Das steckt hinter der „Faszination Let’s Play“

Das steckt hinter der „Faszination Let’s Play“

Eine neue Studie zeigt, warum Let’s Player und ihre Videos so beliebt sind

Über die Frage, warum Let’s Plays Millionen Menschen weltweit faszinieren, konnte bisher nur spekuliert werden. Eine Umfrage erklärt nun den Mehrwert dieses Formats für die Zuschauer. Mit 1.465 Teilnehmern ist sie die bisher größte Umfrage im deutschsprachigen Raum, die sich mit der „Faszination Let’s Play“ und dem Konsumverhalten seiner Follower beschäftigt. Die Umfrage wurde im Zuge der Abschlussarbeit „Faszination Let’s Play: Warum Blogger auf YouTube so erfolgreich sind“ von der Autorin Marie Sophie Pelc durchgeführt und veröffentlicht.

 

Der Umfrage zufolge, sind die meisten Zuschauer von Let’s Plays, wie gemeinhin schon oft vermutet, männlich zwischen 13 bis 17 Jahren und Schüler. Die zweitgrößte Altersgruppe machen die jungen Erwachsenen zwischen 18 bis 25 Jahren aus.

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Altersverteilung der Gesamtteilnehmer

 

Ausgehend von diesen Ergebnissen schauen also überwiegend junge Menschen Let’s Plays. Mehr als der Hälfte der Befragten ist der Blogger an dem Format am wichtigsten. Besonders entscheidend für den Erfolg eines Youtubers ist seine wahrgenommene Persönlichkeit. In einem Ranking konnten die Teilnehmer der Umfrage festlegen, welche Charaktereigenschaften sie am entscheidendsten für die Beliebtheit eines Bloggers fanden. „Humor und (Selbst-)Ironie“ belegten Platz 1, gefolgt von „guten Moderation-Skills“ und „Charme“. Mehr als die Hälfte der Teilnehmer schauen Let’s Plays, weil sie die Kommentare des Let’s Players lustig finden. Doch das ist nicht der einzige Grund.

 

Viele Zuschauer interessieren sich für ein bestimmtes Spiel, wollen es aber nicht selbst kaufen. Warum ist das so? Liegt das etwa nur am Unterhaltungswert? Tatsächlich haben ungefähr die Hälfte der Teilnehmer klargestellt, dass sie sich lieber die Reaktionen des Youtubers auf das Spiel anschauen, als es selber zu spielen. Die Zuschauer ziehen also einen klaren Erlebnisgewinn aus dem Schauen von Let’s Plays gegenüber dem eigenen Spiel. Und nicht nur das: Ein weiterer Vorteil ist auch, dass sie dadurch Kosten sparen können. Mehr als die Hälfte der Befragten gab an, dass sie Let’s Plays schauen, weil ihnen das Spiel oder die Hardware dafür zu teuer sind.

Allerdings gab knapp die Hälfte der Befragten an, ein Let’s Play zu schauen, um zu sehen, ob ein Kauf sich lohnt.

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Die Gründe der Befragten, sich ein Let’s Play anzuschauen

 

Von diesen Ergebnissen ausgehend, geht der Trend eher zum passiven Genießen eines Spiels. Warum ziehen die Zuschauer einen höheren Erlebnisgewinn aus dem passiven als aus dem aktiven Spielerlebnis?

Das liegt an der Interpassivität, oder auch dem „delegiertes Genießen“. Diesem psychologischen Ansatz nach, genießt ein Mensch ein Hobby durch einen Stellvertreter genauso, als würde er es selbst ausüben, ohne selbst Aufwand betreiben zu müssen, was natürlich sehr bequem ist. Auch der Hype um verschiedene Profisportarten kann so erklärt werden.

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Die Gründe der Teilnehmer, ein Spiel „passiv“ zu erleben

 

Die Ergebnisse der Umfrage zum Kaufverhalten der Zuschauer zeigen jedoch, dass Let’s Plays doch als Werbung zu funktionieren scheinen. Viele Teilnehmer haben ehrlich zugegeben, dass der Let’s Player Einfluss auf sie hat. So finden die meisten, dass Let’s Plays mehr oder minder ihre Kaufentscheidung beeinflussen und gaben an, sich bereits ein bis fünf Mal ein Spiel wegen eines Let’s Plays gekauft zu haben. Das bedeutet, der Youtuber hat offenbar doch so viel Einfluss auf seinen Zuschauer, dass der sich das Spiel kauft, obwohl er es erst nicht vorhatte.

Die meisten Befragten finden auch, dass Blogger in einem Let’s Play ihre eigene, unabhängige Meinung zu dem Spiel wiedergeben. Sie vertrauen ihren Lieblings-Youtubern und scheinen sich bereitwillig von diesen beeinflussen zu lassen.

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Die Anzahl der Spieleinkäufe basierend auf Let’s Play Videos

 

Fazit

Die wahrgenommene Persönlichkeit des Bloggers ist wesentlich für seinen Erfolg. Der Wert des Formats Let’s Play liegt für den Nutzer weitestgehend darin, Spiele kennenzulernen, ohne selbst aktiv werden zu müssen und dabei zusätzlich zum einen Kosten zu sparen und zum anderen einen Erlebnisgewinn aus der Beobachtung der Reaktion des Spielers zu ziehen. Dennoch muss die Spieleindustrie sich aber (noch) nicht sorgen, da Let’s Plays als Werbeträger zu funktionieren scheinen.

Es wird interessant zu verfolgen, wie sich das Format in den nächsten Jahren weiterentwickelt. Doch eines steht schon jetzt fest: Die Ergebnisse der Befragung lassen deutlich eine Tendenz für einen weiteren Anstieg der Zuschauerzahl erkennen, so dass mit zunehmender Bedeutung von Let’s Plays im deutschsprachigen Raum zu rechnen ist.

 

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11 thoughts on “Das steckt hinter der „Faszination Let’s Play“”

  1. Absoluter Fan von Sorbus aber Gronkh ist auch äußerst witzig, wenn auch teilweise sehr verplant unterwegs.. Ich schaue let’s plays eigentlich hauptsächlich um zu sehen ob sich der Kauf lohnt oder wenn ich an einer bestimmten Stelle ums verrecken nicht weiterkomne aber manchmal auch einfach nur just for fun..

  2. Also ich schau nur mal irgendwo zu, wenn ich mir wegen eines Spieles unsicher bin, ob ich’s hole oder nicht.
    Aber sonst nicht, spiele lieber selbst
    Meist dann aber bei irgendwelchen “No Names” bei Twitch

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