BioShock: Infinite Review – Der Test zum Erfolgs-Titel

Nachdem wir in den ersten beiden BioShock-Ablegern in der Unterwasserstadt Rapture unterwegs waren, führt uns in BioShock Infinite ein Auftrag in die fliegende Stadt Columbia. Ob es sich bei dem stilvollen Shooter tatsächlich um ein wahres Prachtexemplar handelt und ob sich die Reise in die Wolkenstadt lohnt, erfahrt ihr in unserer Review.

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Willkommen in Columbia

Wir schreiben das Jahr 1912, es ist eine stürmische Nacht und wir sitzen gemeinsam mit zwei unbekannten Personen in gelben Regenmänteln in einem kleinen Holzboot. Um uns herum nichts als Nebel und wasser. Als plötzlich wie aus dem Nichts ein alter Leuchtturm aus dem Nebel heraus ragt, reicht uns einer der beiden Begleitpersonen eine edle Holzschatulle. Als wir sie öffnen finden wir eine Pistole, einen Zettel mit merkwürdigen Zeichnungen, Bilder eines Mädchens und die Anweisung dieses Mädchen zu entführen. Um was für ein Mädchen es sich hierbei handelt und was uns erwartet, bleibt zunächst ungewiss.

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Booker – Der Protagonist in BioShock Infinite

Der Protagonist in BioShock Infinite ist der Privatdetektiv Booker DeWitt, der sich durch das Spielen in große finanzielle Schwierigkeiten gebracht hat. Nun hat er Schulden bei den falschen Leuten und um diese zu begleichen, muss er eine junge Frau namens Elizabeth aus der fliegenden Stadt Columbia entführen. Mit dem Gedanken, einfach möglichst schnell den besagten Auftrag zu erledigen, macht sich Booker auf den Weg in die Wolkenstadt, doch ihm ist nicht klar, dass es der Weg in sein wahrscheinlich größtes Abenteuer ist…

Wo Licht ist, da ist auch Schatten

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Columbia – Drei Statuen zeigen amerikanische Volkshelden

Wie man es erwarten konnte ist Columbia, ebenso wie die Unterwassermetropole Rapture aus den beiden Vorgängern, ein atmosphärisches Highlight. Als wir die Stadt zum ersten Mal betreten stehen uns drei Statuen von Benjamin Franklin, George Washington und Thomas Jefferson gegenüber. Durch einen bescheidenen Hof gelangen wir in die Stadt und erblicken die vielen Häuser, welche sachte in der Luft schwanken. Langsam machen wir unsere ersten Schritte und beobachten wie die Menschen ihre alltäglichen Arbeiten ausführen und sich über den aktuellen Klatsch und Tratsch unterhalten. An jeder Ecke gibt es etwas zu entdecken, da wäre beispielsweise der Capella-Chor, der sich auf einem fliegenden Gefährt an Zuschauern erfreut und der nette Mann, der uns eines seiner Hot-Dogs schmackhaft machen will. Nach einer Weile kommen wir sogar an einen gut besuchten Jahrmarkt, an dem wir an zahlreichen Schießbuden unser Glück versuchen dürfen, um einen netten Preis abzustauben. Aber spätestens als wir im örtlichen Park ankommen, wird klar, dass der Schein der Stadt trübt. Auf einem Podest werden Lose angeboten und auch uns wird ein Los in Form eines Baseballs aus dem Korb angeboten, auf dem die Zahl 77 abgebildet ist. Kurz darauf zieht der Mann mit dem Schnauzbart auf dem Podest eine Karte aus einer Trommel und wie es der Zufall will sind wir der Glückliche Gewinner. Plötzlich öffnet sich der rote Vorhang hinter dem Mann und es werden zwei gefesselte Menschen herbei gefahren, ein weißer Mann und eine schwarze Frau, die wir mit unserem Glücksball abwerfen sollen. Angefeuert vom tosenden Publikum, haben wir nun die Wahl auf die beiden gefesselten Menschen, oder den Mann mit dem Schnauzer auf der Bühne abzuwerfen. Spätestens jetzt wird klar, dass wir in einer Stadt voller Rassisten und Fanatikern gelandet sind, was zu der damaligen Zeit leider keine Seltenheit war.

Im weiteren Spielverlauf entdecken wir auch noch die weniger glänzenden Seiten von Columbia, wo die Schwarzen in heruntergekommenen Baracken ihre Obdach finden konnten und mit Nahrungsmangel um ihr Leben kämpfen müssen. Das schlimme ist, dass gegen dieses Unrecht nichts unternommen wird, denn der Herrscher von Columbia, unterstützt diese Bedingungen buchstäblich. Comstock, oder auch „Prophet“ genannt, herrscht alleine über die fliegende Stadt und verbreitet sein fanatisches Denken wie ein Lauffeuer.

Aber zunächst heißt es einen kühlen Kopf zu bewahren und sich ganz auf Elizabeth zu konzentrieren, die sich gefangen in einer riesigen Statue befindet. Umso näher wir unserem Ziel kommen, desto schneller wird uns klar, dass Elizabeth eine nicht allzu unwichtige Rolle in Columbia spielen dürfte und als wir sie schließlich aus ihrem Verließ befreien, bestätigt sich unsere Befürchtung, denn nun scheint die ganze Stadt hinter uns her zu sein…

Dream-Team

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Elizabeth – Wächst uns mit der Zeit ans Herz

Zunächst setzen wir alles daran Elizabeth einfach so schnell wie möglich nach New York zu unserem Auftraggeber zu verfrachten, jedoch lernen wir Elizabeth mit der Zeit näher kennen und erfahren mehr über ihren Charakter. Wir denken  nun schon gar nicht mehr daran sie zu entführen. Stattdessen weckt sie den Beschützerinstinkt in uns und erweist sich zudem als echte Hilfe. Das zeigt sich nicht nur in den zahlreichen Dialogen und Zwischensequenzen sondern auch im eigentlichen Gameplay. Sollten wir mal in Schwierigkeiten stecken, hilft uns Elizabeth meistens aus der Patsche. Benötigen wir beispielsweise Munition, wirft sie uns ausreichend Blei zu. Selbst wenn es mal knapp an Gesundheit ist, weiß sie uns zu helfen und schiebt uns ein Medi-Pack zu. Zwar stärkt dies die Bindung der beiden Charaktere, vor allem aber wird das Spiel dadurch viel zu leicht. Wer schon die ein oder andere Erfahrung mit Shootern hatte, wird sich schnell unterfordert fühlen, da es ein leichtes ist, die Gegner zu erledigen. Dies wird nochmal um ein Vielfaches leichter, wenn Elizabeth uns andauernd aushilft. Selbst was das Geld angeht, schnippt sie uns des Öfteren ein paar Münzen zu, die es ohnehin schon wie Sand am Meer gibt. Obendrein hat Elizabeth auch noch die Fähigkeit sogenannte Risse zu öffnen um den Zugang zu einem anderen Ort zu gewähren. Mal ist es eine schöne Wiese, oder auch mal ein idyllischer Park, aber in unserem Falle sind es meistens schwere Geschütze und Medi-Packs. Als wäre das Spiel nicht schon leicht genug, werden wir auch hier nur so von Waffen, Geschützen, Enterhaken und Medi-Packs zu gebombt.

Fragen über Fragen

Wie man es eventuell schon zu Beginn der Review gemerkt hat, ist die Handlung von BioShock Infinite ziemlich umfangreich und verwinkelt. Es ist schwer alles kurz und bündig zusammenzufassen. Schlecht ist das keineswegs, denn es sorgt dafür, dass man stundenlang fasziniert vor dem Bildschirm sitzt und sich der vielen liebevollen Details in der Story erfreut. Allerdings wirft die Handlung auch viele Fragen auf, die leider BioShock-Typisch unbeantwortet bleiben. Zum Glück werden zum Ende hin viele offenstehende Fragen beantwortet, dumm nur, dass sich am Schluss trotzdem wieder neue Fragen stellen. Naja wie man das ganze jetzt nun betrachtet, bleibt jedem selbst überlassen, aber wir meinen: Die vielen Fragen machen ein echtes BioShock eben aus.

Klingt nicht nur gut, sieht auch noch gut aus

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Columbia – Sieht einfach atemberaubend aus

Technisch ist BioShock Infinite solide, aber dennoch kein Meisterwerk. Fest steht aber, dass es trotz der kleinen Mankos, wie etwa den teilst matschigen Texturen, durch die Liebe zum Detail überzeugen kann. Man wird einfach buchstäblich in die Welt einbezogen und möchte jeden Winkel erkunden. Selten haben wir eine so schöne Spielwelt gesehen, die nur so von Details und Farben strotzt. In Sachen Stil macht man BioShock Infinite definitiv nichts vor.

Noch besser als die Grafik, ist der Sound, der uns das ganze Spiel über begleitet. Alleine die Musik während der Ladezeiten hat schon einen Emmy verdient. Man könnte sagen, dass beinahe 50% der gesamten Atmosphäre der Musik zu verdanken ist. Besonders atmosphärisch wird es, wenn man immer näher an einen laufenden Plattenspieler kommt, der in irgendeinem Gebäude die alte rauschende Musik hervorbringt. Neben dem hervorragenden Soundtrack, leisten aber auch die deutschen Synchronsprecher gute Arbeit. Selbst Nebencharaktere haben stets angenehme und passende deutsche Stimmen erhalten. Es ist nicht ein einziges Mal aufgefallen, dass irgendeine Line gekünstelt oder verfremdet geklungen hat. Hier hat Irrational Games wirklich nichts falsch gemacht. Gute Arbeit!

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Columbia – An solchen Automaten kann man beispielsweise Munition kaufen

Natürlich ist auch im neuesten BioShock-Ableger das verfügbare Waffenarsenal recht ordentlich und exotisch. Übergroße Visiere, oder extrem breite Läufe sind eben Markenzeichen der Waffen aus dem Spiel. An Automaten, die nützlicher Weise an jeder Ecke herumstehen, können wir jederzeit unsere Waffen aufrüsten. Zum Beispiel kann der Schaden auf bis zu 50% erhöht, oder der Rückstoß verringert werden. Munition kann natürlich auch für kleines Geld erworben werden, was wiederrum verhindert, dass wir arm werden, denn Geld gibt es in Columbia reichlich. Man findet die Münzen in Fässern, Kassen, Konservendosen, Truhen und sogar in Werkzeugkisten. Zu allem Überfluss erhalten wir im Laufe der Zeit auch noch ein halbes Vermögen von Elizabeth. Naja genug über das Geschäftliche, wenden wir uns lieber den Kräften zu, die in der ganzen Stadt angeboten werden. Das System der Kräfte funktioniert genau wie in den beiden ersten Teilen der Reihe. Mit der Zeit sammeln sich eben einige Kräfte an, die wir durch Tränke erhalten. Nun können sie in einem Auswahl-Rad jederzeit ausgerüstet und gegen Feinde eingesetzt werden. Auch hier besteht natürlich die Möglichkeit die gewünschten Kräfte zu erweitern, oder völlig neue zu ergattern.

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Columbia – Skyhooks sorgen für Abwechslung

Um möglichst schnell von A nach B zu gelangen, kann Booker die sogenannten Skyhooks nutzen, welche sich regelmäßig in greifbarer Nähe befinden. Booker klinkt sich in einer der beiden eisernen Schienen ein und schießt mit einem enormen Tempo wie in einer Achterbahn durch die Lüfte. Die ohnehin schon spaßigen Spritztouren werden noch lustiger, wenn es nebenbei zu Schießereien kommt und wir die Gegner mit Lufttritten ins Jenseits befördern können, oder den Fieslingen während der Fahrt den Garaus zu machen. Insgesamt wird das Gameplay durch diese temporeichen und dynamischen Passagen ziemlich gut aufgelockert.

Handy-Man und Co.

Während wir uns in im ersten BioShock noch mit dem Big Daddy begnügen mussten, macht uns diesmal der sogenannte Handy-Man die Hölle heiß. Vor ihm ist man nicht einmal auf den Skyhooks sicher, denn mit leichtigkeit setzt er die eisernen Schienen unter Strom und das bedeutet Abflug für jeden Passagier. Hin und wieder stellen sich uns auch die sogenannten “Patriots” in den Weg, dies sind schwer bewaffnete Maschinen mit dem Kopf eines amerikanischen Volkshelden. Aber das wohl furchterregendste Geschöpf in Columbia ist der Songbird, er ist der persönliche Leibwächter von Elizabeth und wird durch eine bestimmte Melodie herbeigerufen. Man sieht, dass Irrational Games auch diesmal wieder ziemlich kreativ bei der Charaktergestaltung war.

Ganz großes Kino!

BioShock Infinite ist zu Recht das bisher Best bewertete Spiel 2013. Die Atmosphäre ist kaum zu übertreffen und auch in Sachen „Stil“ hat Irrational Games die Messlatte extrem hoch für die Konkurrenz gelegt. Auch die Story hält bei Laune und sorgt für mehrere Stunden durchgehenden Spielspaß. Den Multiplayer-Part suchen wir zwar diesmal vergeblich, aber seien wir mal ehrlich, wer braucht schon einen Multiplayer in BioShock? Jedenfalls lohnt sich der Trip in die faszinierende Wolkenstadt allemal.

bioschock

*BioShock: Infinite darf in keiner guten Spielesammlung fehlen!*

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