Dishonored – Die Review zum ehemaligen Geheimtipp

Ein Spiel, das vollkommen auf Schleichen und Stealth ausgelegt ist und in dem das heimlich Vorgehen und Ausschalten im Vordergrund steht. Dabei denkt man zuerst an große Marken, wie Splinter Cell, Hitman oder Deus Ex. Doch mit Dishonored veröffentlichten die Arkane Studios mit Bethesda als Publisher nun einen wahren Schleich-Hit, der den großen Brüdern in nichts nachsteht.

Doch was ist Dishonored eigentlich? Allem voran einen komplett neue IP, die zudem voll auf den Singleplayer setzt und deswegen auch ohne Mehrspieler daher kommt. Glaubt man also Electronic Arts, könne man es hier nur mit einem regelrechten Flop zu tun haben, denn beides könne man aktuell gar nicht gebrauchen, so EA erst vor kurzem. Warum aber genau das Gegenteil der Fall ist und sich Dishonored zu einem der besten Spiele des Jahres zählen darf, klären wir im Test.

Dishonored: Die Maske des Zorns

Gleich zu Beginn starten wir auf einem Boot mit zwei Wachen. Das gute ist, dass die beiden uns zu dem Zeitpunkt noch freundlich gesinnt sind und daher uns nur Richtung Dunwall Tower bringen. Bereits nach wenigen Minuten hat man einen ersten Eindruck vom Grafikstil „Steampunk“, der sich durch das gesamte Spiel zieht.

Im Tower angekommen treffen wir zum ersten Mal auf die Kaiserin von Dunwall und ihre Tochter Emily. Es geht um die Seuche, die die Straßen der Stadt seit einiger Zeit heimsucht. Doch wir alias Corvo Attano, so ist der Name unserer Spielfigur, bringen keine guten Nachrichten.
Aber bevor es zu weiteren Gesprächen kommt, erscheinen aus dem nichts und mit scheinbar magischen Kräften einige Attentäter. Den ein oder anderen Schergen noch erwischt, werden wir durch die magischen Kräfte gefesselt und müssen mit ansehen, wie die Kaiserin getötet und ihre Tochter Emily entführt wird. Kaum ist die Leibgarde der Kaiserin da, beschuldigt man uns, die Kaiserin ermordet zu haben. Danach wacht man im kaiserlichen Gefängnis auf, weiter wollen wir aber auch keine Informationen spoilern. In der Folge trefft ihr Verbündete, welche die es sein wollen und machthungrige Politiker, die euch helfen oder die euer Opfer sind.

Die Geschichte – Eine Verschwörung erster Güte

Wie bereits angesprochen, haben sich einige hohe Beamte aus Dunwell gegen Corvo verschworen. Daher sucht er Hilfe bei einigen Verbündeten, die ihm später die Aufträge und Ziele vorgeben. Dabei gibt es bei jeder Mission ein gewisses Ritual, so bringt uns der Schiffer Samuel immer mit seinem Boot zu den Orten. Ab und zu gibt er uns interessante Hinweise zur Herrschaft über Dunwall, sowie erste Details zu möglichen Nebenmission. Zu Beginn bekommt man ebenfalls die charakteristische Maske, die man auf allen seinen Mission trägt. Da Corvos Gesicht in ganz Dunwall bekannt ist, war das die einzige Möglichkeit relativ unerkannt zu bleiben.

Corvo ohne Maske

Die Geschichte hinter dem Attentat ist dabei zwar nicht besonders tief, dennoch wird durch die Verbündeten immer erläutert, warum man diese Person nun aus dem Weg räumen muss. Ob er ein Geldgeber ist oder neue Hinweise liefert, meistens wird es uns vor der Mission erläutert.
Das hört sich zwar danach an, dass man nur als „Laufbursche“ benutzt wird, dem ist aber nicht so. Durch clevere Abwechslungen, wie zum Beispiel das Verhör eines Gefangenen, kann man selber daran mitwirken, seine nächsten Ziele herauszufinden. Im Verhör selber hat man, wie auch im gesamten Spiel, unterschiedliche Möglichkeiten an seine Information zu kommen.

Zwar ist die Story nicht oscarverdächtig, dennoch ist es interessant herauszufinden, was Corvo eigentlich zu seiner Rache bewegt. Und was das genau ist, findet man nicht heraus, ohne sich umfassend in der Welt umzuschauen. Kleine, aber feine Information sind in Dunwall auf den zahlreichen Notizen, in den Büchern oder in Gesprächen mit Passanten oder Nebenmission versteckt. Dazu zählen auch die Hintergrundinformationen, die viel zur Geschichte der Stadt und ihrem Markenzeichen dem Walfang und der Produktion von Walöl beiträgt. Wer sich in Spielen für solche Dinge interessiert, wird in Dishonored ein Paradies vorfinden, denn an jeder Ecke findet man etwas, das einem die Situation neu erklärt oder in einem anderen Licht darstellt.

Eine eher anzügliche Notiz

Storywendungen gibt es in Dishonored ebenfalls, diese sind aus unserer Sicht aber zu leicht vorherzusehen und daher keine wirkliche Überraschung. Denn wenn man das Gefühl hat, „Wenn ich das nun mache, dann werde ich in Schwierigkeiten kommen“, aber nichts dagegen machen kann, dann geht etwas der sonst durchweg grandiosen Atmosphäre verloren.

Freiheiten ohne Ende – Wie gehe ich es an?

Dishonored ist sehr vielseitig und es gibt viele Wege, die Gegner zu umgehen oder zu töten. Lautlos, Sanft oder extrem schmerzhaft? Diese Frage muss man sich im Spiel öfters stellen.
Doch warum überhaupt töten, denn man kann das Spiel auch problemlos spielen, ohne jemals auch nur einer Person das Leben zu nehmen. Selbst bei den Attentatszielen gibt es immer einen alternativen Weg, der die Person am Leben oder durch jemand anderen erledigen lässt. Ob der Freund kommt und bittet, beide entkommen zu lassen und man würde sie nie wieder sehen. Oder man absolviert eine Nebenmission und das Attentat wird als Gegenleistung vom Auftraggeber durchgeführt. Und und und, denn würde man alle Wege aufzählen,  würde das in jedem Fall unseren Rahmen sprengen.

Ungewöhnlich ist es, dass ein Action-Adventure, das auf Stealth ausgelegt ist, in der First-Person-Perspektive spielt. In verwandten Spielen sieht man seinen Charakter meist aus der dritten Person. Zwar ist das zu Beginn etwas ungewohnt, dennoch geht der Überblick über die Situation nie verloren.

Um die Ecke schauen – Dishonored

Aus der Deckung heraus kann man sowohl links und rechts um die Ecke schauen, ohne dass NPCs einen entdecken können. Zwar scheint das auf den ersten Blick extrem unrealistisch, aus unserer Sicht aber die geeignete Entschädigung für den Blick aus der ersten Person. Denn würde man als dritter Beobachter das Geschehen verfolgen, könnte man das Geschehen ebenfalls komplett beobachten, obwohl der Charakter eigentlich in der Deckung steht. Einzig zu leicht macht es die Fähigkeit aus dieser Position auch zu schießen. Dadurch kann man in aller Ruhe anvisieren ohne dass Gegner auch nur etwas merken. Das hätte man auch beim reinen Blick aus der Deckung belassen können.

Doch im späteren Spielverlauf wird das durch die „Nachtsicht“ sowieso immer unwichtiger. Damit wären wir auch schon bei einem der wichtigsten Elemente in Dishonored, den magischen Kräften. Diese hat Corvo nicht von Beginn an, sondern werden ihm erst nach dem Verrat durch den Outsider gegeben. Insgesamt gibt es sechs magische Kräfte. Nachtsicht, Teleport, Beherrschung, Zeit verlangsamen,Tödlicher Schwarm und Windstoß. Teleportation ist dabei  direkt nach dem ersten Treffen mit den Outsider möglich, alles Weitere muss freigeschaltet werden.
Jede dieser Kräfte verleiht Corvo einen extremen Vorteil gegenüber den Gegner. Hat man ein Gefühl für die Kräfte entwickelt, ist man sehr mächtig und hat wenige Probleme gegen die Gegner.

Die Nachtsicht in Dishonored

Um seine magischen Fähigkeiten auszubauen, bzw. erstmals freizuschalten braucht man Runen. Die sind in der ganzen Welt verteilt und können mit dem Herz, das ihr vom Outsider bekommt, gefunden werden. Neben den Runen findet ihr damit auch Knochenartefakte, die euch passive Fähigkeiten, wie verbesserte Gesundheit oder erfolgreicheren Munitionsfund.

Es ist in Dishonored also egal, ob ihr euch in den Körper einer Ratte versetzen und durch die Lüftung laufen, euren Gegner direkt attackiert, ihn betäuben wollte, oder einfach keinen Gegner töten wollt. Jeder Weg ist hier möglich und das Spiel bietet eine Freiheit, die seinesgleichen sucht. Dabei sind die alternativen Wege und Möglichkeiten nicht immer offensichtlich und erfordern gewisse Beobachtungsgabe und Geschick. Der direkte Weg ist nicht immer der Beste und durch Beobachten kann man sich einigen Schwierigkeiten aus dem Weg gehen.

Design – Dunwall auf höchstem Niveau

Charakteristisch für das gesamte Spiel ist der Steampunkt-Stil. Diese besondere Art der grafischen Darstellung zieht sich durch das gesamte Spiel und passt zu Dunwall zur Zeit der industriellen Revolution. Zwar muss man festhalten, dass Dishonored mit seiner Grafik in den üblichen Kategorien, wie Texturen, Weitsicht oder Auflösung nicht zu dem besten auf der PS3 gehört, doch das lassen wir hier außen vor. Denn die Präsentation der Level ist einfach grandios. Man kann sich gar nicht mehr vorstellen, ohne Steampunk und mit hochgestochener Grafik alá Killzone durch die viktorianische Stadt zu ziehen.

Daher wollen wir Dishonored auch ohne hochauflösende Texturen und fehlende Kantenglättung im grafischen Bereich durchweg loben. Denn hier stimmt das Gesamtbild einfach so, wie man es selten aus Spielen kennt. Hier merkt man, dass es nicht immer auf technische Daten, sondern auch auf das stimmige Verhältnis zwischen Gameplay, Spiel und Optik ankommt.

Beispielhaft dafür ist der grandiose Anblick, der sich während des Sonnenuntergangs über Dunwall legt. Da hält man auch mal kurz inne und schaut sich einfach nur um, beobachtet die NPCs oder einfach nur die Stadt.

Das Leveldesign ist ebenfalls auf höchstem Niveau. Zwar kann man hier nicht von einer klassischen Open-World sprechen, da die Ziele meist vorgeschrieben sind und das Areal auch begrenzt, aber man hat dennoch viele Wege. Ob Rattenlöcher, Dächer oder die Kanalisation, viele Wege führen zum Ziel und auch an den Wachen vorbei. Dabei haben besonders die Wege über die Dächer ihren Reiz, denn oben angekommen spürt man eine gewissen Genugtuung und Macht, wenn man auf die Straße runter schaut und die Wachen sieht, die nichts ahnen. Doch während des Spiels fällt auf, dass die KI relativ selten, eher nie nach oben schaut. Denn schon leichte Erhöhungen reichen aus, damit einen die Wachen nicht mehr erblicken. Hier hätte man durchaus einen etwas realistischeren Ansatz wählen können.

Blick aus der Sicht einer Ratte nach “Übernahme”

Bereits früh fällt auf, dass NPCs oft dieselbe Stimme haben und damit auch etwas von der Atmosphäre verloren geht. Wer oft die Serie „Dr. House“ schaut, wird schnell die deutsche Stimme von Dr. Wilson erkennen, der zahlreiche Wachen seine Stimme leiht. Während unseres Tests ist uns das bereits im Laufe der ersten Mission aufgefallen.

Wachen, die Seuche, Ratten, Weiner und die gesamte Stadt verleihen dem Spiel eine so dichte Atmosphäre, wie man sie in Spielen selten findet. Bis zum Missionsabschluss hat man immer das Gefühl der Anspannung und die Angst kurz vor Ende doch noch entdeckt zu werden. Dazu tragen auch die zahlreichen Fahndungsplakate bei, die ein Kopfgeld auf Corvo aussetzen. Die schon im Vorfeld bekannte Maskenballmission ist da eine wahre Entspannung, wenn man sich einfach umher bewegen kann und niemand einen verdächtigt.
All das wird durch den stimmigen Soundtrack unterstützt, der schon im Hauptmenü das Spielgefühl andeutet.

Armbrust im Anschlag vor dem Anwesen der Boyles

Überraschend für uns ist, dass Dishonored bei uns vollkommen ungeschnitten erschienen ist. Die Kills sind teilweise extrem brutal und das Blut fließt in großen Mengen. Mit der Armbrust ist es außerdem möglich Körperteile der Wachen abzutrennen. Das bedeutet, dass auch mal der Kopf einer Person vom Armbrustbolzen aufgespießt in einer Wand steckt und der Körper ohne Kopf einige Meter davor. Dem nicht genug, kann man auch noch fröhlich mit dem Schädel herumwerfen. Hier haben wir schon einige Titel gesehen, die wegen weniger in Deutschland geschnitten auf den Markt gekommen sind.

Dishonored – Anwärter auf das Spiel des Jahres

Im Vorfeld stellten viele hohe Ansprüche an Dishonored und bereits vor Release entwickelte sich der Titel vom Geheimtipp zum ernsthaften Anwärter zum Spiel des Jahres, das dann auf den Spike Video Game Awards Ende des Jahres gekürt wird. Trotz kleiner Mängel muss man den Arkane Studios ein riesen Lob aussprechen, denn mit Dishonored haben sie einen Stealth-Titel erster Güte geschaffen, der zu Beginn des Gamerherbst die Messlatte unglaublich hoch legt. Atmosphärisch dicht, größte Freiheiten, eine interessanten Verschwörungsgeschichte und eine einzigartige Präsentation der Stadt im Steampunkt sind nur die größten Faktoren, die Dishonored zu dem machen, was es ist. Und trotz aller ernsten Stimmung im Spiel muss man teilweise auch lächeln, wenn man eine Wache bei Wasserlassen beobachtet und währenddessen erledigt.

Wer also auch nur ansatzweise auf Schleichen und unendliche Möglichkeiten in Spielen steht, sollte definitiv einen Blick auf Dishonored werfen. Nun müssen andere große Titel nachziehen und das wird nicht so einfach fallen, wie manche wohl denken würden.

 

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4 thoughts on “Dishonored – Die Review zum ehemaligen Geheimtipp”

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