verlieren droht, fleht er den Kriegsgott Ares um Beistand an und verpfändet seine Seele. Ares bringt Kratos die mächtigen Chaos-Klingen. Diese schenken Kratos zwar den gewünschten Sieg, aber vernebeln seine Sinne. Fortan zieht er mordend durchs Land, immer auf der Suche nach der nächsten Schlacht. In einem Dorf tötet er im Blutrausch aus Versehen seine Frau und Tochter – eine List des Kriegsgotts Ares um aus Kratos den ultimativen Krieger zu machen. Das Orakel des Dorfes verflucht ihn und bedeckt seine Haut mit der weißen Asche seiner toten Familie, um ihn fortan als „Geist Spartas“ zu brandmarken und an seine Sünden zu erinnern. Daraufhin bricht Kratos seinen Schwur, Ares zu dienen und bittet die Götter des Olymps um Hilfe. Athene verspricht, ihn von seinen Leiden zu erlösen, wenn er Ares und seine Armee aufhält, die inzwischen gegen Athen und Griechenland selber marschieren. Um Ares zu töten braucht Kratos die Macht, aus der Büchse der Pandora. Beim ersten Aufeinandertreffen tötet Ares Kratos, aber er kann den Fängen des hades entkommen. In der Wüste findet er schließlich den Titanen Cronos, der auf seinem Rücken den Tempel der Pandora trägt. Mit dieser Macht gelingt es Kratos, Ares zu vernichten. Doch Athene bricht ihr Wort ihm zu helfen und der wütende enttäuschte Geist Spartas krönt sich selbst zum neuen Kriegsgott.

 

Aufstieg und Fall – Die Geschichte von GOD OF WAR II
Die anderen Götter des Olymps verweigern Kratos ihre Hilfe und sogar den Freitod gewähren sie ihm als Mitglied der Familie nicht. So kämpft sich der neue Kriegsgott, geplagt von den Visionen seiner toten Familie, von einer Schlacht durch die nächste. Bei der Schlacht um Rhodos verliert Kratos beinahe gegen den Koloss von Rhodos. Doch Zeus schickt ihm die Klinge des Olymps, ein mächtiges Schwert, das auch im Krieg gegen die Titanen im Einsatz war. Kratos gelingt es, den Koloss zu vernichten, doch die Klinge beraubt ihn all seiner göttlichen Macht und er wird wieder zu einem Sterblichen. Zeus tötet Kratos, der abermals im Hades landet, aber mit Unterstützung der Titanin Gaia fliehen kann. Sein unermesslicher Hass auf die Götter des Olymps und Zeus, veranlasst Kratos dazu, sich mit den Titanen zu verbünden. Darum macht er sich auf den beschwerlichen Weg zu den Moiren, den Schicksalsgöttinnen. Sie weben die Schicksalsfäden der Menschen und Götter. Kratos gelingt, was noch niemandem vor ihm möglich war, er tötet die Moiren und ändert nicht nur sein Schicksal, sondern auch das der Titanen und Götter. Im Kampf gegen Zeus, in dem Kratos nun endlich die Chance hat, seine Rache zu vollenden, opfert sich Athene, um Zeus zu retten und offenbart ihm, dass er Zeus Sohn und ein Halbgott ist.

Ab hier keine Spoiler mehr!


Der beschwerliche Weg zum Olymp – Die Geschichte von GOD OF WAR III

Kratos‘ Ziel ist zum greifen nahe. Verbündet mit den mächtigen Titanen erklimmt er den Olymp, Festung und Heimat der Götter. Doch Zeus schickt seine verbliebenen Götter in den Kampf. Unter großer Anstrengung schafft es Kratos zum Gipfel und stellt Zeus schließlich. Doch der ist ihm überlegen und schleudert ihn mit einem gewaltigen Blitz tief hinab in den Hades. Kratos Überlebenswille und Rachedurst schützt ihn vor dem Tod und er kämpft sich bis zum Gott der Unterwelt vor. Da Zeus für ihn unerreichbar scheint, macht sich Kratos zunächst auf die Jagd nach den übrigen Göttern, um sich ihre Kräfte einzuverleiben. Die ultimative Macht verbirgt sich allerdings in der Truhe der Pandora und nur Pandora selbst, kann sie öffnen. Zeus ließ das Mädchen allerdings in weiser Voraussicht in einem riesigen Labyrinth verstecken. So beginnt Kratos‘ letzter Kampf…


 Klingen, Peitschen und Panzerhandschuhe – Waffenvielfalt in den Kämpfen

GOD OF WAR, der Name verpflichtet. Die meiste Zeit in diesem Actionspiel verbringen wir mit Kämpfen. Die Steuerung ist optimal auf das Dualshock angepasst. Wir bewegen Kratos mit dem linken Stick, weichen mit dem rechten Stick und einer Rolle gegnerischen Angriffen aus. Mit Viereck benutzen wir leichte schnelle Angriffe, mit Dreieck die schweren langsameren Schläge. Mit Kreis können wir Gegner greifen, oder in Verbindung mit der Blocken-Taste (L1), sogar Gegner, die weiter weg stehen zu uns ziehen. Mit Hilfe des Steuerkreuzes können wir die verschiedenen Waffen durchwechseln, die Kratos im Laufe seiner Reise an sich nimmt. Neben den gewohnten Chaos-Klingen dürft ihr euch unter anderem auf den Bogen des Alpollo, die Klingen des Hades und die Klinge des Olymps freuen, um nur einige zu nennen. Die Steuerung ist sehr direkt, schnell und vor allem einprägsam. Schnelle Wechsel zwischen Waffen, Ausweichen, Blocken, Kontern, Angriffe auf kurze und lange Distanz – all das lässt sich nach kurzer Eingewöhnung hervorragend kombinieren. Und da Kratos nicht von Anfang an, alle Waffen besitzt, ist die Steuerung zunächst sehr überschaubar und simpel. Komplex werden dann erst die mächtigen Combos, die bei jeder Waffe unterschiedlich sind (aber auch jederzeit im Pausen- bzw. Verbesserungsmenü nachgeschaut werden können). Kurzum, die Kämpfe machen einen Großteil des Gameplays aus, sind wegen der präzisen Steuerung aber auch sehr unterhaltsam.


Je größer, desto besser! – Fordernde Bosskämpfe

Herausfordernder sind natürlich Kämpfe gegen Boss-Monster oder eben die Götter selber, die sich Kratos auf seiner Reise in den Weg stellen. Sie alle haben unterschiedliche Angriffsmuster und Fähigkeiten, die es im Kampf zu durchschauen gilt. Die Kämpfe selbst sind dabei wirklich spannend und rasant, den Gegnern schließlich den Garaus zu machen, endet aber (fast) immer mit einem Quick-Time-Event. Das inszeniert die brachiale Gewalt und die Wut von Kratos zwar hervorragend, ist aber lange nicht so fordernd wie die Kämpfe selbst. In QTEs brauchen wir lediglich die Tasten X, Viereck, Dreieck und Kreis, die, vermutlich um es dem Spieler einfacher zu machen, auch immer an der jeweiligs passenden Bildschirmkante positioniert werden, also unten, links, oben und rechts.


 Ein Fels in Bewegung – Kampf gegen Titanen

Highlights sind übrigens die Kämpfe die auf dem Rücken oder Körper eines Titans stattfinden, der sich natürlich auch weiter bewegt. Das zwingt uns immer mal wieder umzudenken und die Taktik zu ändern. Stand Kratos eben noch auf scheinbar festem Boden, hängt er im nächsten Moment von einem Arm oder einer Hand herab.

Schade ist, dass der Spieler in GOD OF WAR III Remastered nach wie vor nicht selber die Kamera justieren kann. Das sorgt zwar für cineastische Bilder, dramtische Kamerafahrten und meistens auch einen guten Überblick – nur in den Kämpfen hat sie ihre Probleme, nämlich immer dann, wenn Kratos von Gegnerhorden umringt oder beispielsweise in eine Ecke und gegen eine Wand gedrängt wird. Dann hilft meistens nur ausbrechen, wegspringen oder wegrollen, um den Überblick zu behalten. Schade, dass es dieses Makel auch in die PlayStation 4 Version geschafft hat.


 Hebel, Zahnräder und Aufzüge – Knackige und innovative Rätsel

Ein weiteres großer Bestandteil eines GOD OF WAR sind Rätsel und Geschicklichkeitspassagen. Die werden zum Glück anspruchsvoller, als das einfache Schalter umlegen, das gerade zum Beginn des Spiels mal zum Einsatz kommt. Später werden die Rätsel deutlich raffinierter und wir müssen manchmal ganz schön unseren Kopf anstrengen. Bei manchen Rätseln geraten wir sogar unter Zeitdruck, weil sich Türen wieder schließen oder Mechanismen zurück bewegen. Das wird glücklicherweise nie frustrierend, sondern begeistert mit steigendem Anspruch umso mehr. Highlight ist ein Rätsel im Garten des Olymps, bei dem es darum geht, möglichst geschickt Säulen zu positionieren, um aus scheinbar unpassenden Gebäudeteilen eine zusammenhängende optische Illusion zu machen, die Kratos schließlich erklimmen kann – ganz groß!

Auch Geschicklichkeit ist wieder gefragt, wenn wir Sprünge genau abschätzen und timen müssen, oder wenn wir in einer tollen Flugpassage mit den Ikarus-Schwingen herabfallenden Gesteinsbrocken ausweichen müssen. Die Kämpfe überwiegen in GOD OF WAR zwar nach wie vor, werden aber sinnvoll durch Rätsel- und Spring-Passagen aufgelockert, sodass sich keine Eintönigkeit einstellt.


 Grafikpracht in Griechenland? – Aufpoliert aber nicht generalüberholt!

GOD OF WAR III, war schon auf der PlayStation 3 ein Augenschmaus und eins der ersten Spiele, das seine Zwischensequenzen in Spielgrafik berechnete, weil die eben so atemberaubend gut ausgesehen hat. Heute, fünf Jahre nach dem ersten Release, ist es wohl eins dieser Spiele, die man als „gut gealtert“ bezeichnen kann, es sieht nämlich noch immer gut aus. Nicht hervorragend, also nicht wie aktuelle Spiele, die exklusiv für die PS4 erschienen sind, aber eben sehr gut. Die Charaktermodelle von Kratos und den Göttern sehen um einiges besser aus. Auch Texturen und Lichteffekte können sich in den meisten Levels wirklich sehen lassen. Warum in den meisten? Weil man das Gefühl hat, dass die Entwickler das Polieren in manchen Bereichen der Spielwelt einfach vergessen oder ausgelassen haben. Auch manche Charaktermodelle sehen im direkten Vergleich zu Kratos wirklich unschön aus. Während die Bereiche in der Spielwelt noch verzeihbar sind, fällt es bei den Charakteren umso mehr auf.

Hier ein Negativ- und Positivbeispiel im direkten Vergleich. Bild 1 zeigt eine große Steinbrücke, die einen tiefen Graben überspannt. Alles wirkt sehr leer, leblos und als sei es aus Plastik. Bild 2 zeigt einen engen Korridor, der nur so vor Reflexionen und Lichteffekten strotzt. Tolle Details wie der Marmorboden und die Lichteffekte der Fackeln sorgen für ein tolles Bild!

Bild 3 zeigt den Schmiedegott Hephaistos, der auch in der PS3-Version keine Schönheit war, im Vergleich zu Kratos aber sehr undetailiert und matschig wirkt.

Trotz diesen negativen Eindrücken, sieht das Spiel in den meisten Szenen toll aus und kann auch heute noch mit gutem Gewissen jemandem gezeigt werden, der an der Power einer PlayStation zweifelt. Dabei läuft es bei einer Auflösung von 1080p auch mit butterweichen 60fps. Besonders in hektischen Kämpfen kann sich das sehen lassen! Am besten sieht GOD OF WAR III Remastered übrigens in engen toll ausgeleuchteten Gängen aus, wenn es regnet oder Kratos in offenen weitläufigen Bereichen hinaus tritt.

Diese Szenen, in denen die Kamera plötzlich cineastisch zurück gezogen wird und Kratos ganz klein in einer monumentalen Kulisse steht, wirken einfach noch immer großartig und entschädigen für kleine Grafik-Patzer an anderen Stellen.


 Was ist das? Rotes Licht. Was tut es? Es leuchtet rot – und levelt Waffen auf!

Kratos sammelt im Laufe seiner Reise ein ganzes Arsenal an ebenso tödlichen wie kreativen Waffen und lässt auch einige persönliche Besitztümer der Götter mitgehen. So zum Beispiel die geflügelten Stiefel des Hermes oder den Kopf (ja, richtig gelesen!) des Helios. Diese Waffen und Artefakte können im Spiel aufgewertet werden, indem wir rote Orbs sammeln und im Verbesserungsmenü einsetzen. Überall in der Spielwelt sind Truhen versteckt, die wahlweise grüne, blaue, rote oder auch weiße Orbs enthalten können. Grüne Lichtkugeln füllen beispielsweise Kratos Gesundheit auf und blaue Kugeln seine Magie. Die roten dürfen wir im Menü in die Verbesserung der zahlreichen Waffen investieren. Damit erhöhen wir ihren Schaden, ihre Reichweite und schalten sogar neue Combos, also Angriffe frei. Welche Waffen wir in welcher Reihenfolge leveln wollen, ist ganz uns überlassen, ausreichend rote Orbs vorausgesetzt. Die Hauptwaffen, wie zum Beispiel die Chaos-Klingen, können bis Level 5 verbessert werden.

Außerdem kann Kratos in Truhen, Gorgonen-Augen, Minotauren-Hörner oder Phönix-Federn finden. Sammeln wir jeweils drei davon, können wir einmal dauerhaft unsere Gesundheit, unsere Magie oder die Einsatzdauer verschiedener Ausrüstung verbessern. Diese dauerhaften Upgrades können wir mehrfach durchführen, wenn wir genug Gegenstände finden – doch die Truhen sind sehr gut versteckt!

Weitere besondere Gegenstände wie der Helm des Hades oder die Schulterpanzer des Herkules sind noch besser versteckte Artefakte und können gesammelt und nach dem einmaligen Durchspielen des Spiels eingesetzt werden, um verschiedene Boni in den Kämpfen freizuschalten. Damit können wir uns das Spielerlebnis auf einem höheren Schwierigkeitsgrad etwas einfacher machen. Für sehr viel mehr Langzeitmotivation sorgt das allerdings nicht, denn die Geschichte um Kratos‘ Rache ist dann ja bereits erzählt und ändert sich auch nicht mehr.


Die perfekte Rache? – Unser Fazit

Kratos Rache war auf der PlayStation 3 nahezu perfekt, auf der PlayStation 4 wird der Gesamteindruck allerdings etwas durch die Probleme und Schwächen getrübt, die nicht ausgemerzt wurden: Stichwort freie Kamera, häufiger Gebrauch von Quick-Time-Events und Schwächen in der Präsentation. Die zweifelsohne noch immer sehr schicke Grafik beeindruckt das PS4-Grafik verwöhnte Auge allerdings nicht mehr wirklich. Was bleibt ist aber ein grandioser Rachefeldzug mit brachialer Action, der auch nach fünf Jahren noch immer begeistern kann und eine – verzeihung wegen des Wortspiels – Mordsgaudi macht! Kratos bleibt cool und zeitlos, seine Geschichte spannend. GOD OF WAR III Remastered kann wirklich jeder spielen und (wieder) Spaß haben, ob als Neueinsteiger in die Serie oder als alter Kriegsgott-Veteran – nur bitte nicht zum Release und einem Fast-Vollpreis von 50 €. Es wird Zeit für ein neues Abenteuer des unermüdlichen Kratos!


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