For Honor – Hier ist Feingefühl notwendig! (Review)

Ritter und Wikinger sind schon recht geil und die Samurai haben schlichtweg Stil. Da sind wir uns hoffentlich alle einig. Aber was wäre, wenn diese drei Fraktionen in einem epischen Krieg aufeinandertreffen? Das wäre doch das größte Spektakel aller Zeiten oder? „For Honor“ sorgt genau für dieses Szenario. Ist es aber wirklich ein großes Spektakel?

For Honor

Aufgrund der angesprochenen Fraktionen sollte es nicht überraschen, dass „For Honor“ ein Nahkampf-Action-Spiel darstellt. Entwickler Ubisoft erhofft sich, vor allem mit einem temporeichen sowie packenden Gameplay zu überzeugen. Allerdings wollen Videospiel-Entwickler immer recht viel und nicht selten werden die Spieler letztendlich enttäuscht. Damit ihr nicht negativ überrascht werden, haben wir uns den Titel etwas genauer angeschaut, sodass wir uns ein genaues Bild vom finalen Ergebnis machen konnten. Was dabei herauskam, findet ihr in den folgenden Zeilen. Eins vorweg: „For Honor“ kann recht knifflig sein.

Ja, es gibt eine Kampagne

Beginnen wir am besten mit einem Feature, das Ubisoft eher überschaubar beworben hat. Das Nahkampf-Spiel hat nämlich eine Kampagne, die man entweder allein oder zusammen mit Freunden bzw. anderen Spielern bewältigen kann. Letzteres ist leider nur online möglich. Einen Koop-Modus haben die Entwickler gestrichen. Eigentlich schaden. Aber unbeachtet, wie man die Story in Angriff nimmt, der Inhalt bleibt natürlich derselbe. Insgesamt gibt es drei Kapitel, die jeweils aus sechs Missionen bestehen und je eine andere Fraktion in den Fokus rücken. Zwar bauen die einzelnen Kapitel aufeinander auf und bildet somit eine große Geschichte, wirklich fesselnd ist sie aber nicht. Vor allem der Fakt, dass man ständig zwischen einzelnen Charakteren hin und her wechselt, wirkt sich hauptsächlich negativ aus. Denn eine wirkliche Bindung zu irgendeiner Person entsteht dadurch nicht. Somit ist es einem auch egal, was mit jemanden passieren könnte.

Einen Vorteil hat dieser andauernde Wechsel aber dann doch. Man lernt die einzelnen Charaktere für den Multiplayer besser kennen. Es handelt es sich hierbei nämlich um die Klassen des Mehrspieler-Parts. Alles in allem entsteht sowieso der Eindruck, dass es sich bei der Kampagne eher um einen erweiterten Trainingsmodus handelt. Man muss aber fairerweise sagen, dass dieser recht hilfreich ist. Das neuartige Kampfsystem ist wirklich innovativ, aber auch recht knifflig. Somit ist ein wenig Übung gern gesehen. Zudem lohnt sich das Durchspielen der Story, da es sowohl die Ingame-Währung Stahl als auch einige kosmetische Anpassungen gibt. Zusammenfassend ist die Kampagne aber nur ein nettes Feature für Zwischendurch. Aber gut, Ubisoft hat diesen Bereich im Vorfeld nicht großartigen beworben, sodass es auch keine großen Erwartungen gab.

Also lieber Multiplayer

Somit überrascht es nicht, dass der Multiplayer das Herzstück von „For Honor“ darstellt. Als Spieler kann man hier nicht nur zwischen drei verschiedenen Fraktionen wählen, sondern auch zwischen drei unterschiedlichen Spielmodi. Dabei stellt Herrschaft ein bekanntes Prinzip dar. Auf einer Karte treten 4 gegen 4 Spieler an und versuchen drei feste Zonen zu erobern und zu halten. Das Team, das zuerst eine bestimmte Anzahl an Punkten erreicht, hat beinah gewonnen. Interessant ist vor allem der Umstand, dass sich auf der Map auch eine Vielzahl von KI-Soldaten tummeln. Diese sind zwar für den Spieler nicht wirklich gefährlich, haben aber einen entscheidenden Einfluss auf die Zoneneroberungen. Anstatt den Gegner töten zu wollen, sollte man eventuell eher die Frontlinie verschieben. Es entsteht also auch ein gewisser taktischer Aspekt.

For Honor

Über die KI muss man sich im zweiten Modus allerdings keine Gedanken machen. In Handgemenge treten nämlich 2 gegen 2 Spieler über drei Runden hinweg gegeneinander an. Wer überlebt, siegt. Man merkt hierbei schon eher, dass ein sinnfreies Gekloppe auf die Tasten nicht wirklich zum Erfolg führt. Geschickte Angriffe sowie flinke Reaktionen entscheiden über Sieg oder Niederlage. Die Königsdisziplin ist das Duell. In einem Best of 5 stellt man sich nämlich nur einem Widersacher. Man braucht also nicht, mit irgendeiner Unterstützung zu rechnen. Das Gute, der Gegner ist auch allein. Aber umso wichtiger ist es nun, die Techniken zu beherrschen. Parieren, Ausweichen, Blocken. Eine durchdachte und flexible Mischung aus Defensive und Offensive stellt den Schlüssel zum Erfolg dar. Logischerweise muss man hierfür mit dem Kampfsystem vertraut sein und den jeweiligen Helden genau kennen. Für Anfänger ist das Duell also nicht wirklich etwas.

Sollte man erkannt haben, dass die persönlichen Fähigkeiten noch einen Feinschliff brauchen, kann man eine spezielle Variante von Herrschaft spielen. Anstatt gegen reale Gegner zu kämpfen, können bei Bedarf auch die vier feindlichen Spieler von der KI gesteuert werden. Man tritt also gegen Bots an. Eine super Sache, die extrem hilfreich ist. Ubisoft hat wirklich mitgedacht. Diese spezielle Variante ist übrigens für jeden Modus verfügbar.

Kampfsystem: Innovativ.

Kommen wir nun zum wichtigen Teil. Da „For Honor“ ein Nahkampf-Spiel ist, braucht es natürlich auch ein gutes Kampfsystem. Dem waren sich die Entwickler wohl bewusst und haben etwas gezaubert, das recht einzigartig ist. Es gibt drei grundlegende Stellungen, wie man die Waffe halten kann: links, rechts und oben. Die jeweilige Position steuert man über den rechten Stick und bestimmt somit, aus welcher Richtung man seinen Feind angreifen will. Gleichzeitig verteidigt man sich auf diese Weise vor gegnerischen Schlägen. Das klingt nicht nur simpel, es ist auch simpel. Allerdings bedeutet das nicht automatisch, dass es auch leicht umzusetzen ist. Denn besonders in einem Duell merkt man schnell, dass ein perfektes Timing entscheidend ist. Man hat meist nur den Bruchteil einer Sekunde Zeit, effektiv zu reagieren. Glücklicherweise gibt es eine nützliche Übersicht in der Mitte des Bildschirmes, die nicht nur verrät, wie die eigene Stellung ist, sondern auch anzeigt, aus welcher Richtung der Feind zuschlägt. Es ist jedoch interessant, wie schnell sich der Fokus ändert. Denn bei den meisten Ausführungen eines Angriffes erkennt man eine spezielle Körperhaltung, die erahnen lässt, was gleich passiert.

Mit zunehmender Spielzeit beginnt man demnach, seinen Widersacher genau zu beobachten, was logischerweise ratsam ist. Vor allem bei der Fülle an Handlungsmöglichkeiten. Man kann einen leichten oder schweren Angriff ausführen, man kann Schlägen ausweichen oder parieren, man kann dem Gegner einen Stoß verpassen oder ihn durch die Gegend schubsen. So spielt auch die Umgebung eine äußerst wichtige Rolle. Wer in einem Graben fällt, darf meist den Respawn-Timer betrachten. Doch kommen wir nochmals auf die sichtbaren Bewegungen zurück. Aufgrund dieser Tatsache ist „For Honor“ kein bloßes Beat-‚em-up, wo derjenige Sieg, der am schnellsten möglichst viele Tasten drückt. Vielmehr führt Geduld, eine hohe Reaktionsfähigkeit und eine großzügige Portion an Listigkeit zum Erfolg. Gleichzeitig entsteht hierdurch ein imposantes Feeling, das es zuvor noch nie gab. Es fühlt sich wirklich neu an.

For Honor

Rudelbildung

Bereits in der Beta, sowohl Closed als auch Open, kam es immer wieder zu einer bestimmten Tendenz. Während einige auf den Wiedereinstieg warten, wird ein anderer Spieler von gleich zwei oder sogar drei Gegner belagert. Damals dauerte es nur wenige Sekunden, bis die Angelegenheit geklärt war. Je mehr Übung – ja, Übung ist wirklich echt wichtig – man selbst hat, desto besser kann man auf solch einen Umstand reagieren. Zwar verteidigt man sich nur und teilt nicht aus, dennoch reicht die Zeit meist aus, dass Verstärkung heraneilen kann. Und so ist die Herausforderung für Verteidiger aber auch Angreifer in der Vollversion spürbar angestiegen. Klar, Neulingen bekommen anfangs auch in „For Honor“ gern mal auf den Sack, dennoch lohnt sich die harte Arbeit und man merkt die Verbesserungen seiner eigenen Fähigkeiten.

In Bezug auf Fähigkeiten muss man erwähnen, dass der Titel ein umfangreiches Klassensystem besitzt. Jede Fraktion weist vier Helden auf, die sich auch in vier Klassen einteilen lassen und komplett unterschiedlich spielen. Es gibt quasi einen Standard-Charakter, der sich gut für Anfänger eignet. Demgegenüber steht ein schwerer Held, der vor allem auf eine defensive Kampfweise setzt. Äußerst gefährlich ist der Krieger mit zwei Waffen, da dieser eine hohe Beweglichkeit besitzt und besonders auf Konterangriffe fokussiert ist. Die letzte Klasse bildet eine Mischung aus dem standardmäßigen und schweren Helden. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Ubisoft eine ausgewogene Balance erschaffen hat. Es kann sich zwar schnell eine Klasse zu einem wahren Hassobjekt entwickeln, da man regelmäßig von ihr besiegt wird, dennoch gibt es immer Wege, ihr entgegenzuwirken.

Ist das Pay-2-Win?

Nach Abschluss einer Online-Runde erhält man allerlei Belohnungen. So dürfen sich die Spieler unter anderem über die Ingame-Währung Stahl freuen, der mit man wiederum neue Ausrüstungsgegenstände kaufen kann. So können  wir unserem Schwert eine neue Klinge verleihen, sodass sie mehr Schaden austeilt. Man gelangt an Stahl aber nicht nur durch bloßes Spielen. Die Ingame-Währung lässt sich zudem mittels realem Geld kaufen. Ein derartiges System droht stets in Pay-2-Win überzugehen. Doch auch in Hinsicht auf die Anpassung herrscht eine gelungene Balance. Denn jeder Gegenstand verstärkt eine Eigenschaft, schwächt dafür aber mindestens eine andere. So gibt es mit jeder Änderungen einen Vorteil und zugleich einen Nachteil. Somit kommt es letztendlich wirklich auf die eigenen Fähigkeiten an. Ein erfahrener Spieler, der bereits viel Stahl gesammelt hat, kann somit nicht übermächtig werden. Eine durchaus faire Angelegenheit.

Wer dennoch schnell an Stahl kommen will, muss eine unfassbar große Menge an Geld parat haben. Kauft man jeden Helden inklusive jeder Gabe und spezielle Emotes kommt man bereits auf mehrere Hundert Euro. Gönnt man sich dann noch die verschiedenen Monturen sowie die Boni wächst dieser Betrag nochmals spürbar an. Beachtet man dann noch, dass „For Honor“ ein Vollpreistitel ist, kann man schnell in Ohnmacht fallen. Natürlich lässt sich das alles auch erspielen und einen immensen spielerischen Vorteil erhält man durch den Kauf nicht, dennoch bleibt ein übler Nachgeschmack.

For Honor

Die Technik

Bevor wir nun endlich zum Fazit kommen, blicken wir noch schnell auf die Technik von „For Honor“. Optisch sieht das Kampf-Abenteuer echt gut. Vor allem die Animationen von Feuer sind gelungen. Obwohl es gelegentlich recht rasant wird, gibt es keine bemerkbaren Einbrüche in irgendeiner Hinsicht. Auch sonstige Bugs oder Fehler sind kaum aufgefallen. Beim Sound gibt es ebenfalls nichts zu beanstanden. Geräusche von zusammenprallenden Waffen klingen realistisch und impulsive Schreie sorgen für die richtige Atmosphäre. Lediglich die Äußerungen von weiblichen Helden, besonders in der Kampagne, nimmt man ihnen selten ab. Sie sorgen vielmehr für ein verwirrtes Stirnrunzeln.

Fazit:

Wie sieht es nun aus? „For Honor“ liefert ein interessantes Erlebnis, das besonders mit einem innovativen Kampfsystem sowie einem coolen Grundszenario überzeugen kann. Da es sich nicht um ein klassisches Beat-‚em-up handelt, entsteht eine taktische Komponente, die gleichzeitig viel Übung voraussetzt. Lobenswert ist darüber hinaus die gelungene Balance und das umfangreiche sowie faire Anpassungssystem. Schwerwiegende Kritik lässt sich nicht wirklich äußern. Lediglich die vielfältige Geldmacherei wirft einen kleinen negativen Schatten. Ansonsten stellt sich die Frage, wie lange sich „For Honor“ halten kann und die Spieler bei Laune hält. Eine Antwort darauf ist jedoch schwer zu finden. Die Zukunft wird es zeigen.

 

 

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